IAA Mobility: Viele Premieren, doch Chipmangel bremst

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Auf der letzten IAA in Frankfurt gehörte der Brexit zu den Topthemen an den Messeständen. Beim Neustart der Messe in München wird sich vieles um die Materialknappheit drehen, die die Autohersteller aktuell ausbremst. Dabei ist die Premierenpipeline gut gefüllt. Doch wann die Neuheiten ausgeliefert werden können, ist fraglich.

Die Meldungen, dass Autohersteller wegen fehlender Mikrochips die Bänder anhalten müssen, kommen derzeit fast täglich. Das bremst die Branche aus, obwohl die Auftragsbücher nach dem Lockdown wieder gut gefüllt sind. „Der Markt hat zwar gegenüber 2020 schon aufgeholt, global gesehen sind wir allerdings vom Vorkrisenniveau 2019 noch ein ganzes Stück entfernt“, kommentiert Hildegard Müller, Präsidentin des Branchenverbandes VDA, die Lage gegenüber der dpa.


Nach Angaben der Nachrichtenagentur konnte allein VW wegen Chipmangels schon bis Juni eine hohe sechsstellige Zahl an Autos nicht wie geplant bauen. Bei BMW wären dieses Jahr ohne die Engpässe etwa 70.000 bis 90.000 Autos mehr vom Band gefahren. Branchenprimus Toyota kündigte an, seine Produktion im September wegen fehlender Chips um 40 Prozent herunterzufahren.

 

Ferdinand Dudenhöffer vom CAR-Institut prognostiziert, dass die Hersteller wegen fehlender Prozessoren dieses Jahr 5,2 Millionen Autos weniger verkaufen werden. Dazu kommt die Absatzflaute in China. „Auch in den kommenden Monaten muss man mit eher rückläufigen Verkaufszahlen in China rechnen“, orakelt Dudenhöffer. Ist das so, beläuft sich der weltweite Absatz unter 75 Millionen Einheiten, also weit unter dem Level vor Corona (knapp 80 Millionen).

 

Die Unternehmensberatung Roland Berger teilt die pessimistische Einschätzung. „Mit einer Erholung auf Vorkrisenniveau ist nicht vor 2023 zu rechnen.“ Erst in zwei Jahren, schätzen die Experten, dürfte die Chip-Krise ausgestanden sein.

 

Doch nach der Krise ist vor der Krise. Dudenhöffer warnt bereits jetzt vor der nächsten. Er geht davon aus, dass es ab 2024 bei den Batterie-Zellen zu Engpässen kommen werde. Zwar werden Zellfabriken gebaut. „Aber auch hier gibt es wie bei den Halbleitern nicht den Zauberstab, der über Nacht die Fabriken aus dem Boden wachsen lässt“, zitiert die dpa den Experten.

Der Premierenflut auf der IAA Mobility kann das aber keinen Abbruch tun. So enthüllen Hyundai und Motional das Ioniq 5 Robotaxi. Das autonome Fahrzeug basiert auf Level 4, soll also ohne Fahrer in den Betrieb gehen. Der Robotaxi-Spezialist Motional plant, ab 2023 Passagiere in dem Modell zu transportieren und kooperiert dafür mit dem Ride-Hailing-Dienst Lyft.

 

Konzernschwester Kia hat zwei Elektro-Neuheiten am Start: den Sportage Plugin-Hybrid, mit dem die Marke zugleich erstmals eine speziell für den europäischen Markt konzipierte Karosserievariante des SUVs präsentiert; außerdem wird der EV6, das erste vollelektrische Modell der Koreaner, am Kia-Stand auf dem Odeonsplatz zu sehen sein. Dank virtueller Raffinesse können die Besucher die neuen Modelle mithilfe virtueller Realität genauer betrachten und natürlich auch in Wirklichkeit Platz nehmen.


(Fotos: VDA / Hyundai)