Kaufberatung BMW X3 F25: Ein Südstaatler für die Ewigkeit

Andreas Jüngling

05 Jan. 2021

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Die zweite Generation des BMW X3 wurde von 2010 bis 2017 gebaut. Und obwohl er ein waschechter Ami ist, befriedigt er problemlos deutsche Qualitätsansprüche. Unsere Kaufberatung verrät Dir, worauf Du trotzdem achten sollst.

(Fotos: BMW)

Üblicherweise drehen sich meine Kaufberatungen um Autos, die entweder besonders empfehlenswert sind, oder die als Gebrauchte einer Warnung bedürfen. Der BMW F25 gehört in die erste Kategorie. Übrigens: Der X3 ist kein Südstaatler, weil er aus Bayern kommt, sondern aus Greer, South Carolina, USA.


Kaufen oder laufen? Kaufen.


Ab 9000 Euro mit hohen Kilometerständen, 15.000 Euro für sehr gepflegte Exemplare.


Modern, geräumig, agil, dabei günstig im Unterhalt und langlebig.

Beginnen wir aber von vorn: Die Typfrage ist beim Amerikanisch-Bayerischen Mittelklasse-SUV schnell geklärt. Er ist rund 10 Zentimeter kürzer als der eng verwandte 3er F30, dafür aber gut 15 Zentimeter höher. Zu spüren ist letzteres kaum. Zwar lenkt der X3 aufgrund seiner hochwandigen großen Räder etwas behäbiger ein (und verschleißt so seine Spurstangenköpfe), als der athletische 3er, jedoch bleibt er überraschend handlich und gewohnt präzise und das, ohne auf akzeptablen Abrollkomfort zu verzichten. Zur Erinnerung: Bevor in München das Runflat-Reifen-Fiasko ausbrach fuhr sich fast jeder BMW so. Das Raumgefühl indes profitiert von der größeren Bauhöhe. Statt tief im gedrungenen Wagen zu kauern, erlaubt der X3 eine etwas aufrechtere Sitzposition für Vorder- und Hinterbänkler, ohne dabei auf die gewohnt hervorragende BMW-Ergonomie zu verzichten.

Klingt zu gut, um wahr zu sein? Wie man’s nimmt: Zumeist hält der X3 was er verspricht. Einbußen im Vergleich etwa zum Mercedes GLK bestehen allein in etwas lauteren Fahrgeräuschen und im spürbar weniger noblen Qualitätseindruck auf den ersten Blick. Der zweite Blick offenbart dann aber, dass Kunststoffe, Tasten und Materialoberflächen zwar deutlich hübscher sein könnten, dafür aber auch nach hohen Kilometerständen kaum verbraucht wirken. Sprich: Ein X3 ist ungeheuer langlebig.


Ein Grund dafür ist der häufig bestellte N47-Motor mit zwei Litern Hubraum und vier Zylindern. Der Diesel ist mit 143, 150, 184 und 190 PS zu haben und erlaubt sparsamen Fahrern im X3 Verbräuche deutlich unterhalb der Siebenliter-Marke. Die Steuerkette dürfte das erste sein, was manchen in den Kopf springt. Tatsächlich ist sie aber gerade in späteren X3 relativ unbedenklich. Sollten doch speziell nach dem Kaltstart schleifende oder mahlende Geräusche zu hören sein, liegt das häufig zunächst nur am Kettenspanner, dessen Wechsel mit 3-500 Euro zu Buche schlägt. Ist die Kette doch angegriffen oder gelängt, werden etwa 1000 Euro mehr fällig. Die (selteneren) X3 18d mit Hinterradantrieb und Schaltgetriebe sind in diesem Fall etwas günstiger. Was hat die Steuerkette mit dem Getriebe zu tun? Nun, sie liegt hinten – der guten Gewichtsverteilung wegen.

