Kaufberatung Ford Fiesta JA8: Klassiker reift mit dem Alter

Thomas Flehmer

06 Mai. 2021

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Der Ford Fiesta ähnelt dem Wein: Je älter umso besser. Allerdings kann der Kleinwagen an manchen Stellen auch Sorgen bereiten – diese Kaufberatung verrät Dir, worauf Du achten musst

(Fotos: Ford)


Die von 2008 bis 2017 gefertigte siebte Generation des Ford Fiesta brachte mehr Platz, aber weniger Übersichtlichkeit. Dabei ist nicht nur der Blick nach hinten eingeschränkt, die Zahl der bedienenden Knöpfe und Schalter ähnelte der in einer Pilotenkanzel. Ältere Modelle präsentieren sich dabei sehr gereift.


• Siebte Generation auf 3,95 Meter Länge gewachsen


• Als Drei- und Fünftürer im Angebot


• Motorenspektrum von 60 bis 215 PS


• Schlechte Rundumsicht


• Traditionell gutes Fahrwerk

Der Ford Fiesta geht stramm auf die 50 zu. Seit 1976 haben die Kölner den Kleinwagen-Klassiker im Angebot, der im Wettstreit mit Opel Corsa und VW Polo um Kunden warb und wirbt. Die von 2008 bis 2017 angebotene siebte Generation folgte dabei streng dem Zeitgeist. So machte auch der Fiesta das damals übliche Wachstum mit und streckt sich auf eine Länge von 3,95 Metern. Auch bei der Sicherheit wurde der Fiesta auf eine neue Stufe gehievt und erhielt serienmäßig einen Knie-Airbag für den Fahrer. Ein Notbremsassistent kam vier Jahre später mit dem Facelift hinzu.


Überfülltes Cockpit


Leider machte Ford aber auch bei einer weiteren Unart der Zeit mit. Sicherlich verleihen kleinere Seitenscheiben hinten sowie eine flachere Heckscheibe dem jeweiligen Modell einen gewissen Drive, doch geht dieses Designmerkmal zu Lasten der Rundumsicht, die eingeschränkt wird und mehr Aufmerksamkeit vom Fahrer verlangt.

Aufmerksamkeit verlangen Fahrer und Beifahrer auch die Bedienung der zahlreichen Knöpfe und Schalter ab – bei einem zu klein ausgefallenen Display. Hier hätten auch erfahrene Flugpiloten ihre Schwierigkeiten bei der Eingewöhnung gehabt. Darüber hinaus präsentiert sich der Innenraum sehr funktional. Die Sitze bieten genügend Halt und sind auf das traditionell gute Fahrwerk von Ford eingestellt. Der Kofferraum verfügt mit einem Volumen von 281 bis 979 Litern über typische Kleinwagenmaße. Ein Wochenendausflug ist ebenso möglich wie der Großeinkauf für die Familie.


Basismotoren für den Einsatz in der Stadt


Auch das Motorenangebot hält für jede Situation etwas bereit. Die kleineren Einstiegsmotoren – der ein Liter große Dreizylinder mit 48 kW/65 PS oder 59 kW/80 PS sowie der 1,25 Liter große Vierzylinder mit 44 kW/60 PS oder 60 kW/82 PS – sollte dann zum Einsatz kommen, wenn der Fiesta vor allem im urbanen Bereich eingesetzt wird. Bei höheren Geschwindigkeiten geht dem Kleinwagen, der mit diesen Motoren zwischen 155 und 168 km/h schnell sein kann, schnell die Luft aus und er muss sich mühen. Ein 1.4er – auch mit Flüssiggas – sowie der bis 2013 angebotene 1.6 Ti-VCT mit bis zu 134 PS eröffnen mehr Möglichkeiten auch über Land.

Stehst Du eher auf Dieselmotoren im Kleinwagensegment, hast Du die Wahl zwischen drei Aggregaten mit 1,4; 1,5 und 1,6 Liter Hubraum sowie einem Leistungsspektrum zwischen 70 und 95 PS. Allerdings waren die Selbstzünder schon zur damaligen Zeit im Kleinwagenbereich eher die Ausnahme.


Extraboost für Fiesta ST


Dafür erhöhte Ford mit dem Facelift die Attraktivität bei den Ottomotoren. Der viel gelobte EcoBoost-Dreizylinder mit einem Liter Hubraum verstärkte nun auch das Angebot beim Fiesta, zunächst mit 74 kW/100 PS sowie 92 kW/125 PS, ab 2014 dann auch mit 103 kW/140 PS. Das optional angebotene und nicht ganz ruckfreie Sechsgang-Doppelkupplungsgetriebe sollte zugunsten der manuellen Fünf- oder Sechsgangschaltung vernachlässigt werden.

Den ab 2012 angebotenen Kleinwagensportler Fiesta ST (nur als Dreitürer) befeuerte zunächst ein 1.6 EcoBoost mit vier Zylindern und 134 kW/182 PS, der mit zusätzlichem Boost für 15 Sekunden sogar 200 PS abrief. Vier Jahre später erhöhte Ford noch einmal die Leistung auf 147 kW/200 PS mit einem zusätzlichen Boost auf 215 PS für 20 Sekunden. Die kleine Taschenrakete erreichte dabei bereits nach 6,7 Sekunden Tempo 100 und bereitet auch heute noch viel Fahrfreude.


Probleme mit den Lenkgelenken


Doch in die Freude über die kräftigen Benziner mischt sich auch ein wenig Wehmut, wenn ein falsches Motoröl benutzt wurde, welches indirekt dem Zahnriemen zusetzte. Auch die Lenkgelenke sind häufig bereits ausgeleiert, ebenso die Achslager. Die TÜV-Prüfer, die insgesamt mit der Qualität des Fiesta zufrieden sind, monieren aber auch ungenügende Bremsen, die zudem ungleichmäßig agieren. Ältere Modelle passen sich dem Durchschnitt eher an und absolvieren dann ihre Hauptuntersuchungen proportional besser als die jüngeren Modelle.


Wenn Du also einen Fiesta auf Deiner Liste zu stehen hast, solltest Du Dir vor dem Kauf die Lenkung und die Spurstangenköpfe besonders anschauen, dazu noch die Abgaskrümmer, die reißen können – so kannst Du teure Reparaturen fürs Erste ausschließen. Sehr viel günstiger ist der Satz Ersatzlichter, der noch ins Handschuhfach gehört, da die Glühlampen häufiger ihren Geist aufgeben.


Marktlage


Der Fiesta zählt zu den Bestsellern im Ford-Portfolio, dementsprechend ist auch die Auswahl bei den Gebrauchten recht üppig. Fahrzeuge mit den schwächeren Einstiegsmotoren und zwölf Jahren auf dem Buckel gibt es schon im hohen dreistelligen Euro-Bereich. Dabei muss die Kilometerzahl nicht unbedingt eine Zwei vor den folgenden fünf Stellen aufweisen. Fahrzeuge mit gerade einmal etwas mehr als 100.000 Kilometern stehen für günstiges Geld im niedrigen vierstelligen Bereich zur Auswahl.


Fazit


Mit dem Ford Fiesta der siebten Generation kann ein Schnäppchen gelingen – auch mit älteren Fahrzeugen aus den ersten Jahrgängen der Auflage. Allerdings sollten die Schwachstellen genau untersucht werden, da eine mögliche anstehende Reparatur die Freude über das vermeintliche Schnäppchen schnell schmälern könnte.

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Thomas Flehmer

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