Honda Jazz Crosstar im Test: Das Von-Innen-Größer-Als-Von-Außen-Auto

Mathias Keiber

25 Mai. 2021

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Honda setzt mit der SUV-Variante seines Kleinwagens voll auf Vollhybrid und Vollausstattung. Wir haben den Jazz Crosstar getestet.

YesAuto Bewertung:

/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

Für was steht Honda eigentlich? Auf diese Frage gibt es viele Antworten – je nach dem, wen man fragt. Denn Honda ist kein Hersteller wie jeder andere. Für manche ist Honda die Motorradmarke, mit der der Italiener Valentino Rossi drei Weltmeistertitel gewonnen hat, für manche ein Hersteller von Außenbordern, manche mähen mit einem Honda ihren Rasen, manche fräsen Schnee, manche fahren ein Quad der Japaner, ganz wenige fliegen in einem Privatjet von Honda und ganz viele fahren natürlich ein Auto mit dem H-Logo auf der Front. Was all diese Produkte eint: Sie werden von einem Motor angetrieben. Honda ist, das wissen viele nicht, der größte Hersteller von Motoren der Welt. Knapp 30 Millionen motorisierte Fahrzeuge und Maschinen stellte Honda im letzten vor-pandemischen Geschäftsjahr (Ende: 31. März 2020) her – 19,3 Millionen Motorräder, 5,7 Millionen sogenannte „Power Products“ und 4,9 Millionen Autos. Zu den Autos gehört der Jazz, den es auch in der SUV-Variante Jazz Crosstar gibt.

Böser Blick? Der Honda Jazz Crosstar ist ein freundlich dreinblickender Verkehrsteilnehmer. (Foto: Mathias Keiber)


Schaut man sich den Kleinwagen von außen an, fällt einem von vorne zunächst das freundliche Gesicht ins Auge. Sind ab der Mittelklasse oft Autos unterwegs, deren Front ausschaut wie ein Raubtier auf der Jagd, gleicht der Honda Jazz Crosstar, um mal im Reich der Tiere zu bleiben, mit seinen die Motorhaube überragenden Scheinwerfern eher einem Forsch. Da stellt sich doch direkt die Frage: Kann der Jazz Crosstar große Sprünge machen? Die Antwort: Ja, das kann er. Und das ist nicht etwa eine Metapher, für die 2,9 Zentimeter mehr Bodenfreiheit, die der Crosstar gegenüber der regulären Version hat. Nein, es geht darum, dass der Crosstar sehr, sehr viel Auto für einen Kleinwagen bietet.


Viele Vorteile im Innenraum


Das merkt man schon beim Einsteigen. Vom Fahrersitz aus hat man einen geradezu hervorragenden Überblick: Dafür sorgen tief gezogene Fenster und die dünne A-Säule. An der unteren Fensterkante zieht sich ein gerade geschnittenes, schlankes Dashboard entlang, so dass im Zusammenspiel mit dem Fenstern und A-Säulen der Eindruck entsteht, das Auto wäre innen größer als außen. Und dabei handelt es sich nicht etwa um einen flüchtigen ersten Eindruck, sondern um einen, der sich beim ersten Fahren in der Stadt und dann auf 450 Kilometern Autobahn zwischen Mainz und München zementiert: Man fühlt sich im Kleinwagen als Herr der Straße – alles im Blick bei großzügigem Raumgefühl. Dass das Auto nur 1,73 Meter breit ist, merken die Augen nicht. Die Knie und der linke Ellenbogen, der auf der Türinnenverkleidung aufliegt, hingegen schon. Jedenfalls bei über 1,90 Meter Körpergröße. Und spätestens nach einer Stunde stellt der Ellenbogen dann auch fest, dass die Verkleidung aus Hartplastik ist.