Der am zweithäufigsten anzutreffende Motor, genannt N57 – ebenfalls ein Diesel, kennt diese Probleme nicht. Er folgt dem klassischen BMW-Triebwerksschema: Drei Liter Hubraum und sechs Zylinder in Reihenform. Das Resultat: Ein rauchig sanfter Lauf, wie Bratensoße über sechs dicke bayerische Knödel. Trotz opulentem Charakter und hohem Drehmoment bleibt der Verbrauch überschaubar. X3s mit dem Kürzel 30d lassen sich ohne größere Mühe mit 8 bis 9 Litern auf 100 km bewegen, auch weniger ist ohne zu große Langmut möglich. 258 PS und 560 Newtonmeter drückt er auf die Welle. Als Biturbo im 35d sind es 313 PS und 630 Newtonmeter – damit wird der X zur Dampflok.


Alle im X3 angebotenen Motoren haben gelegentlich Probleme mit Undichtigkeiten oder defekten Ölpumpen. Bei den Benzinern lohnt ein präventiver Blick auf die Nockenwellen, die mitunter Abnutzungserscheinungen aufweist. Übel wird es, wenn im Leerlauf ein Tackern oder Schlagen zu hören ist. Oftmals sind dann die Pleuellager der Kurbelwelle fällig, die je nach Schwere des Schadens gelegentlich auch eine gänzlich neue Kurbelwelle erfordern – mit großem Rabatt ein günstiger Kauf für interessierte Motorenbauer, ansonsten kann ein so entstehender Motorschaden manch angezählten X3 an den Rand eines wirtschaftlichen Totalschadens bringen – das ist dann aber der Extremfall. Die Vierzylinder (N20B20) besitzen prinzipiell einen lebendigen Charakter und lassen sich entweder flink oder sparsam bewegen. Im meist rund 1,8 Tonnen schweren X3 hat der 184-PS-starke 20er gut zu tun, wirkt aber nicht zu schwach. Der 28i trägt ab 2012 auch einen N20 in seiner stärksten Version mit 245 PS. Kenner greifen in dieser Liga zum älteren 28er, der mit Dreiliter-Sechszylinder antritt. Nicht schneller, aber edler wirkt er in seiner feinen Laufkultur. Den Benziner-Gipfel bildet der 35i mit 305 PS. Auch hier ist jedoch Vorsicht mit allem geboten, was direkt oder indirekt mit den Nockenwellen oder deren Antrieb zu tun hat.

Der Antriebstipp ist somit schnell geklärt und zündet selbst. 20d und 30d sind die Siegertypen, vorzugsweise Langstreckenautos mit niedrigem Kurzstreckenaufkommen. Der halbwegs leichtfüßige Vierzylinder harmoniert besser mit dem hier erhältlichen Schaltgetriebe als in einem SUV zu erwarten ist – es ist also kein K.O.-Kriterium. Dennoch sind nicht ohne Grund die meisten X3 mit ZFs preisgekrönter Achtstufen-Automatik ausgestattet. Dieses Getriebe kann einfach alles – es arbeitet sehr schnell, sehr zielsicher, sehr sparsam, es ist komfortabel und funktioniert gut mit dem Start-Stopp-System (bleibt es denn eingeschalten). Vor allem verträgt es auch höhere Kilometerstände völlig problemlos, erst recht, wenn ihm alle paar Jahre mal ein Ölwechsel genehmigt wurde. Nachweise hierfür dürfen Ihnen gerne 500 Euro oder mehr wert sein.

