Fahrbericht Jaguar I-Pace: Gut gebrüllt

Arne Roller

09 Dez. 2020

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Der I-PACE ist für Jaguar eine große Erfolgsstory. Zum Modelljahr 2021 bekommt das mit Preisen überhäufte SUV ein paar Quality-of-Live-Updates. Unverändert bleiben die hervorragenden Fahreigenschaften des 400 PS starken SUV.

(Foto: Jaguar)


Der I-PACE war bei seinem Marktstart 2018 das weltweit erste vollelektrische SUV auf dem Markt. Und bisher ist er für Jaguar ein großer Wurf. Über 80 internationale Preise konnte das E-SUV seit seinem Debüt einheimsen. Ganz besonders eindrucksvoll ist der Hattrick aus World Car of The Year, World Car Design of the Year und World Green Car 2019. Bei Jaguar ruht man sich allerdings nicht auf dem Erfolg aus, sondern legt gleich nach, damit das aktuell wichtigste Baby der Marke auf der Höhe der Zeit bleibt.



Jaguar I-PACE: Wichtige Updates bei Infotainment und Ladestruktur


Äußerlich ändert sich am preisgekrönten Design des I-PACE wenig. Ein Kühlergrilleinsatz mit chromierten Pins frischt die Front auf, hinzu kommen neue Farben und das optionale Exterieur-Paket namens "Bright Pack". Es beinhaltet eine Grilleinfassung in "Noble Chrome", Außenspiegelkappen in "Atlas Grey", Fenstereinfassungen in "Satin Chrome" und einen ebenfalls in "Atlas Grey" hervorgehobenen Diffusor.


Das wichtigste Update ist sicherlich jenes für das Aufladen: Der I-PACE kommt jetzt serienmäßig mit einem 11-kW-Bordladegerät, was Kunden in Deutschland nun Zugang zum schnelleren Dreiphasen-Laden eröffnet. Ein kompletter Aufladevorgang gelingt jetzt in 8,6 Stunden, das reicht zum Vollladen über Nacht. Auf einer längeren Reise können jetzt an 50 kW-Ladesäulen binnen 15 Minuten 63 Kilometer, an einer 100 kW-Säule in der gleichen Zeit bis zu 127 Kilometer nachgeladen werden.


Mit dem "Pivi Pro" hält ein neues Infotainmentsystem im 2021er I-PACE Einzug. Es fährt schon hoch, sobald sich die Tür öffnet, was für ein besonders schnelles Ansprechverhalten des Systems sorgen soll. Zudem bietet es eine selbstlernende Navigation, die stets den kürzesten Weg zur nächstgelegenen freien Ladestation weist sowie auch über zu erwartende Ladekosten und -zeiten informiert. In Sachen Konnektivität gibt es ebenfalls Neuerungen: Neben der optionalen, induktiven Lademöglichkeit für das Smartphone und Bluetooth-Schnittstellen für gleich zwei Mobiltelefone parallel kommt der I-PACE jetzt serienmäßig mit einer separaten eSIM. Diese bringt einen im ersten Jahr kostenlosen 4G-Datentarifs samt 20 GB Datenvolumen mit, der gleichzeitig Zugang zu Musikstreaming-Diensten wie Spotify, Deezer oder TuneIn eröffnet. Über die eSIM führt der I-PACE zudem seine Karten-, Wetter, Kalender- und Verkehrs-Updates durch. Auch Infotainment, Batteriemanagement und Ladevorgang bleiben ab sofort via Over-the-air-Software-Updates stets auf dem neuesten Stand.


Gute Materialien, hervorragende Sitze und ein sehr sportlich anmutendes Material: Der Innenraum des I-PACE weiß, zu überzeugen. (Foto. Jaguar)


Neu ist auch der „ClearSight-Rückspiegel“, der über eine in die Dachantenne integrierte Weitwinkel-Kamera ein Bild auf das im Spiegelgehäuse integrierte Display überträgt. Mit einem kleinen Kippschalter am Spiegel kann der Fahrer nahtlos zwischen Spiegel- und Kamerabild wechseln. Der Vorteil der neuen Technik ist klar: freie Sicht beim Rückwärtsfahren auch mit drei Insassen auf der Rückbank und/oder einem bis unter das Dach beladenem Kofferraum. Zu guter Letzte erhöht sich beim I-PACE durch die jetzt Im Verhältnis 40:20:40 teilbare Rückbank die Variabilität im Innenraum.