Großartige Rundumsicht und schickes Dashboard mit Textilverkleidung. (Foto: Honda)


Hartplastik? Moment mal! Den Jazz Crosstar gibt es doch ausschließlich in der Top-Variante Executive. Richtig, aber Hartplastik gehört nun mal zum Kleinwagensegment, das ist auch bei der Konkurrenz in den Top-Varianten nicht anders. Weiche Materialien gibt’s in top ausgestatteten Kleinwagen meist dort, wo man sie nicht unbedingt braucht. Oder platziert jemand seinen Ellenbogen bei der Fahrt auf dem Dashboard? Natürlich nicht. Optisch ist Hartplastik von Aufgeschäumten oft nicht auf den allerersten Blick zu unterscheiden. Sinn ergeben weiche Materialien dort, wo etwas weich aufliegen soll. Für den Sehsinn sind sie von nachrangiger Bedeutung. Bei Honda hat man das wohl erkannt und das Dashboard an vielen Stellen, die man zwar sieht, aber eher nicht berührt, mit Textil bezogen. Und das macht optisch mehr Eindruck, als es alles zwischen aufgeschäumter Plastik und Hartgummi jemals könnte. Well done!


Was will man noch im Auge haben hinter dem Steuer? Richtig, das Instrumentendisplay und den 9-Zoll-Navi-Touchscreen. Beide sind auch bei Sonneneinstrahlung dank matter Oberfläche problemlos einsehbar. Per Apple Carplay (kabellos) oder Android Auto (USB-Kabel-gebunden) wird das Smartphone zum Infotainment-Pool und auch zum Navigator. In meinem Fall: Android Auto. Wer damit wissen will, wo’s lang geht, weiß mit den Services von Google schneller Bescheid als mit dem eingebauten Garmin-Navigationssystem. Das Instrumentendisplay ist vom Layout her wenig stylish (meine persönliche Meinung: nichts ist stylisher als analoge Instrumente), dafür aber überaus auskunftsfreudig und damit zweckdienlich. Eine besonders interessante Information, die darin permanent zu sehen ist: ob man sich gerade im Elektro-Modus befindet oder nicht. Denn der Honda Jazz Crosstar hat einen überaus interessanten Hybrid-Antrieb – übrigens der einzige für das Modell verfügbare Antrieb.


Vollhybrid mit drei Motoren


Zum Einsatz kommt ein Drei-Motoren-System: ein 1,5-Liter-Otto und zwei E-Motoren. Fürs Vorwärtskommen sorgt in erster Linie eine Elektroaggregat mit 109 PS und 253 Nm Drehmoment. Der Vierzylinder-Sauger treibt derweil einen zweiten Elektromotor an, der als Stromgenerator für den Elektroantrieb sorgt. In der Praxis sieht das so aus: Innerorts schaltet sich der Benziner meist schon nach wenigen Metern ab, somit ist man vollelektrisch unterwegs und bemerkt das in erster Linie durch das EV-Symbol im Instrumentendisplay – akustisch ist der Unterschied bei geschlossenen Fenstern und laufender Musik praktisch nicht auszumachen, spürbar ist er eh nicht. Erstaunlich: Das EV-Symbol ist im städtischen Verkehr deutlich häufiger an als aus.

Der Honda Jazz Crosstar ist überall zu Hause: innerorts, außerorts, auf Autobahnen, auf Feldwegen und natürlich auch auf Fähren. (Foto: Mathias Keiber)


Außerorts und auf Autobahnen hingegen ist das seltener der Fall. Dann muss der Verbrenner mitunter puschen und überträgt die Kräfte direkt auf die Vorderräder. Und mit der Stille im Innenraum war’s das dann auch, tritt man das Gas durch. Das gilt für vergleichbare Modelle anderer Hersteller zwar mitunter noch mehr als für den Jazz Crosstar, aber angenehm ist das trotzdem nicht. Für mich als Fan lauter Rockmusik sind die hörbaren Nachteile eines CVT-Getriebes aber vernachlässig- bzw. weitgehend übertönbar. Denn der Honda Jazz Crosstar kommt mit einer ordentlichen, wenn auch nicht unbedingt immersiven Audioanlage mit insgesamt acht Lautsprechern.

Auch von der Seite macht der Honda Jazz Crosstar eine gute Figur. (Foto: Mathias Keiber)


Allerdings macht sich das Vollgas geben nicht nur akustisch bemerkbar, der Jazz Crosstar ist vergleichsweise spritzig: Tempo 100 ist aus dem Stand in 9,9 Sekunden erreicht. Die Beschleunigung endet, wenn der Tacho 180 anzeigt. Und wenn das der Fall ist, dann gibt einem der Jazz Crosstar nicht das Gefühl, dass man augenblicklich den Fuß vom Gas nehmen sollte. Heimspiel hat das Modell aber dennoch innerorts, wo es mit Übersicht, Wendigkeit und niedrigem Verbrauch restlos überzeugen kann. Drei Liter sind dort möglich, außerorts sind es um die fünf, auf der Autobahn werden es schnell über sieben Liter.