Bis auf 20i und 18d (sie tragen das Suffix „S-Drive“ statt „X-Drive“) nutzen alle X3 einen permanenten Allradantrieb, dessen Kraft im Normalfall im 40:60-Verhältnis auf Vorder- und Hinterachse verteilt wird. Das dafür verantwortliche Verteilergetriebe freut sich ebenfalls über Ölwechsel. Bleiben diese aus, zeigt sich bei Kurvenfahrt auf dem Parkplatz gelegentliches Antriebsrucken oder -schlagen – ein Zeichen eines sich anbahnenden Schadens. Sollte der Untergrund es erfordern, kann die gesamte Antriebskraft auf die Vorderräder verteilt werden. Zu dieser Erkenntnis stehen dem X3 jedoch nur die Signale von ESP und ASR zur Verfügung. Diese nutzt auch die serienmäßige Bergabfahrhilfe. Echte mechanische Offroad-Hilfen besitzt ein X3 nicht. Auch die eher geringe Bodenfreiheit und das straffe Fahrwerk machen ihn klar zum sehr guten Straßenauto. Das Wichtigste in Kürze:


Diesel besser als Benziner


Sechszylinder besser als Vierzylinder


Augen auf bei Steuerkette und Ölundichtigkeiten


Im Unterhalt auch auf Ölwechsel der Getriebe achten oder selbst durchführen


Schnell verschleißende Spurstangenköpfe


Da der X3 sonst keine greifbaren Schwächen kennt, blicken wir mal ins Detail. Da aktuelle BMWs hauptsächlich an Zierrat und Design-Tand dazugewonnen haben, wirkt der X3 heute noch frisch und modern. Keiner besitzt ein klassisches Zündschloss, praktisch alle tragen das iDrive Bediensystem, welches noch heute zum Idealstandard im Infotainment zählt. Es steht auf positive Weise so im Vordergrund, dass sich echte Preisunterschiede feststellen lassen, wenn ein X3 nicht über das große Professional-Navi (8,8 Zoll) verfügt, sondern nur über das kleine Display mit 6,5 Zoll Bilddiagonale. Wer über eines der ausgemusterten Notarzt-Autos stolpert, entdeckt das ansonsten unbekannte Basisradio ohne Aufsatzdisplay in Kombination mit einem tastenlosen Lenkrad. Sie sind es auch, die mir in einigen Inseraten verdeutlicht haben, dass ein X3 selbst mit 2-300.000 Kilometern noch unverbraucht aussehen kann. So dünn wie sie ist aber fast kein ziviler BMW ausgestattet.

Hohe Laufleistungen werden zuerst am serienmäßigen Lederlenkrad sichtbar. Sein Bezug wirkt verhältnismäßig dünn, sodass es im Alter oft sehr glattpoliert mit ausgeprägt sichtbaren Nähten- und Falzen ist. Manuell verstellbare Stoffsitze wirken zwar billig, sie bleiben aber lange ansehnlich. Allein ihre Gestänge lassen sich bei schweren Fahrern zum Knacken hinreißen. Absolut vorzüglich sind die Leder-Sportsitze mit großartiger Passform und hochwertiger Tierhaut. Meine persönliche Empfehlung gilt außerdem dem hervorragenden Hifi „Professional“ Soundsystem. Hier hat BMW keine Kosten und Mühen zu Gunsten eines meisterhaften Klangbildes gescheut. Leder und Hifi gehören aber strikt in die Kategorie Luxus und entscheiden nicht über einen guten Kauf. Gleiches gilt für das optionale Panorama-Glasdach. Es ist eine hübsche Annehmlichkeit, will aber penibel geschmiert werden und erfordert eine regelmäßige Reinigung der Wasserabläufe. Auch mit Pflege kann es zu Klappergeräuschen kommen.


Ein serienmäßiges Element in allen X3 ist der Fahrerlebnisschalter links vom Schalt- oder Wählhebel. Anfangs heißt dieser noch „Fahrdynamik-Control“ - ein hochtrabender Name für einen Taster der durch die Fahrmodi Normal, Sport und Sport+ schaltet. Ab 2014 ersetzen die Modi EcoPro und Comfort den Normalmodus. Während alle Modi Einfluss auf das Ansprechverhalten von Motor und Getriebe nehmen und falls vorhanden die Dämpferabstimmung bis in erstaunliche Härte treibt, ist EcoPro etwas interessanter. Elektronische Helferlein, wie ein verzögert ansprechende Gasannahme und eine verringerte Leistung der Klimaanlage stehen in Kombination mit einer schlauen Verbrauchsanzeige, die vorrechnet, wie viele „Bonus-Kilometer“ durch das sparsame Fahren gewonnen werden. Mit EcoPro geht auch eine Segelfunktion einher. Wer die Topografie seiner Fahrstrecke kennt, hat dadurch leider oft einen Verbrauchsnachteil. Wer aber gemütlich mit Tempomat durch allerlei Gefilde rollt, kann der Elektronik das Spritsparen überlassen.

