Kaufberatung BMW 3er (F30): Verwirrende Zahlenspiele

Thomas Flehmer

03 Jan. 2021

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Aus dem Dreier erwächst der Vierer. Das von 2012 bis 2019 angebotene Mittelklassemodell von BMW jongliert mit den Zahlen, obwohl das Fundament eindeutig ist.

(Fotos: BMW)

Der Dreier ist seit 1975 BMWs Dauerläufer. Und kein anderes Modell aus dem Portfolio der Münchner hat so sehr geprägt, wie die Marke heute wahrgenommen wird. YesAuto knöpft sich die abgelöste Generation vor und sagt Dir, wo die Schwächen und Stärken des Mittelklasse-Sportlers liegen.


Sechste Generation seit 1975 als Limousine, Kombi und GT.


Coupé und Cabrio fahren als Vierer vom Band.


Das Leistungsspektrum reicht von 115 bis 460 PS.


Erstmals kommen Dreizylinder-Benziner im Dreier zum Einsatz.


Coupé und Cabrio laufen als Vierer, die technische Basis liefert aber der Dreier.


Die Qualität des F30 hat sich im Vergleich zu den früheren Generationen des einstigen Sorgenkindes deutlich verbessert.

BMW kommt von der Drei auf die Vier. Bei der ab 2012 angebotenen sechsten Genration des Kompaktmodells der Münchner erhielten nur noch Limousine, Kombi und der ab 2013 angebotene GT die 3 im Namen. Dagegen spalten sich Coupé und Cabrio ab und laufen mit der nächst höheren Zahl vom Band. Trotzdem bleiben auch die Vierer reine Dreier, denn auf der Dreier-Plattform entstehen auch die Lifestyle-Varianten.

Um das Zahlenbingo weiter zu drehen, haben sich die Designer bei dem Dreier sehr stark an die Vorlage des Fünfers gehalten und die Mittelklasse zum Vorbild genommen. So wuchsen die Limousine und der Touring genannte Kombi auf 4,62 Meter an, der Gran Turismo GT weist sogar weitere 20 Zentimeter Gesamtlänge auf und klopft an die Oberklasse. 1600 Liter Kofferraumvolumen bietet die Schrägheckvariante, die trotz der Größe nicht so klobig aussieht wie der GT der Fünfer-Familie.


Innenraum von spartanisch bis höchst edel


Den Innenraum bestimmt die Größe des Geldbeutels. Je nach Ausstattung reicht die Klassifizierung von spartanisch bis höchst edel, wenn weiße Ledersitze, Holz- und Alu-Applikationen die Atmosphäre veredeln. In der Basisvariante war dagegen Schmalhans Küchenmeister. Die Bedienung der Instrumente und Knöpfe erfolgt intuitiv, da die digitale Revolution noch auf sich warten ließ, was aber der Bedienung zugutekommt, wenn man die derzeitigen Auswüchse bei speziellen Infotainment-Systemen in Betracht zieht.

Platzprobleme haben die bis fünf Insassen im Dreier keine. Vor allem in der GT-Variante geben 2,92 Meter Radstand eine Garantie für einen guten Sitzplatz, in den anderen Varianten fällt der Radstand um elf Zentimeter kürzer aus, was aber auch noch vollkommen in Ordnung geht.

Der Fond des Kombis passt für Erwachsene, ist aber nicht besonders großzügig geschnitten


Wuchtbrumme mit 460 PS


BMW-typisch sind die Motoren kräftig bis sehr stark ausgefallen. Bereits der kleinste Diesel 316d greift auf 115 PS zurück, beim Benziner sind es in der kleinsten Variante 316i 21 Pferdestärken mehr. Aber auch 313 PS befinden sich unterhalb des „M“ im Angebot. Der Dreier von der sportlichen Tochter verfügt als Wuchtbrumme M3 CS über 460 PS.

Und auch bei den Motoren wollen die Münchner nicht auf die Zahlenspiele verzichten: Erstmals gibt es mit dem Facelift 2015 einen Dreizylinder von der BMW-Tochter Mini neben den Vier- und Sechszylindern. 136 PS stellt der Benziner zur Verfügung. Der 320i kommt schon auf 184 PS, der 328i mit 245 PS wird durch den 330i mit sieben PS mehr ersetzt. Bei den Sechszylindern 335i (306 PS), 340i (326 PS) und dem 431 PS starken M3 fällt die Leistungssteigerung der beiden Top-Aggregate Der 340i erhält 20 weitere PS hinzu, der M3 mutiert zum M3 CS mit den bereits genannten 460 PS.

