Hersteller drängen auf mehr öffentliche Lademöglichkeiten

Mathias Keiber

30 Dez. 2021

An einem Ausbau der Infrastruktur für Elektroautos führt kein Weg vorbei. Allerdings tritt eine für das Vorhaben zentrale Branche auf die Bremse.

Es wird zusehends eng um die öffentlichen Ladesäulen für Elektroautos in Deutschland. Hintergrund: Die prämienbefeuerte Nachfrage lässt die Zahl von Elektroautos auf deutschen Straßen deutlich schneller steigen als die Zahl von Lademöglichkeiten an deutschen Straßen.


Der Verband der Automobilindustrie (VDA), die Interessenvertretung der Autohersteller also, fordert deshalb eine gemeinsame Offensive von Privatwirtschaft und öffentlicher Hand. Tankstellen, Gebäudewirtschaft, Parkplatzbetreiber, Energieversorger und Kommunen sollten „einen konkreten Plan entwickeln, wie der Ausbau beschleunigt und Laden für die Menschen einfacher sowie schneller wird“, sagte VDA-Präsidentin Hildegard Müller dem Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Immer mehr Elektroautos müssten sich eine Ladesäule teilen. 2020 seien auf eine öffentliche Ladesäule noch 13 reine Stromer und Plugin-Hybride gekommen. Mittlerweile seien es bereits 22.


Um das Ziel der neuen Bundesregierung von 15 Millionen Elektroautos und einer Million Ladepunkte bis 2030 zu erreichen, müsse sich „die derzeitige Geschwindigkeit beim Ausbau der Ladeinfrastruktur verachtfachen“, betont Müller – und drängt deswegen auf ein Spitzentreffen der beteiligten Branchen. Inwieweit die Energieversorger dabei mitmachen, ist jedoch fraglich. Denn der Energiewirtschaftsverband BDEW lehnt fixe Ziele beim Ausbau der Ladeinfrastruktur bislang ab. Begründung: Es könnte ein Überangebot entstehen. Denn wie der konkrete Bedarf nach öffentlichen Ladesäulen in zehn Jahren aussieht, lässt sich aktuell eben noch nicht mit Bestimmtheit sagen.


Offene Fragen: Laden die Meisten zu Hause? Wie viele Autofahrer werden nach wir vor mit einem Verbrenner unterwegs sein? Setzen sich E-Fuels durch? Vielleicht sogar Wasserstoff? Für beide Kraftstoffe ließe sich das bestehende Tankstellennetz nutzen oder umrüsten. Der Bedarf an grundständig zu errichtender Infrastruktur für Elektroautos würde das reduzieren.


Vor diesem Hintergrund stellt BMW die Attraktivität des Ladens in den Vordergrund: „Laden soll noch komfortabler als Tanken werden“, heißt es in einer aktuellen Pressemitteilung des Münchener Konzerns. Und im Prinzip sei das auch schon der Fall, jedenfalls wenn man zu Hause an der Wallbox laden könne, oder am Arbeitsplatz. „Dort steht das Fahrzeug tagsüber sowieso“, sagt Vorstandsmitglied Ilka Horstmeier (im Bild). „Auch hier gibt es einen großen Komfort-Vorteil gegenüber dem Tanken: Welcher Arbeitgeber hat denn eine eigene Tankstelle für Mitarbeiter?“


Da jedoch auch nicht jeder Arbeitgeber seinen Angestellten einen Parkplatz mit Lademöglichkeit bieten kann, bläst Horstmeier ins gleiche Horn wie die VDA-Präsidentin: „Die Fokussierung auf den schnellen Aufbau greift an manchen Stellen zu kurz. Natürlich brauchen wir zeitnah viele öffentliche Ladepunkte, um den steigenden Bedarf zu decken. Aber vor allem braucht der Kunde einen einfachen Zugang zu möglichst vielen Ladepunkten – und zwar flächendeckend zu attraktiven Konditionen.“


Damit es dazu möglichst rasch kommen kann, bedarf es jedoch nicht nur einem Mehr an Zielharmonie unter den beteiligten Branchen, sondern ebenso der öffentlichen Hand. Und der neue Bundesverkehrsminister Volker Wissing (FDP) signalisiert bereits Gesprächsbereitschaft in Sachen Ladeinfrastruktur. „Wir können die Menschen nur vom Umstieg auf klimafreundliche Elektromobilität überzeugen, wenn wir sicherstellen, dass sie überall schnell und unkompliziert laden können“, so der Pfälzer gegenüber den Funke-Medien. „Nur wenn Laden so einfach wie Tanken wird, schaffen wir es, die Menschen auf dem Schritt in Richtung Mobilität der Zukunft und Klimaneutralität mitzunehmen.“


Klar ist: Es muss sich was tun. Und das bald. Denn die Nachfrage nach Elektroautos kennt aktuell nur einen Weg – den nach oben. 


(Foto: BMW)

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Mathias Keiber

30 Dez. 2021