Elektronik-Spielereien wie diese sind nur ein kleines Beispiel dafür, dass viele X3 noch immer mit frischem Technikangebot unterwegs sind. Auch sehr gute Rundumkameras mit Vogelperspektive gehören je nach Ausstattung dazu. Ihre hervorragende Nutzbarkeit macht die Suche nach einem besser ausgestatteten Gebrauchten lohnenswert. Nicht überzeugt? Fahren Sie mal einen BMW mit Heads-Up-Display. Einmal genutzt, möchte diese Funktion niemand mehr missen. Unsere Kauftipps:


Elektronikausstattung (gerade in späteren Baujahren) ist wichtiger als Prunk, wie Leder oder M-Paket


Stoffsitze bleiben bei minimaler Pflege lange ansehnlich


Große Displays für Navi und Kombiinstrument stellen Kleine in den Schatten


Der X3 F25 gehört zu den wenigen Autos, bei denen das Facelift nur wenig ins Gewicht fällt. An der Optik innen und außen haben sich nur wenige Details verändert, die zum Teil sehr unauffällig ausfallen. Minimale Designunterschiede der Scheinwerfer oder geänderte Einsätze für Fake-Lufteinlässe gehören dazu, genauso wie silbern lackierte BMW-Nieren je nach Ausstattungslinie. Im Innenraum gibt es mehr Hochglanzplastik, welches sehr schnell verstaubt und verkratzt - matt wirkt hochwertiger. Die wertvollsten Änderungen liegen in Detailverbesserungen im iDrive (auch alte Systeme lassen sich updaten), dem nun serienmäßigen Kombiinstrument mit Display bis unter den Drehzahlmesser (früher optional), sowie in der laut BMW erreichten Euro-6-Abgasnorm. Entscheiden Sie selbst, ob gerade letzteres für Sie unbedingt notwendig ist. Für einen klaren Rat zu Vor- oder Nachfaceliftmodellen sind die Unterschiede zu gering.


Fazit:


Der X3 ist ein langlebiges Auto, egal ob für Viel- oder Wenigfahrer. Praktisch ist er noch dazu, auch wenn es größere Autos gibt, lässt er keine Platznot aufkommen. Er fährt hervorragend und verfügt über moderne Elektronikausstattungen. Seine Schwächen sind oben aufgezählt und insgesamt überschaubar. Der beste und günstigste X3:


hat einen Dieselmotor mit Automatik


hat eine üppige Elektronikausstattung


verzichtet auf M-Paket, große Felgen, Schiebedach und anderen Luxus (Kostenfaktor)


muss nicht wenig gelaufen haben


besitzt alle Servicenachweise über Ölwechsel und Co.

P.S. Wer bis hier gelesen hat, darf sich noch über einen Tipp am Rande freuen. Parallel zum zweiten X3 gibt es ab 2014 auch den ersten X4. Unter dem Kürzel F26 gibt es den X3 mit Fließheck und einer um 2cm abgesenkten Dachlinie. Weitere Unterschiede belaufen sich auf eine Front mit größeren Lufteinlässen und ein tiefergelegtes Fahrwerk. M-Optik ist beim X4 serienmäßig, anders als beim maximal 306-PS-starken X3 gibt es den X4 als M40i mit 360 PS. Technisch sind X3 und X4 ansonsten völlig identisch. Wenn Dich die etwas verringerte Höhe nicht stört, kannst Du den X4 parallel zum großen X3-Angebot in der Suche mitlaufen lassen.


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