Gebrauchtwagen-Kaufberatung Ford Focus III: Einmal rund um die Welt

Roland Wildberg

07 Apr. 2021

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Lust auf ein Auto aus Australien? Oder aus USA? Oder aus Brasilien? Alles das ist der Focus III: Er wurde für die ganze Welt entwickelt. Der kompakte Ford musste ab 2010 Menschen in 40 Ländern der Erde von sich überzeugen, und diese Aufgabe meisterte das Modell sehr gut. So war es 2012 bis 2014 mit jährlich mehr als einer Million Exemplaren das weltweit meistverkaufte Automodell

(Fotos: Ford)


Ursprünglich gab es den Focus in diversen Karosserievarianten vom Kombi bis zum Cabrio-Coupé mit festem Klappdach. In der dritten Modellgeneration (2010-2018) war es damit vorbei: Sie ist nur noch als Kombi und Limousine verfügbar. Gewohnt umfangreich dagegen die Motorenauswahl. Ihr könnt zwischen Diesel mit eine Leistung zwischen 95 und 163 PS wählen, die Benziner kommen auf 100 bis 182 PS. Darüber thronen die Sportversionen, die Ford mit dem Zusatz „ST“ versieht. Dazu zählte erstmals auch ein Diesel, dieser leistet 185, der Benziner 250 Pferdestärken. Immer noch nicht genug? Dann greift zum „RS“ mit 350 PS.


• Ab 5000 Euro gibt es gut erhaltene Focus III mit neuer HU, der Kombi kostet im Schnitt rund 500 Euro mehr


• Im Februar 2014 gab es ein Facelift für den Focus; vor allem wurde die zuvor verschachtelte Bedienung entrümpelt.


• Dieser Focus erhielt als erstes Auto überhaupt Euro NCAP Advanced Awards, Auszeichnungen für besondere Sicherheitssysteme


• Im Focus debütierte 2012 die hochgelobte, ebenso leistungsfähige wie sparsame EcoBoost-Motorenfamilie – turbogeladene Dreizylinder


• Der Ford Focus Electric wurde ab 2011 in den USA und ab 2013 in Deutschland gebaut


Was Ford seit Jahrzehnten richtig gut hinbekommt, ist das Fahrwerk. So auch bei dieser Focus-Generation. Zwar gewann der Erzrivale VW Golf nahezu jeden Vergleichstest, aber in einem waren sich Tester einig: Das gleichzeitig präzise wie sportliche und komfortable Fahrwerk des Focus erreicht er nicht. Sonst ist der Ford ein typischer Vertreter der Kompaktklasse mit vielen Stärken und wenig Schwächen. Allerdings entsprechen Verarbeitung und Materialqualität im Innenraum anfangs nicht dem Klassenstandard.

Schluckt der Fünftürer zwischen 316 und 1215 Liter mit Notrad und umgeklappter Rückbank, bringt es der Kombi auf 476 bis 1502 Liter


Groß wie immer ist die Auswahl der Ausstattungspakete. Anfangs standen Ambiente (Grundmodell), Trend, Titanium und die schon erwähnte Sportversion ST zur Wahl. Zusätzlich gab es die Sondermodelle Champions Edition, Sync Edition und Ecoboost S. Ab dem Facelift von 2014 gab es dazu Sport und Business. Der Focus war im Vergleich mit dem VW Golf immer günstiger – bei besserer Ausstattung.


Ein großes Angebot


Einen Focus zu finden ist nicht schwer, das Angebot ist sehr groß. Die Sonderfälle ST und RS kurz beiseite gelassen, stehen jederzeit rund 9000 Ford Focus zum Verkauf. Den praktischen Charakter des Autos steigert die bei Ford „Turnier“ genannte Kombiversion natürlich enorm. Etwa zwei Drittel der Angebote im Netz tragen den Zusatz. Noch besser für euch: Der Aufpreis ist mit knapp 500 Euro im Vergleich zum Fließheck sehr gering.

Praktisch keine Rolle am Markt spielt die Elektroversion „Electric“ mit einer Reichweite von offiziell 162 Kilometern


Deutlicher mehr müsst ihr anlegen, wenn ihr euch für die vergleichsweise seltenen Diesel entscheidet, die auf dem Gebrauchtwagenmarkt nur knapp 40 % Marktanteil haben. Wer einen Selbstzünder kaufen will, zahlt rund 1000 Euro mehr als für einen Benziner. Die sparsamen EcoBoost-Varianten kosten 500 Euro mehr als die klassischen Vierzylinder. Nahezu nicht vertreten ist die Elektroversion.


Bei rund 5.000 Euro geht es los, wenn Ihr auf frischen TÜV und einer Laufleistung von maximal 100.000 Kilometer besteht. Dafür gibt es einen rund zehn Jahre alten Benziner. Wer mit 10.000 Euro das Doppelte ausgeben will, erhält eine kräftig motorisierte Version der beiden letzten Baujahre. Die ST und RS-Modelle sind selten am Markt und schwierig einzuschätzen. Faustformel: Vernünftige ST starten bei 15.000, nochmals deutlich teurer sind die RS-Varianten mit 25.000 Euro.

