Freihandelsabkommen RCEP: Die neue asiatische Marktmacht

Was Europa mit den USA anstrebt, mit Kanada ausgehandelt hat und im Mercosur-Raum durch die Abfackelung der Wälder gestoppt wurde, ist verglichen mit dem neuen Freihandelsabkommen der 15 asiatisch-pazifischen Staaten eher klein. Seit letztem Wochenende sind sie die Länder in der global größten Freihandelszone zusammengeschlossen. Das hat Folgen für die Produktionsgeografie.

Was Europa mit den USA anstrebt, mit Kanada ausgehandelt hat und im Mercosur-Raum durch die Abfackelung der Wälder gestoppt wurde, ist verglichen mit dem neuen Freihandelsabkommen der 15 asiatisch-pazifischen Staaten eher klein. Seit letztem Wochenende sind sie die Länder in der global größten Freihandelszone zusammengeschlossen. Das hat Folgen für die Produktionsgeografie.


Zwischen den RCEP-Ländern werden künftig fast alle Waren zollfrei gehandelt, was die beteiligten Volkswirtschaften kräftig ankurbeln wird. Und das neue Bündnis ist mächtig, es stellt rund ein Drittel der weltweiten wirtschaftlichen Leistungen.


Beeindruckende Zahlen, die den Europäern vor Augen führen, dass sie auf dem absteigenden Ast im Ranking der Wirtschaftsmächte sind. Für die hiesige Autoindustrie bedeutet das, dass die Absatz-Musik noch mehr als bisher im fernen Osten spielt. Laut Auto-Experte Ferdinand Dudenhöffer fällt auf den neuen Staatenbund ein Marktanteil von knapp 43 Prozent, in 20 Jahren dürften es 50 Prozent sein.


Dem Gesetz nach, die Produktion geht dorthin, wo der Markt ist, dürfte für Europas Hersteller klar sein: Wer in Ländern wie Japan, Korea und China nicht gut aufgestellt ist, hat verloren. Wer noch ausbauen kann, wird das schleunigst tun, wahrscheinlich zulasten europäischer Produktionsstätten. Denn Toyota, Mazda oder Hyundai haben nun ungehemmten Zugang zum wertvollen chinesischen Markt und kann dort zum Halali blasen – wenn auch bei zuletzt abnehmenden Absatzzahlen. Im Reich der Mitte wurden im vergangenen Jahr mit 21,1 Millionen Fahrzeugen rund 2,2 Millionen Einheiten weniger verkauft als im Vorjahr (minus 9 Prozent).


Zwar konnten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz 2019 ihre dortigen Verkäufe entgegen dem Trend um 2 Prozent auf 5,2 Millionen Fahrzeuge steigern, was einem Marktanteil von 24,7 Prozent (2018: 21,8 Prozent) entspricht. Doch werden die Autokäufer in China nun dank neuem Wirtschaftsabkommen von mehr Marken als bisher umworben.


Die gute Botschaft: Man kann nun seine Standorte auf einen der 15 Staaten konzentrieren. Denn auch für die deutschen vor Ort wird der Export in die anderen RCEP-Staaten leichter. Zurzeit sind nämlich vor allem in den kleineren Staaten des Wirtschaftsraums nur sogenannte „Completely Knocked Down“-Produktionen angesiedelt. Das bedeutet, dass die Autos als Komponenten und Baugruppen angeliefert und dann zusammengebaut werden.


Die größte Gefahr lauert für die Zulieferer. So warnt Ifo-Präsident Clemens Fuest, es sei möglich, dass europäische Exportprodukte durch Erzeugnisse aus der neuen Freihandelszone ersetzt würden: „Mittelfristig könnte der Marktzugang für Staaten, die nicht Teil des Abkommens sind, schwerer werden“, meint der Experte.Strategisch komme hinzu, dass das Abkommen es China erleichtern werde, Regeln und Standards zu setzen. „Europa hat deshalb ein dringendes Interesse, seine eigenen Handelsabkommen mit asiatischen Staaten auszubauen“, so Fuest.


Dennoch wäre es gefährlich, sich jetzt ausschließlich auf den RCEP-Raum zu konzentrieren. Die schwebenden Handelsabkommen der EU, allen voran das mit der USA, müssten vorangetrieben werden. Denn der Markt werde kleiner, die Verkäufe schrumpften nämlich nicht nur in Asien.Laut Fuest sollte Europa und die USA das asiatische Abkommen als handelspolitischen Weckruf verstehen.


(Foto: Volkswagen)

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