Pure Magie: die separat hochklappbaren „Magic Seats“. (Foto: Tom Reissmann)


Punkten kann der Jazz Crosstar auch hinter dem Fahrersitz. Für Sitzriesen über 1,90 Meter reicht die Kopffreiheit zwar nicht, ein normalgroßer Erwachsener findet aber ausreichend Platz. Sitzt niemand auf der Rückbank, kann diese mit einem genialen Kniff als Stauraum verwendet werden. Denn die sogenannten „Magic Seats“ sind nicht nur umklappbar, wobei sich das Kofferraumvolumen von 298 auf 1199 Liter erhöht, sondern auch hochklappbar, wie Kinositze. Das kannte man zwar schon aus der Vorgängergeneration, was die Funktion jedoch nicht minder vorbildlich macht.


Teuer in der Anschaffung


Nicht ganz so vorbildlich ist der Preis von 26.800 Euro. Das liegt zum einen am Vollhybridantrieb, der mangels Plugin aber nicht förderfähig ist. Zum anderen bietet Honda den Jazz Crosstar nur in der Top-Ausstattung Executive an. Diese beinhaltet ein schlüsselloses Zugangs- und Startsystem, LED-Scheinwerfer und -Rückleuchten, Lenkrad und Schaltknauf aus Leder, wasserabweisende Sitzpolster, Einparkhilfe vorn und hinten, Klimaautomatik, Licht- und Regensensor, Sitzheizung vorn, Rückfahrkamera, 16-Zoll-Leichtmetallfelgen, Privacy-Verglasung und Dachreling. Auch Notbremsassistent, Spurhalter und adaptive Geschwindigkeitsregelung sowie Verkehrszeichenerkennung sind mit dabei.


Als Vollhybrid-Kleinwagen hat der Honda Jazz Crosstar zwei halbwegs echte Konkurrenten: den Toyota Yaris Hybrid und den Renault Clio E-Tech 140. Erstgenannten gibt es in der Basisvariante ab 19.990 Euro (Top-Variante: ab 25.390 Euro), zweitgenannten ab 22.650 Euro in der mittleren Ausstattungsvariante (Top-Variante: ab 24.400 Euro) – beide aber ohne SUV-Styling und erhöhte Bodenfreiheit.

Ein rundum gelungener Kleinwagen: der Honda Jazz Crosstar. (Foto: Mathias Keiber)


Fazit: Der Honda Jazz Crosstar hat kaum nennenswerte Schwächen – dafür aber viele Stärken. Für eine dreiköpfige Familie kann er dank Magic Seats und Dachreling sogar als Urlaubsauto herhalten. Seine großen Stärken hat er trotzdem innerorts, wo der Verbrauch am niedrigsten ist, niedriger als bei konventionell angetriebenen Kleinwagen. Herausragend ist die Cockpit-Gestaltung und die damit verbundene Rundumsicht. Trotzdem: 26.800 Euro für einen Kleinwagen ist kein leicht vermittelbarer Preis, selbst für ein innerörtliches Dreiliterauto mit Topausstattung.


Technische Daten

Getestete Modellvariante: Honda Jazz Crosstar 1.5 i-MMD Executive e-CVT

Länge / Breite / Höhe / Radstand: 4090 mm / 1725 mm / 1556 mm / 2520 mm

Kofferraumvolumen: 298 bis 1199 Liter

Motor / Antrieb: Elektromotor, Generator und Vierzylinder-Benziner mit 1498 cm³, max. Leistung 80 kW/109 PS, max. Drehmoment 253 Nm

Fahrleistungen: 9,9 s auf 100 km/h, 173 km/h Spitze

Verbrauch (WLTP): 4,8 l Super/100 km, 110 g CO₂/km

Leergewicht / Zuladung: 1325 / 385 kg

Preis: ab 26.800 Euro


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Mathias Keiber

25 Mai. 2021