Hyundai Kona N: Netter Nischen-Racer mit 280 PS

Attila Langhammer

30 Juli. 2021

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Der Hyundai Kona N ist die fahrspaßreichste Version des variantenreichen Klein-SUV. Hier erfährst Du, welche Komponenten wieviel Spaß machen – und was der kleine, harte Kerl mit dem Porsche 911 gemein hat

(Fotos: Hyundai, Dennis Gedaschke)


Das Klein-SUV Kona ist Hyundais Modell mit den meisten Antriebsvarianten, es gibt ihn als: Benziner; Benziner mit 48-Volt-Mildhybrid-Technik, Diesel, Diesel mit 48-Volt-Mildhybrid-Technik, Elektro-Antrieb, Hybrid – und jetzt auch als 280 PS/392 Newtonmeter starkes Performancemodell. Unter der Haube steckt das bekannte Performance-Aggregat der Koreaner, ein Zweilitervierzylinder mit Turboaufladung und außerdem eine Menge Elektrotechnik, die Dir zum maximalen Fahrspaß verhelfen soll.


Viel Spaß im Kona N


Gestartet wird der Kona N serienmäßig auf Knopfdruck, und immer im Eco-Modus. Das ist sinnvoll zum ordentlich warmfahren und wenn Du's gelegentlich auch mal komfortabel magst ist das auch der passende Fahrmodus, denn mit seiner Bummelsanftabstimmung liegt er meilenweit entfernt vom harten N-Modus. Aber mit einem Druck auf die blaue N-Taste im unteren rechten Lenkradquadrant zeigt er sein zweites Gesicht: im (serienmäßigen) digitalen Kombiinstrument schlagen Dir plötzlich virtuelle Flammen entgegen, die Dämpfer spannen sich hoppelhart, die Lenkung wird in Deiner Hand leider hart wir ein verkrampfter Muskel, die Gasannahme wirkt beinahe lagfrei und die Abgase zürnen durch die offenen Klappen ins Freie.

Also noch kurz vor der Kurve hammer down und den wahnsinnigen Grip der Vorderachse erfahren; 235/40 sind die Maße des Haftmittels, getragen auf einem eigens designten 19-Zoll-Schmiederad. Und solltest Du die Vorderachse am Scheitelpunkt mal etwas zu sehr überfordern, packt das (serienmäßige) elektrische Sperrdifferenzial zu und hilft, noch ein bisschen mehr Traktion zu erzeugen. Eine Allradvariante, obwohl für den regulären Kona verfügbar, gibt es für den N nicht und wird es auch nicht geben.

Aus dem Stand und mit aktivierter Launch-Control sprintet der Kona N in 5,5 Sekunden auf Tempo 100 und bei freier Autobahn wird er bis zu 240 km/h schnell. Bis auf Tempo Zweihundert zieht er dabei völlig hemmungslos durch und auch den Rest schafft er recht locker. Bei allen Beschleunigungsattacken gibt sich die nasskuppelnde Achtgangdoppelkupplungsautomatik tadellos und das selbe gilt für den Eco-Modus, in dem sie, sobald das Drehmoment ausreicht, den nächsten Gang einlegt. Lediglich im normalen Fahrmodus wirkt das Getriebe manchmal etwas planlos – aber auf den kannst Du ohnehin verzichten, weil der Sparmodus auch gut als Maximaler-Komfort-Modus taugt und für die extremeren Anliegen fährst Du Sport oder N. Oder Du konfigurierst Dir zwei Presets für die Custom-Einstellungen. Da kannst Du das Zusammenspiel von Auspuff, Dämpfern, ESP, Getriebe, Lenkung, Motor und Vorderachsdifferential frei konfigurieren – wenn Du den Kona N eine Weile fährst, vermutlich das beste was Du machen kannst.