In den USA gelten Stufenheckversionen als sportlich, in Europa eher die „Hot Hatches“ mit Heckklappe. Bei uns war der Viertürer kein Erfolg


Die Verbräuche: Im Schnitt 5,8 Liter schlucken die Diesel, 7,5 Liter die Benziner, wobei der moderne EcoBoost einen Liter weniger konsumiert. ST und RS spielen auch hier in einer anderen Liga, weil bei ihnen natürlich die jeweilige Fahrweise eine starke Rolle spielt. Im Gegensatz zum Vorgänger ist der Tank kleiner geworden und fasst nur noch 50 Liter. Mehr brauche es nicht, so Ford, da der Focus um einiges sparsamer geworden sei.


Dynamischer Kompakter mit zwei Schwachpunkten


Eigentlich ist der Ford Focus bei der Hauptuntersuchung ein zuverlässiger Typ. Wenn nicht zwei Schwachpunkte unangenehm auffallen würden: Zuerst ist da die schnell bröselige Auspuffanlage, und das in allen Jahrgängen. Wenn ihr die am Unterboden checkt, werft auch einen Blick auf potenziellen Ölverlust des Motors.


Schwieriger zu erkennen sind die Mängel am Fahrwerk. So gut der Focus fährt, bei der Haltbarkeit von Buchsen, Federn und Dämpfern des Fahrwerks haben sich die Kölner eher wenig Mühe gegeben. Wenn ihr das nicht beurteilen könnt, stellt den Kauf-Kandidaten besser in einer Werkstatt vor. Beim TÜV fallen zudem Mängel an der Beleuchtung auf, was aber eher ein Wartungsmangel ist. Alle andere Baugruppen sind relativ stabil. Das fängt beim praktisch nicht vorhandenen Rost an, geht über meist sehr gute Bremsen weiter bis zur komplett unauffälligen Lenkung.

Spoiler? Check. 250 PS? Check. 248 km/h Höchstgeschwindigkeit? Check. Da steht er, der Ford Focus in der sportlichen ST-Ausführung


Die Pannenhelfer des ADAC ordnen den Focus III eher als Durchschnittsware ein. Nach etwa fünf Jahren wechselt er von „Gut“ auf „Mittel“. In der Hauptsache legen ihn Klassiker wie entladene Batterien oder defekte Anlasser still, aber häufig sind auch undichte Heiz- und Kühlschläuche. Wollt ihr den Focus länger fahren, lasst die frühzeitig tauschen – bei einem Überhitzen durch Kühlwasserverlust droht eine durchgebrannte Zylinderkopfdichtung. Ebenfalls auffällig: die Turbolader der 1,6-Liter-Diesel.

Nochmal 100 PS mehr als der ST hat der RS unter der Haube, der auch optisch alle Zurückhaltung aufgibt. Auf der Rennstrecke ist er nicht falsch


Im NCAP-Crashtest erreichte der Focus die Maximalwertung von fünf Sternen. Ein sehr gutes Ergebnis.


Alternativen


Die naheliegenden Alternativen zum Ford kommen natürlich von Opel und VW und heißen Astra beziehungsweise Golf. Ford und Opel sind als Gebrauchtwagen etwa gleich teuer, wobei der schwerere Astra etwas mehr verbraucht. Der Golf scheint auf den ersten Blick nur 300 bis 500 Euro teurer, aber schaut genau hin. Die meisten dieser Angebote von Volkswagen sind dank rigider Aufpreispolitik schlechter ausgestattet, auch im Vergleich zu den vielen, sicherheitsrelevanten Assistenzsystemen des Ford. So kann es durchaus vorkommen, dass der Ford-Fahrer sich auf edlem Leder räkelt und dank Klimaautomatik im Sommer einen kühlen Kopf bewahrt, während der Golf-Pilot die Stoffsitze durchschwitzt. Da hilft nur ein genaues Studium des Anzeigentextes. Alternativen wie Kia Ceed oder die Japaner liegen in etwa in der Preisklasse des Fords.


Fazit


Richtig gut ist der Ford Focus als Gebrauchter nicht, aber schlecht keinesfalls. Achtet man auf Auspuff und ein verschlissenes Fahrwerk, so sind die größten Fehlerquellen abgehakt. Die Diesel haben eine grüne Plakette und erreichen Euro 5, aber kosten eben ein ganzes Stück mehr. Für den normalen Autofahrer sind dank geringem Aufpreis die modernen EcoBoost-Dreizylinder die beste Alternative und dann kann es auch ein Kombi sein. Fahrspaß ist bei Allen garantiert.

In einer anderen Liga spielen die ST- und RS-Versionen. Nur zur Info: Für den allradgetriebenen RS gab es ein Fahrprogramm namens Drift. Damit fließt bis zu 100% der Kraft allein an die Hinterräder, was die Reifen im Nu in schwarzen Qualm verwandelt… Exemplare mit serösem Hintergrund und Scheckheft sind eindeutig vorzuziehen.

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Roland Wildberg

07 Apr. 2021