Ich bin das Alpha! Und das Omega?

Lukas Schmidt

29 Dez. 2020

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Dass Start-ups oft große Töne spucken ist meist nicht mehr als säbelrasselnde PR; wenn als Unternehmensziel aber nicht weniger als die Transformation der gesamten Automobilindustrie ausgegeben wird, lohnt sich ein genauer Blick auf Alpha, einen neuen Player aus Kalifornien.

E-Mobility-Startups scheinen zur Zeit wie Pilze aus dem Boden zu sprießen. Doch nicht jede dieser Firmen nimmt den Mund ganz so voll wie Alpha, die seit November 2020 mit der Mission angetreten sind, die gesamte Automobilbranche zu transformieren und mit nachhaltigen Innovationen den Fortschritt der Menschheit zu gestalten.


Der Anfang ist gemacht: Alpha stellt mit dem ACE einen Teaser vor auf das was noch kommen möge. Doch die Zukunft und das Ende der Elektro-Start-ups ist ungewiss (Bild: Alpha Motor Corporation)


In der Branche herrscht Goldgräberstimmung und jeder will das nächste Tesla sein. Dass dabei selbst gestandene Automobilmanager scheitern können zeigt das Beispiel Byton. Die einst mit Ex-BMW-Managern gespickte und fulminant gestartete E-Auto-Schmiede aus China steht derzeit vor großen Problemen und ist laut Medienberichten nicht in der Lage ihr seit vier Jahren angekündigtes „Smartphone auf Rädern“ zur Serienreife zu bringen.


Im Großraum- und Nutzfahrzeugbereich treten mit Canoo und Electric Brands gleich zwei Start-ups mit modularen Bus- bzw. Transporter-Lösungen an, um die Welt der leichten Nutzfahrzeuge umzukrempeln. Ihre Modelle MPDV bzw. der knuffige eBussy sehen vielversprechend aus, können sich aber genauso gut als Rohrkrepierer erweisen, die außer ein paar Branchenkenner und frühe Investoren niemanden interessieren. Die Konzepte hinter den Modellen sind es eher die interessant sind, die Chancen aus dem Nichts tatsächlich die Erfolgsgeschichte von Elon Musk zu wiederholen sind hingegen äußerst gering.


Neben der modularen Plattform verspricht das Fahrzeugkonzept von Canoo die Klassenweit geringsten Gesamtbetriebskosten bei gleichzeitig größtem Laderaum (Bild: Canoo)


Der eBussy ist als modulares Fahrzeug konzipiert, bei dem vom Pritschenwagen bis zum Camper alles möglich ist. Bisher wurden etwa 5.000 Modelle reserviert (Bild: Electric Brands)


Nun also Alpha. Mit einem CEO mit Investorenhintergrund: Michael Smith, der bei der California Bank & Trust startete und zuletzt bei Kapitalverwaltungsgesellschaften arbeitete. Das Start-up will mit zwei Modellen antreten und eine Führungsrolle im Multi-Milliarden-Markt erobern.


Das erste Modell ist der Icon. Er soll als SUV, Van oder Transporter konfiguriert werden können und firmiert als „elektrisches Nutzfahrzeug“ (electric utility vehicle = EUV). Die Plattform des Icon soll problemlos repariert werden können, selbst Teile des Fahrgestells, die Batterie oder auch des Blechs sollen ohne großen Aufwand ausgetauscht werden können. Durch den modularen Ansatz könnten so verschiedene Fahrzeugtypen kostengünstig angeboten werden.


Kantig und mit leichten Anleihen beim Honda-e: Der Alpha Icon (Bild: Alpha Motor Corporation)


Das Ingenieursteam hat nach Unternehmensangaben Jahrzehntelange Erfahrung in der Automobilbranche und die Funktionalität des Konzepts durch verschiedene Prototypen unter Beweis gestellt. Der Icon soll in den USA gebaut werden, nähere Infos zur Markteinführung soll es in den kommenden Monaten geben.


Vom Innenraum des Icon gibt es bisher nur wenig zu sehen (Bild: Alpha Motor Corporation)


Etwas weiter vorangeschritten sind die Planungen für das eigentlich zweite Fahrzeug, den Alpha Ace. Der PKW mit dem Honda-e-Gesicht und einem coupé-haften Heck kann bereits zu Preisen ab 32.000 Dollar reserviert werden.


Erinnert noch stärker an den Honda-e: Der Alpha Ace (Bild: Alpha Motor Corporation)


Er vereint laut Hersteller Vielseitigkeit, Leistung und Nachhaltigkeit auf einer kompakten Grundfläche, die mehrere Karosserievarianten unterstützt. Der Ace soll als Coupé, Limousine und Crossover kommen und die modulare Plattform des Icon erweitern.


Schick: das Metallic-Finish „blue seraph” (Bild: Alpha Motor Corporation)


Bisher wurden nur Bilder des Coupé präsentiert, das bei einer Länge von 4,18 Metern, einer Breite von 1,88 Metern und einer Höhe von 1,45 Metern Platz für bis zu vier Passagiere und mit einem Kofferraum an Front und Heck jede Menge Platz für Gepäck bieten soll. Das Besondere sei aber der Innenraum, der den Fahrer und dessen Bedürfnisse in den Mittelpunkt stellen soll. Das Cockpit ist auf das wesentliche reduziert ohne Abstriche bei Komfort oder Benutzerfreundlichkeit. Das zentrale Display ist selbstverständlich mit allen Smartphone-Betriebssystemen kompatibel.


Der Innenraum des Ace wirkt sehr minimalistisch, aber dennoch gediegen (Bild: Alpha Motor Corporation)


Verheißungsvoll ist es ja, was die neuen Start-ups an Lösungen für die elektrische Mobilität von Morgen anbieten. Viel mehr als ein Achtungserfolg wird sich für die meisten Firmen jedoch nicht einstellen. Basieren ihre Konzepte bzw. ihre angeblich bahnbrechenden Versprechungen doch auf einer relativ leicht zu kopierenden Idee. Bei einer so großen Vielzahl von Herstellern bleiben den einzelnen Unternehmen dann keine nennenswerten Marktanteile, da sich die Käuferschichten stark überschneiden. Wirklich massentauglich und in großen Stückzahlen rechnet übrigens trotz großspuriger PR noch keines der Unternehmen. Doch wer weiß, Elon Musk und sein Tesla hat am Anfang auch kaum jemand ernst genommen.

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Lukas Schmidt

29 Dez. 2020