JLR will mit leichteren Materialien mehr Reichweite ermöglichen

Lukas Schmidt

01 Feb. 2021

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Jaguar Land Rover setzt bei künftigen E-Modellen auf mehr Leichtbaumaterialien.

Mit dem verstärkten Einsatz von Karbon- und Glasfaser will Jaguar Land Rover bei künftigen E-Modellen Gewicht einsparen und gleichzeitig Verwindungsfestigkeit und Reichweite steigern. Was steckt hinter dem Forschungsprojekt Tucana?


Mit dem Forschungsprojekt Tucana treibt JLR die Entwicklung neuer Werkstoffe für Elektrofahrzeuge voran (Alle Bilder: JLR)


Wer steckt hinter dem Forschungsprojekt Tucana?


Tucana führt ein Konsortium aus Führenden akademischen und industriellen Partnern zusammen. Unter der Führung von JLR hat das Projekt eine Laufzeit von vier Jahren und bündelt das Know-how der Warwick Manufacturing Group (WMG), Expert Tooling & Automation, Broetje-Automation UK, Toray International UK, CCP Gransden und The Centre for Modelling & Simulation (CFMS).


Was ist das Ziel der Forschung?


Kurz gesagt verfolgt Tucana das Ziel, zwischen 2023 und 2032 rund 4,5 Millionen Tonnen CO2 einzusparen. Mittels steiferer und leichterer Karosseriestrukturen soll die Performance elektrischer Fahrzeuge gesteigert werden. Gelingen soll dies über zwei zentrale Stellschrauben: Gewichtsreduktion bei zugleich erhöhter Karosseriesteifigkeit. Der partielle und gezielte Austausch von Aluminium und Stahl durch Verbundwerkstoffe senkt das Gewicht pro Fahrzeug um im Schnitt 35 Kilogramm. Parallel dazu erhöht sich durch den Einsatz von zum Beispiel Kohlefaser die Verwindungsfestigkeit um 30 Prozent.


Diese Diät erlaubt den Einbau größerer Batterien mit höherer Reichweite – ohne steigende CO2-Emissionen. Zugleich ist der steifere Karosserieverbund auf die erhöhten Drehmomente der stärkeren Hochleistungs-Batterien und E-Motoren ausgelegt – und verstärkt darüber hinaus die Sicherheitszelle der Passagiere weiter. JLR erwartet, schon 2022 Tucana Prototypen für erste Tests auf die Straße schicken zu können.



Ist das Vorhaben zukunftsversprechend?


JLR blickt auf eine lange Tradition in Sachen Leichtbau zurück – schon die siegreichen Le Mans-Typen C- und D-type der 1950er-Jahre profitierten von leichten und aerodynamisch ausgefeilten Alu-Karosserien. Auch beim aktuellen Jaguar F-Type gelang es den Ingenieuren, durch den erhöhten Einsatz von Aluminium die Gewichtsspirale zu stoppen und eine ausgeglichene Gewichtsverteilung zwischen Vorder- und Hinterachse zu erreichen. Die Monocoque-Karosserie des aktuellen Range Rover bringt 180 Kilo bzw. 39 Prozent weniger auf die Waage als der Vorgänger – ohne Einbußen bei Robustheit und Steifigkeit. Als Folge sinken der Verbrauch und die CO2-Emissionen um bis zu 22 Prozent.


Der alte Grundsatz „mehr Festigkeit – mehr Gewicht“ gilt also nicht mehr. JLR befindet sich auf bestem Wege und hat bereits unter Beweis gestellt, dass der Ansatz erfolgsversprechend ist. Und mit dem Forschungskonsortium geht JLR den nächsten Schritt und will weitere Einsatzmöglichkeiten ausloten. Damit könnte JLR die Quadratur des Kreises gelingen, mussten sich Hersteller doch in der Regel bei den Punkten Gewicht, Stabilität und Verbrauch für maximal zwei Attribute entscheiden. Auch der Zeitplan, schon 2022 erste Prototypen auf die Straße zu schicken, zeugt von den zu erwartenden schnellen Fortschritten und ist ein weiterer Mosaikstein der Vision des Herstellers einer nachhaltigen Zukunft mit null Emissionen, null Unfällen und null Staus.

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Lukas Schmidt

01 Feb. 2021