Jaguar I-PACE: Eine neue Art von Fahrerlebnis


Den I-PACE befeuern zwei von Jaguar selbst entwickelte Elektromotoren, jeweils einer pro Achse. Zusammen entwickeln sie eine Leistung von 294 kW / 400 PS und ein maximales Drehmoment von 696 Newtonmetern. In 4,8 Sekunden geht es von null auf Hundert. Beeindruckende Zahlen. Noch viel imposanter ist aber das tatsächliche Fahren des Power-Stromers. Anders als bei Plug-in-Hybriden, die ab einer gewissen Geschwindigkeit nicht mehr alle Pferde der Systemleistung zur Verfügung haben, oder bei Verbrennern, deren Leistungsspitze in bestimmten Drehzahlen liegt, habe ich hier die vollen 400 PS bis zur Höchstgeschwindigkeit von 200 km/h durchgehend zur Verfügung. Jeder Gasstoß ist eine Wonne, ich merke, wie mich diese direkte Beschleunigung und immense Kraft förmlich süchtig machen. Und dieser Sound! „Sound?“, mag man denken. „Das ist doch ein E-Auto.“ Ja, aber die Jaguar-Designer haben hier fantastischer Arbeit geleistet. Der I-PACE klingt unglaublich gut. Die Akustik beim beherzten Gasgeben erinnert mich an einen V8. Kräftig, großhubig, diese Eigenschaften vermittelt mir die Kombination aus Ansprechverhalten und Soundkulisse bei der Beschleunigung. Ich jedenfalls bekomme nicht genug und lege auf der Autobahn einen Zwischensprint nach dem nächsten hin, um die Kombination aus Beschleunigung und futuristischem "Bollern" in meinen Ohren wieder und wieder zu erleben.


Was mich auch überaus freut: Ich muss mir im I-PACE keine Gedanken um die performante Konfiguration verschiedener Fahrmodi machen. Um Getriebeeinstellungen, Ansprechverhalten, Gaskennlinie, das Timing von Schaltvorgängen etc. Der I-PACE ist stets sportlich, die Kraft immer prompt abrufbar. Seine Agilität versteckt sich nicht hinter unzähligen Tasten und Modi. Diese vielerorts vorhandene Zähmung von Verbrenner-Modellen ist oft ein Graus. Aber sie geschieht aus gutem Grund: zum Schutz unserer Umwelt. Als E-Auto ohne lokalen CO2-Ausstoß muss der Jaguar I-PACE sich nicht selbst kasteien. Und das tut ihm gut. Aussuchen kann ich mir lediglich, ob mir die starke Rekuperation eines 1-Pedal-Driving-Modus lieb ist oder ich lieber altgewohnt fahren möchte. Und diese Einstellungsmöglichkeit, die lobe ich mir.


Preisgekröntes Design und viel Leistung: Der I-PACE bietet ein attraktives Paket. (Foto: Jaguar)


Die Geräuschabdichtung im I-PACE ist dermaßen gut, dass man vom Wind bis Tempo 170 nicht mehr als ein sehr leises Säuseln hören kann. Erst darüber hinaus fangen langsam die Windgeräusche an. Aber selbst dann könnte man sich noch im Flüsterton unterhalten, so denn man nicht gerade das Gaspedal Richtung Bodenblech durchdrückt. Tut man es, thront über allem der süchtig machende Sound des Antriebs.


Es ist ein Erlebnis, dieses Auto zu fahren. In Kurven klebt der I-PACE auf der Straße: Er ist breit, er ist tief (lediglich 142 Millimeter Bodenfreiheit) und er hat je nach Ausstattungslinie 235er oder 245er-Schlappen aufgezogen. Zusätzlich sorgt die 606 Kilogramm schwere Batterie für einen sehr niedrigen Schwerpunkt.


Unverändert bleibt der Preis: Dank 16% MwSt. geht es aktuell bei 75.352 Euro los. (Foto. Jaguar)


Technisch auf dem neuesten Stand und mit eindrucksvollem Fahrerlebnis kann die Erfolgsstory des I-PACE weitergehen. Der Einstiegspreis bleibt unverändert bei 77.300 Euro. Dank der temporären Senkung der Mehrwertsteuer auf 16 Prozent gibt es den neuen I-PACE noch bis zum 31.12.2020 ab 75.352 Euro. Alle Servicekosten in den ersten drei Jahren, beziehungsweise bis zu 100.000 Kilometern, sind in den Einkaufspreis eingeschlossen.



Jaguar I-PACE – Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziges SUV mit Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.682 mm/2.011 mm/1.565 mm

Radstand: 2.990 mm

Leergewicht: 2.208 Kilogramm

Motoren: zwei Permanentmagnet-Elektromotoren, synchron mit Einstufen-Planetengetriebe, konzentrisch, jeweils 147 kW/200 PS und 348 Newtonmeter maximales Drehmoment

Systemleistung: 400 PS

System-Drehmoment: 696 Newtonmeter

0-100 km/h: 4,8 s

Vmax: 200 km/h

Batteriekapazität: 90 kWh

Reichweite (WLTP): 470 km

Verbrauch (WLTP): 25,2 – 22 kWh

Kofferraumvolumen: 656 (+27 im Bug) bis 1.453 Liter

Preis: ab 77.300 Euro (75.352 Euro mit 16% MwSt.)


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Arne Roller

09 Dez. 2020