Kaufberatung Audi A3 8V: Die Qual der Wahl

Thomas Flehmer

16 März. 2021

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Die dritte Generation des Audi A3 punktet mit souveräner Zuverlässigkeit. Zahlreiche Optionen bei Ausstattung und Motorenangebot erschweren aber vor allem bei zaudernden Interessenten die Wahl

(Fotos: Audi)


Zugegeben, der A3 ist auch als Gebrauchtwagen kein Schnäppchen, aber die von 2012 bis 2020 gebaute Modellreihe gibt keinen Anlass zur Klage und erweist sich auch im Alter als souveräner Begleiter, der seinen Eigentümer vor großen Reparaturen bewahrt.


• VW Golf VII spendet die technische Basis


• Hochwertige Ausstattung im Innenraum


• Ohne Stress zur Hauptuntersuchung


• Über 30 Motoren zur Auswahl


• Leistungsspektrum von 105 bis 400 PS


• Erdgasmodell g-tron für fünftürigen Sportback


• Hohe Preise


Der seit 1996 als edle Alternative zum Golf hergestellte Kompakte aus Ingolstadt verleiht dem Kompaktsegment volles Premium-Flair. Das kommt aber nicht gleich bei der Karosserie der seit 2012 gebauten dritten Generation zum Ausdruck, die sich auf 4,27 Metern Länge den Gegebenheiten der Kompaktklasse anschließen muss, dabei aber insgesamt vier Varianten offeriert.

Während der Dreitürer und das 4,31 Meter lange, Sportback genannte fünftürige Fließheck im heimischen Stammwerk gefertigt werden, wurde mit der 4,48 Meter langen Stufenheck-Version 2013 das Audi-Werk im ungarischen Györ eröffnet. Ein Jahr später wurde auch die Produktion des auf der Stufenheck-Variante basierenden Stoffdach-Cabrios gestartet. Auch wenn ein Stufenheck in den mitteleuropäischen Zonen weniger gefragt ist als in Süd- oder Osteuropa, präsentiert sich die Variante nicht so bieder wie andere Modelle und sieht recht elegant aus.


Premieren mit dem Audi A3


Gemeinsam mit dem Golf VII startete der Audi A3 2012 in eine neue Ära. Beide Kompakte waren die ersten Modelle des VW-Konzerns, die auf dem Modularen Querbaukasten (MQB) basierten. Auf der neuen Plattformstrategie folgten den beiden Vorreitern knapp 40 weitere Modelle auch aus anderen Segmenten und mit anderen Radständen.


Ebenso neu war das Bediensystem MMI (Multi-Media-Interface), mit dem hinter dem Schaltknüppel installierten Drehschalter und Touchpad die Fahrzeugsysteme sowie das Navi bedient werden konnten. Auch hier brach bei VW eine neue Ära an, die im Vergleich zu den heute teilweise riesigen Touchpads auf der Mittelkonsole schon stark veraltet zu sein scheint. Allerdings sind seitdem erst neun Jahre vergangen. Auch die Audi Phone Box, die mittels Anbindung an die Außenantenne einen besseren Empfang des Smartphones garantieren sollte, wirkt wie ein Relikt aus dem Technikmuseum.

Weitere Neuheiten waren das Panorama-Glasdach für den Dreitürer sowie die Umstellung von Halogen auf Xenonlicht oder gleich LED-Scheinwerfer. In der langen Aufpreisliste standen dann auch diverse Fahrassistenzsysteme wie Abstandsregeltempomat, Fernlicht-Automatik und Totwinkelwarner, die die Sicherheit des A3, der beim Euro NCAP die Höchstwertung von fünf Sternen erreichte, weiter aufbesserten.


Premium-Atmosphäre im Innenraum


Der von Audi gewohnte hohe Standard bei der Innenraumausstattung kommt auch beim A3 zur Geltung. Hochwertige Materialien, die edel verarbeitet wurden, eine gute Handhabung, ein sauber angelegtes Armaturenbrett sind die Pluspunkte gegenüber anderen Kompaktklassenvertretern. Du setzt sich in den Audi und fühlst Dich wohl. Der versenkbare Monitor in der Mitte erregte damals Aufsehen, heute trauern ihm manche Autofreunde nach.


