Fahrbericht Jaguar XF (2021): Downsizing in gut

Arne Roller

10 Juni. 2021

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Mit dem Facelift bekommt der XF neue Mild-Hybrid-Motoren verpasst. Allesamt sind sie Vierzylinder aus der Ingenium-Motorenfamilie. Passt das zur Oberen Mittelklasse?

Fotos: Jaguar




Seit ihrer Einführung im Jahr 2007 ist die XF-Baureihe die britische Business-Klasse unter den Jaguar-Modellen. Während sie sich in der Heimat gut verkauft, sieht man auf deutschen Straßen in dieser Klasse fast ausschließlich die drei Bekannten an jeder Ecke: BMW 5er, Mercedes-Benz E-Klasse und Audi A6. Ein Blick auf die erfrischenden Modelle aus Großbritannien schadet nicht. Der Name Jaguar hat nach wie vor einen Klang von Prestige und Eleganz. Und der XF verkörpert das sehr gut. Ob als Limousine oder Kombi, er kann sich sehen lassen. Und fällt in Deutschland aufgrund der relativen Seltenheit dazu noch auf.


Damit der XF am Puls der Zeit bleibt, hat die zweite Modellgeneration nun ihr erstes Facelift bekommen. Das neue Exterieur-Design des XF sorgt an der Front mit einem neu gestylten Frontstoßfänger und größeren Lufteinlässe für einen Zuwachs an visueller Breite. An den kleinen Luftschlitzen an der Flanke ziert jetzt der springende Jaguar – „Leaper“ genannt – das Fahrzeug. Abgerundet werden die Exterieur-Änderungen mit einem überarbeiteten Heck-Stoßfänger.





Jaguar XF: Umfassend verschönerter Innenraum


Beim Innenraum hat Jaguar ordentlich zugelegt: Die Materialien machen einen deutlich verbesserten Eindruck. Und auch den Einsatz vom eigentlich bei Auto-Interieur aus der Mode gefallen Stoff Holz, versteht man sowohl bei Jaguar als auch bei Land Rover. Wie JLR und beispielsweise auch die Schweden von Volvo es verstehen, Holz in modernen Innenräumen einsetzen – das hat nichts mehr mit dem aus heutigen Sicht eher piefigen Holzfurnier in Reiselimousinen der 90er zu tun. Das Holz ist hell, porig und hat vielmehr einen mondänen Designer-Touch.


Kommen wir zum aktuell JLR-typischen Facelift-Programm: Wie bei den Modellen, die zuletzt dran waren, hat der bisherige Automatik-Drehknopf ausgedient. An seine Stelle tritt ein massiver, mit Leder und Aluminium verzierter Wählhebel. Wie auch der F-Pace verfügt der XF jetzt über die aktive Fahrbahngeräusch-Unterdrückung, auch "Active Noise Cancelling" genannt. Wie funktioniert das? Das Soundsystem aus dem Hause Meridian eliminiert mit entgegengesetzten Schallwellen unerwünschte Geräusche wie zum beispielsweise das Abrollgeräusch der Reifen. Außerdem erhält der XF den Clear-Sight-Innenspiegel, der das Bild einer in die Dachantenne integrierten Kamera nach innen liefert. So können weder Fondpassagiere noch Schmutz die Sicht nach hinten einschränken.


Zentral im Cockpit sitzt jetzt ein 11,4 Zoll großer Touchscreen mit dem neuen Pivi Pro-Infotainmentsystem. Letzteres kann Dual-Sim und "Over-the-Air-Updates" und steht für eine besonders intuitive Steuerung, bei der 90% der Menüpunkte in zwei Schritten erreichbar sind. Gegen Aufpreis ergänzt ein 12,3-Zoll-Digitalinstrument hinter dem Lenkrad, ein Head-up-Display sowie die Smartphone-Einbindung via Apple CarPlay und Android Auto.





Jaguar XF: Kein Sechszylinder mehr


Downsizing und Elektrifizierung, so lauten die Gebote der Stunde und beide halten beim Facelift Einzug. Für Benzinjünger klingt das nicht nach Musik in den Ohren. Dass wir auf dem Weg hin zur Effizienz die großen Verbrenner-Motoren verlieren, ist immanent. Zwar können E-Fuels in Zukunft die Liebhaberei großer Motoren CO2-neutral gestalten, aber bis dahin dauert es noch eine Weile. Im hier und heute hilft das nicht. Und so sind alle Motoren für den XF Vierzylinder-Turbomotoren aus der Ingenium-Familie mit Mildhybridisierung in Form eines Riemen-Starter-Generators.