BMW M3 F30


Sparsamer Diesel und kraftvoller Plugin-Hybrid


Bei den Dieselmotoren gibt es neben dem 316d noch die Vierzylinder 318d mit 143 PS, 320d (163 PS) sowie den 225d mit 218 PS. Als Sechszylinder stellen der 330d 258 PS und der 335d 313 PS zur Verfügung.

Die Selbstzünder wurden während des Modernisierungsprogramms auf Euro 6 umgerüstet und ziehen eine Verbrauchseinsparung nach sich. So benötigt der 320d als Efficient Dynamic gerade einmal vier Liter. Mit schmalen 2,1 Litern Super nach den ersten 100 Kilometern soll sich der Plugin-Hybrid 330e mit 252 PS zufriedengeben, natürlich nur, wenn die Batterie vollgeladen ist.


Mit dem traditionellen Hinterradantrieb sowie einem Sechsganggetriebe sind die Serienmodelle ausgestattet, aber auch Allrad und Achtstufenautomatik sind bei den stärkeren Aggregaten an Bord. Als Active Hybrid 3 arbeiteten bis 2015 ein Dreiliter-Reihensechszylinder und ein Elektromotor gemeinsam und schafften eine Systemleistung von 340 PS, ehe der Rotstift eingesetzt und der Hybrid aus dem Programm genommen wurde.


Fahrspaß steht im Vordergrund, geht aber zu Lasten der Federn


Auch bei dem Hybriden geht es dabei nicht um Kraftstoffeinsparung, sondern um elektrische Hilfe bei der Beschleunigung. Die Dreier-Familie steht insgesamt für agiles Fahren, selbst mit den kleineren Triebwerken. Doch die Freude am Fahren wirkt sich an anderen Stellen aus. Wer die Kurven der Landstraße sportlich angeht, erhält bei der Hauptuntersuchung (HU) die Quittung. Federn und Stoßdämpfer werden so arg strapaziert, dass sie bei der zweiten HU überdurchschnittlich oft bemängelt werden. Dagegen lobten die Experten des TÜV die Qualität der Spurstangen, die in früheren Generationen ebenfalls stark in Mitleidenschaft gezogen wurden.


Probleme beim Licht und mit der Handbremse


Neben Federn und Dämpfung sollte auch auf die vordere Lichtanlage sowie die Handbremse geachtet werden. Die Scheinwerfer werden schon bei der ersten HU überdurchschnittlich oft beanstandet, ebenso die Feststellbremse. Und auch die Abgasuntersuchung findet nicht immer ein positives Echo. Das kann an den Problemen mit den AGR-Modulen bei den Diesel-Modellen liegen. Wegen Brandgefahr musste BMW die 3er sogar zurückrufen. Unstimmigkeiten bei der Servolenkung sowie Sicherheitslücken beim Connected-Drive-Systeme zogen verordnete Werkstattbesuche nach sich. Insgesamt aber zeigten sich die TÜV-Prüfer angetan von der Baureihe F30.


Große Auswahl


Die Marktlage ist aufgrund der Beliebtheit des 3er auch bei der sechsten Generation recht ausgeprägt. Sehr häufig im Angebot befindet sich der 318d, aber auch das Benziner-Pendant 318i ist sehr beliebt. Wer es ein bisschen knackiger haben möchte, wählt den 320er als Benziner oder Diesel aus. Beim Kauf sollten die Problemzonen der HU besonders betrachtet werden. Auch sollte überprüft werden, ob beim jeweiligen Modell die Rückrufe durchgeführt wurden. Die Nachfrage beim Händler gibt Klarheit.


Fazit


Das einstige Sorgenkind bereitet keine großen Probleme mehr und ist recht solide unterwegs. Bei rund 4000 Euro beginnen die ersten Exemplare. Allerdings sollte der Dreier nicht allzu viele Kilometer zurückgelegt haben, was bei dem Fahrzeug, das als Touring auch gerne als Dienstwagen gewählt wird, nicht immer leicht sein wird. Ein paar weniger Kilometer dafür ein paar Tausender mehr sollten die Fahrfreude erhöhen.

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Thomas Flehmer

03 Jan. 2021