Die Platzverhältnisse für Fahrer und Beifahrer sind nicht zu beanstanden, im Fond geht's dagegen schon recht gemütlich zu. Beim Cabrio ist hinten noch weniger Platz vorhanden, beim Dreitürer sollten der Ein- und Ausstieg nicht unbedingt den Großeltern zugemutet werden. Auch das Kofferraumvolumen mit 365 Litern beim Dreitürer und den noch kleineren Platzangeboten bei Stufenheck und Cabrio reicht nicht ganz an den Golf heran.


Unübersichtliche Motorenvielfalt


Prall gefüllt ist dafür das Angebot an Aggregaten. Allein aus 22 verschiedenen Benzinmotoren kann gewählt werden, dazu gesellen sich neun Diesel sowie ein Modell mit Erdgas, das allerdings nur für den Sportback vorgesehen war und 2018 aus dem Programm genommen wurde. Auch ein Plugin-Hybrid wurde als e-tron zwischen 2014 und 2018 angeboten. Bei den Dieseln solltest Du schauen, inwieweit der Motor vom Abgas-Skandal betroffen war.

Der Plug-In-Hybrid hieß damals schon e-tron


Zwischen 105 und 400 PS müsste jeder Interessent ein für ihn passendes Herz unter der Haube finden. Wer den A3 für den hauptsächlichen Einsatz in der Stadt vorsieht, wird bereits mit der Basismotorisierung zufrieden sein. Wer es schneller möchte, greift beim RS3 zu. Der 2,5 Liter große Fünfzylinder kommt je nach Baujahr auf 367 oder 400 PS.


Veränderte Nomenklatur


Die Unübersichtlichkeit der angebotenen Aggregate verschärft der Wechsel der Nomenklatura ab 2017. Anstatt die Größe des Hubraums im Namen anzugeben (z.B. 2.0 TFSI), geben zwei Zahlen Auskunft über die ungefähre Stärke des jeweiligen Fahrzeugs, angefangen bei 30 bis zur 70, wobei die 30 den Leistungsbereich bis 96 kW/131 kennzeichnet, die 70 umfasst den Bereich jenseits der 400 kW/544 PS.


Geblieben sind bei der neuen Kennzeichnung die Kürzel TFSI und TDI, die Aufschluss geben, ob es sich um einen Benziner oder Diesel handelt. Um die Qual der Wahl bei den Motoren weiter zu vergrößern, verzichtet Audi bei seinen S- und RS-Modellen auf die neue Nomenklatura, sodass der S3 weiterhin mit dem Kürzel 2.0 TFSI und der RS3 mit 2.5 TFSI ausgeschildert werden.


Der Liebling des TÜV


Was alle A3 eint, ist die Zuverlässigkeit der dritten Generation. Im Vergleich zu seinem Vorgänger werden Federbrüche vermieden und auch die Antriebswellen arbeiten anständig. Die Lichter funktionieren tadellos und werden erst ab dem vierten TÜV-Besuch leicht auffällig. Bremsen und Bremsleitungen arbeiten optimal, die Bremsscheiben rufen aber manchmal Kritik hervor.


Ölverlust ist in den ersten Jahren ebenso kein Thema wie Meckereien über Abgasanlagen und Motormanagement. Diese hervorragende Qualität erfreut den Fahrer des A3, der aber zuvor auch für diese Qualität kräftig zur Kasse gebeten wird.


Einstieg ab 7000 Euro


So vielfältig das Motorenangebot des kompakten Audi ist, so groß ist auch das Angebot auf dem Gebrauchtwagenmarkt. Trotzdem sind Schnäppchen rar gesät. Unter 7000 Euro braucht der Interessent erst gar nicht nachzuschauen. Und auch knapp über dieser Marke gibt es einen A3 nur mit hohen Kilometerzahlen, die mindestens mit einer „2“ beginnen und acht Jahre alt sind.


Fazit


Der Audi A3 der dritten Generation hat die Schwächen des Vorgängers abgelegt und fährt sehr zuverlässig – garniert mit den typischen Premium-Elementen aus Ingolstadt. Vor den Hauptuntersuchungen bleiben Schweißausbrüche der Eigentümer aus, da der Kompaktwagen zu den Lieblingen der TÜV-Prüfer gehört. Angesichts der guten Bilanz bei den Hauptuntersuchungen sollte sich das Risiko eines fehlerhaften Autos auch mit höheren Kilometerzahlen in Grenzen halten – die Suche nach einem Schnäppchen aber auch.

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Thomas Flehmer

16 März. 2021