Formel 1: Vettel spielt Feuerwehrmann, Räikkönen hört auf

Frederik Hackbarth

03 Sept. 2021

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Verstappen-Festspiele beim Comeback der F1 in Zandvoort. Kimi Räikkönen beendet Karriere, Sebastian Vettel unfreiwillig Feuerwehrmann

(Fotos: Alfa Romeo, F1 TV, Mercedes)


Die Formel 1 ist nach 36 Jahren zurück in Holland. Möglich macht das Comeback der Boom um Titelkandidat Max Verstappen. Bereits am ersten Trainingstag der Zandvoort-Rückkehr, wo Niki Lauda 1984 das bis dato letzte F1-Rennen gewinnen konnte, sind die Ränge vollgepackt mit Oranje. Die Veranstalter vor Ort hätten noch viel mehr Tickets verkaufen können, dürfen die Tribünen wegen Corona aber nur zu zwei Dritteln auslasten. Im Vorjahr hatte die Pandemie gänzlich für eine Absage des Rennens an der Nordseeküste gesorgt.

Vergessen sind unter strahlend blauem Himmel am Freitag bei 18 Grad Außen- und 25 Grad Streckentemperatur auch die Wetterkapriolen vom vergangenen Wochenende, als die Königsklasse in Spa kaum zum Fahren kam. Kurios geht es allerdings auch in Zandvoort weiter: Mittendrin ist dabei Sebastian Vettel, der seinen Aston Martin nach einem Problem mit dem Energierückgewinnungssystem und anschließendem Motorschaden auf der Strecke abstellen muss.

Erst kämpft Vettel mit dem Feuerlöscher, danach wird klar: sein Renner steht wegen des Schadens unter Strom, ein Mechaniker in spezieller Schutzkleidung muss mit Gummihandschuhen und Spannungsmesser anrücken, ehe das Auto sicher von den überforderten Streckenposten geborgen werden kann. Bitter ist das nicht nur für Vettel sondern auch für seine 19 Kollegen, denn die Fahrer verlieren wegen der aufwändigen Bergung fast 40 Minuten Fahrzeit in der ohnehin nur einstündigen Auftaktsession.

Schnellster ist am Ende Lewis Hamilton, der mit seiner Rundenzeit von 1:11.500 Minuten Lokalmatador Verstappen und seinen Fans die erste Party schon einmal vermiest. 97 Tausendstel fehlen dem Red-Bull-Piloten, der auch in der WM drei Punkte hinter Hamilton liegt, auf die Bestzeit des Briten. Hinter den WM-Kandidaten reihen sich auf dem engen und winkeligen Kurs die Ferrari von Carlos Sainz und Charles Leclerc ein.

Valtteri Bottas im zweiten Mercedes wird Fünfter. Der Finne steht am Wochenende besonders wegen der Geschehnisse auf dem Fahrermarkt im Fokus: Auch wenn die offizielle Bestätigung noch aussteht und wohl erst beim nächsten Rennen im italienischen Monza erfolgen wird, steht der Finne vor einem Wechsel zu Alfa Romeo. Bei Mercedes ist für Bottas kein Platz mehr, die Stuttgarter haben sich dem Vernehmen nach für eine Beförderung von Junior George Russell entschieden, der aktuell bei Williams geparkt ist und dort mit guten Leistungen, wie zuletzt dem zweiten Platz in Spa, auf sich aufmerksam macht.

Der Weg zu Alfa wird für Bottas indes frei, weil Landsmann Kimi Räikkönen unter der Woche sein Karriereende verkündet hat. Der Publikumsliebling und Weltmeister von 2007 zieht mit 41 einen Schlussstrich unter seine Laufbahn. Nach 20 Jahren Formel 1 hat Räikkönen genug. "Dieser Sport ist sehr zeitintensiv und bestimmt dein ganzes Leben. Es wird Zeit normale Sachen zu machen und ein normales Leben zu führen", so der Familienvater, der den Entschluss laut eigener Aussage bereits letzten Winter getroffen hat.

Räikkönen begann seine F1-Karriere 2001 für Sauber, wechselte nach nur einem Jahr ins Top-Team McLaren. 2007 ging er zu Ferrari, Ende 2009 legte der Finne zwei Jahre F1-Pause ein, um Rallye und NASCAR zu fahren. Nach dem Comeback 2012 für Lotus fuhr er ein zweites Mal für Ferrari und schließlich für Alfa. Nicht nur die Fans werden den oftmals wortkargen 'Iceman' vermissen, auch Weltmeister Hamilton streut dem Rekordstarter der Formel 1 (bislang 342 GP-Starts) zum Abschied Rosen: "Kimi wird uns fehlen. Er ist ein cooler Typ und schon unglaublich lange dabei. Ich hatte das Privileg als Youngster sein Teamkollege (2006 als Testpilot bei McLaren; d. Red.) zu sein: was für ein fantastischer Fahrer!"

Warme Worte gibt es am Freitag aber nicht nur für den scheidenden Altmeister sondern auch für den 4,320 Kilometer langen Kurs in Zandvoort, der nach einer grundlegenden Modernisierung unter anderem mit zwei überhöhten Steilkurven besticht und viel Spekakel fürs Wochenende verspricht. "Es ist eine unglaubliche Strecke und wird sicher eine der Lieblingsstrecken für alle Fahrer. Sie ist noch richtig oldschool und hat viele Elemente, die sie ein bisschen zu einer Achterbahn machen. Ich bin unglaublich gespannt", erklärt Mercedes' designierter neuer Star George Russell.

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Frederik Hackbarth

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