Jochen Berger: Copilot und Chef vom „Langen“

Mathias Keiber

16 Juli. 2021

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Zusammen mit Walter Röhrl feiert Jochen Berger grandiose Erfolge im Rallyesport. Später wird der Beifahrer zum Vorgesetzten. Kommende Woche hätte das viel zu früh verstorbene Motosport-Ass 75. Geburtstag gefeiert.

 „Rallye“ und „Röhrl“ – diese zwei Begriffe sind im deutschen Sprachgebrauch genauso untrennbar miteinander verbunden, wie der Rallyefahrer selbst mit seinem Copiloten. Doch während „Der Lange“ aus Regensburg allen ein Begriff ist, die auch nur im Entferntesten an Motorsport interessiert sind, so bleibt den Copiloten in der öffentlichen Wahrnehmung oft nur die Rolle unbesungener Helden. Dabei geht nichts ohne sie. Erfolg und Misserfolg entscheiden sich genauso sehr auf dem Beifahrersitz wie auf Platz hinterm Platz hinterm Steuer. Man könnte sagen: „Zwei Vollprofis müsst ihr sein.“ Allein: Der offizielle Profistatus wird Beifahrern lange Zeit vorenthalten.

 

Der erste Deutsche, der im internationalen Rallyesport offiziellen Profistatus als Copilot erlangt, ist Jochen Berger – als er zwischen 1972 und 1976 rechts von Röhrl im Beifahrersitz sitzt und dem „Langen “sagt, wo’s lang geht. Und das klappt ziemlich gut.

1974 Team wird das Team Röhrl/Berger in einem Werks-Opel Ascona Rallye-Europameister und fährt dabei in sechs von elf Rallyes den Sieg ein. Ihren größten gemeinsamen Erfolg feiern sie im Jahr darauf: Wiederum im Opel Ascona gewinnt das Duo die Rallye Akropolis.

 

In ihrer letzten gemeinsamen Saison 1976 holen die Beiden bei der Rallye Monte Carlo im seriennahen Opel Kadett GT/E den vierten Platz – und das trotz widriger Bedingungen. Das Wetter zu den Wertungsprüfungen ist für die Jahreszeit ungewöhnlich trocken, was der stärker motorisierten Konkurrenz in die Karten spielt. Dennoch mussten sich Röhrl und Berger nur den drei Werks-Lancia Stratos geschlagen geben – technologisch weit überlegene Prototypen.

 

Nach dem Erfolg bei der „Monte“ wechselt Berger vom Beifahrersitz an die Spitze von Opel Motorsport, wo er als Chef seinem ehemaligen Piloten Röhrl und dessen neuem Beifahrer Christian Geistdörfer den Weg zu weiteren Erfolgen ebnet. Das neue Gespann gewinnt 1982 in einem Ascona 400 für Opel die Rallye-Weltmeisterschaft. Den Vorgesetzten gegenüber Röhrl gibt Berger derweil nie.

 

„Als Teammanager war ich nicht Walters Chef. Denn der Chef ist immer der Fahrer. Der kriegt, was er will und braucht. Ich glaube, ich habe Walter nicht vor den anderen bevorzugt. Wer vorne lag, bekam das Beste“, schrieb Berger in seinem Gastbeitrag für Walter Röhrls Autobiografie „Aufschrieb“.

 

Am 19. Juli wäre Berger 75 Jahre alt geworden. Er verstarb am 26. Juli 2010 in der Mainzer Uniklinik nach langer schwerer Krankheit.


(Fotos: Opel)

 

 

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Mathias Keiber

16 Juli. 2021