Der D200-Diesel ist jetzt das Einstiegsmodell und leistet 204 statt der vorherigen 180 PS. Mit seinem maximalen Drehmoment von 430 Newtonmetern beschleunigt er die Limousine in 7,6 Sekunden von null auf hundert. Und das bei einem Normverbrauch von 4,9 Litern. Die Werte des Sportbrake fallen mit 8,0 Sekunden und 5,2 Litern etwas schlechter aus.

Die Alternative zum Diesel sind die zwei Benzinmotoren: Beide sind ebenfalls mild hybridisiert und liefern 250 respektive 300 PS. Der P300 mit seinen 300 britischen Streitrössern schafft 250 Spitze. Da muss er sich hinter keinem der deutschen Konkurrenten verstecken.


Viele werden den Sechszylinder-Diesel vermissen. Vor allem, da es neben dem D200 als Alternative lediglich kräftigere Benziner gibt. Diese sind für den Langstreckenprofi nicht wirklich eine Option. Ein Plug-in-Hybrid hätte dem XF hier sicher gut zu Gesicht gestanden. Denn diese können je nach Nutzung im Geschäftsbetrieb ein echter Gamechanger sein. Ladesäulen auf den Firmenparkplätzen vorausgesetzt. Es hat nicht sollen sein.

Auch ein Plug-in-Hybrid-Diesel ist in dieser Fahrzeugklasse eine Option. Den haben allerdings auch schon viele andere Hersteller aus ihrem Portfolio verbannt. Der letzte Pionier auf diesem Gebiet ist aktuell Mercedes: Die E-Klasse bietet die Kombination im E300de.



Jaguar XF: So fährt der Vierzylinder-Diesel


Der D200 ist ein zivilisierter und sparsamer Diesel, der mit seinen 204 PS für alle Lebenslagen ausreichend motorisiert ist. Der Motor hält sich akustisch zurück und auch das Start & Stopp-System schaltet den Selbstzünder sehr zart ab und wieder zu. Die Achtgang-Automatik funktioniert tadellos und das Fahrwerk bereitet einen sehr guten Mix aus Komfort und Sportlichkeit. Zusammen mit der verbindlichen Lenkung sorgt das für ein erfreulich agiles Erlebnis auf der bergigen und kurvigen Testfahrt. Lediglich in der Längsbeschleunigung könnte es dem ein oder anderen etwas zu zaghaft zugehen. Bleifüßige Abonnenten der linken Spur werden mit dem D200 wohl nicht glücklich.



Jaguar XF: Fazit


Der Jaguar XF ist ein schön anzusehendes Auto: stilvoll, elegant und als R-Dynamic-Version zusätzlich äußerst sportlich im Look. Hinzu kommt der neue, sehr gelungene Innenraum. Insgesamt zeigt sich der XF extravagant und geht in Deutschland fast schon als Auto für Individualisten durch. Wer vor allem Wert auf das Aussehen des Autos und Komfort legt, macht mit dem D200 nicht falsch. Mit seinem zurückhaltenden und effizienten Aggregat ist er auch das richtige Auto für den sparsamen Langstreckenfahrer. Wer es schneller will, muss zu einem der Benziner greifen. Ein größerer Diesel oder ein Hybrid mit Stecker sind nicht im Programm. Der D200 als Einstiegsmodell startet bei 51.200 Euro.



Jaguar XF D200 AWD - Technische Daten


Fünftürer, fünfsitzige Limousine mit Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.962 mm/1.982 mm/1.456 mm

Radstand: 2.960 mm

Motor: 2,0-Liter-Reihenvierzylinder-Turbodiesel, 150 kW/204 PS bei 4.250 U/min, maximales Drehmoment: 430 Newtonmeter bei 1.750 – 2.500 U/min,

Motorposition: Frontmotor, längs verbaut

Antrieb: Allradantrieb (AWD)

Getriebe: 8-Gang-Automatikgetriebe

Leergewicht: 1.869 Kilogramm

Kofferraumvolumen: 448 Liter

0-100 km/h: 7,8 s

Vmax: 230 km/h

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 4,7 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 125-123 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Tankinhalt: 66 Liter

Preis: ab 51.200 Euro


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