Custom-Wissenschaften: Acht Parameter kannst Du in ihrem Zusammenspiel individuell programmieren


Im Kona N stecken aber nicht nur diese konfigurierbaren Spielereien sondern auch ein paar elektronische Kniffe, die die Entwickler – sozusagen als Spaßdreingabe – mit oben drauf gelegt haben. Zum Beispiel beherrscht das Getriebe drei Tricks, die Du nur bedingt beeinflussen kannst, die aber trotzdem Spaß machen: Grin Shift, Power Shift und Track Sense Shift. Die Grins-Schaltprogrammierung aktivierst Du mit dem roten Knop im unteren rechten Lenkradquadranten, dann schaltet die Automatik in den Gang, der bei der aktuellen Geschwindigkeit die beste Beschleunigung ermöglicht und für 20 Sekunden kannst Du so richtig lospowern – das funktioniert sogar im Öko-Modus, wenn Du spontan überholen oder durch ein paar Kurven knallen willst. Und diese Option ist auch die Gemeinsamkeit mit dem Porsche 911, da kannst Du auf Knopfdruck für 20 Sekunden im Sport-Response-Mode ganz spontan Knallgas geben.

Der rote Knopf macht den Kona N für 20 Sekunden aggro – immer


Die Schaltlogik Power Shift wird automatisch aktiviert, sobald das Gaspedal 90 oder mehr Prozent seines Weges zurückgelegt hat. Dann werden alle Schaltvorgänge mit einer Drehmomentanhebung ausgeführt, so dass Du nicht in ein fahrdynamisches Loch stolperst, wenn Du einfach nur vorwärts willst. Und im Track Sense Mode erspürt das Getriebe, das der Kona N auf einer Rennstrecke bewegt wird – entsprechend versucht das Getriebe, hellseherisch zu agieren und Dir immer den besten Gang zur Fahrsituation zu servieren.



Auch was zu meckern am Kona N?


Das war nun ganz schön viel Lob für den kleinen Muskelprotz, aber es gibt auch ein paar negative Punkte. Der erste hat tatsächlich mit dem N zu tun – in der sportlich(st)en Abstimmung ist die Lenkung so straff, dass es mir keinen großen Spaß machte, den Knirps daran zu führen. Zu meinem Glück lässt sich soviel Steifigkeit aber abstellen – manch anderem wird es vielleicht sogar gefallen, das Lenkrad richtig fest anzupacken.

Durchaus sportliche Sitze, innerhalb des Autos aber zu hoch


Die anderen Kritikpunkte haben eher mit dem Kona an sich zu tun: Zum einen sind die Sportsitze – Prädikat: ganz in Ordnung – ziemlich hoch im Fahrzeug eingebaut, weil das im Kona eben so vorgesehen ist. Dadurch wird der sportliche Gesamteindruck allerdings etwas abgemildert. Zugleich saß ich mit 1,86 Meter Größe so innerhalb des Fahrzeugs etwas zu hoch und der Blick in den Rückspiegel zeigte mir viel Asphalt aber zu wenig von der Tiefe hinterm Auto. Mit einer tieferen Sitzposition würde sich das sofort bessern. Und dann würde ich auch mit dem (serienmäßigen) Head-up-Display mit Projektionsscheibe mehr Durchblick haben. Im Status Quo ist die Darstellung entweder "vorm" Auto, dann aber oben beschnitten. Oder in Volldarstellung "auf" der Haubenkante. Beides nicht befriedigend.



Fazit

Der Hyundai Kona ohne N hat durchaus seine Schwächen, nicht nur weil er ein SUV ist. Kommt dann aber der 280-PS-Zweiliter mitsamt Sportfahrwerk dazu, ist das Gesamtpaket so sinnbefreit, dass hemmungslosem Fahrspaß nichts im Wege steht. Denn mit dem Power-Unterbau aus der koreanischen N-Abteilung tritt der SUV-Aufbau in den Hintergrund. Und dazu ist der Kona N als Klein-SUV, das an der 300-PS-Marke kratzt, ein echter Solitär – in dem Bereich hat die Konkurrenz fast nichts zu bieten, zu einem Startpreis von 37.750 Euro sowieso nicht.



Attila Langhammer

30 Juli. 2021