Kaufberatung Ford Kuga I: Jung geblieben, günstig und selten

Roland Wildberg

02 Feb. 2021

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Die erste Generation des Ford Kuga gab es nur kurz, deshalb ist das Kompakt-SUV selten. Wenn Du Dich für diese Rarität interessierst, erfährst du in unserem Gebrauchtwagen-Check worauf Du bei einer Besichtigung achten musst

(Fotos: Ford)


Als der Ford Kuga 2008 kam, war die Klasse der Kompakt-SUV noch relativ neu. Der Kuga der ersten Generation ist auf dem Gebrauchtwagenmarkt nur in kleiner Stückzahl vertreten – gerade circa 200 Stück mit neuer HU zum Verkauf angeboten. Grund dafür ist die kurze Bauzeit, denn das Kompakt-SUV wurde nur vier Jahre angeboten. Willst Du einen haben, darfst Du also nicht allzu wählerisch sein.


·Der Ford Kuga ist ein Kompakt-SUV, das von 2008 bis 2012 verkauft wurde. Wie andere Autos dieser Klasse ist der Ein- und Ausstieg durch die Sitzhöhe einfach.


·Die kurze Bauzeit macht den Kuga selten: Nur rund 200 Exemplare mit neuer HU gibt es. Ab 6500 Euro gibt es Exemplare mit um die 150.000 km Laufleistung.


·Das Schwestermodell des Ford Focus überragt den VW Tiguan geringfügig. Wie viele SUV seiner Klasse ist er serienmäßig nur mit Frontantrieb ausgestattet.


·Beim TÜV-Report fällt der Kuga kaum auf. Probleme bereiten gelegentlich verschlissene Radlager.


·Während es nur einen Benzinmotor mit Euro 4 gibt, brachte Ford insgesamt drei Diesel. Erst ab Baujahr 2010 erreichen zwei davon Euro 5.

Unauffällig, aber günstig: Der Ford Kuga, gebaut von 2008 bis 12, ist einer der billigsten gebrauchten Kompakt-Vans seiner Altersklasse


Der Kuga ist ein Weltauto, wird also weltweit unter verschiedenen Modellbezeichnungen verkauft, und so wirkt er auch: etwas beliebig. Die glatte Fassade, obwohl etwas höher als die des Marktführers im Segment VW Tiguan, lässt sich leicht übersehen. Das führt dazu, dass Du beim Gedanken an Dein nächstes Kompakt-SUV vielleicht nicht sofort an einen Kuga denkst. Der Kuga ist zwar als Gebrauchtwagen nicht billig, doch von ordentlicher Qualität. Sein Format macht ihn zu einem praktischen Stadtauto. Wie die meisten SUV gibt es ihn auch mit Vorderradantrieb. Allerdings ist der praktische und durstige Allradantrieb weit verbreitet – mehr als die Hälfte aller Kuga dieser Baureihe ist damit ausgerüstet.


Marktübersicht


Die Preise beginnen bei etwa 6500 Euro für Kuga mit neuem TÜV. Für ein Modell mit weniger als 100.000 Kilometer musst Du etwa 8000 Euro bezahlen. Diesel und Handschaltgetriebe sind dominant, nach Benzinern oder Modellen mit Automatikgetriebe musst Du lange suchen. Sie sind deswegen auch deutlich teurer, obwohl der Verbrauch merkbar steigt.

Die Qualität ist besser als der Durchschnitt hat der TÜV festgestellt. Motorisiert ist der Kuga zumeist mit einem Zwei-Liter-Diesel, der unter acht Liter verbraucht


Plattform-Strategie


Der Kuga baut auf der Plattform des Vans C-Max und dem kompakten Ford Focus der zweiten Generation von 2004 auf, sein Platzangebot ist mit dem der Markengeschwister vergleichbar. Es gibt keine weiteren Karosserievarianten. Mit 4,44 Meter Länge überragt er den Tiguan um zwei Zentimeter. Die Gestaltung des Innenraums ist nicht sonderlich opulent, der Navi-Bildschirm ist aber für heutige Verhältnisse recht groß. Etwa die Hälfte der angebotenen Kuga ist damit ausgestattet.


Stauraum


Im Kofferraum kannst Du bis zu 410 Liter Gepäck unterbringen, mit umgeklappten Rücksitzen sind es sogar 1405 Liter. Der VW Tiguan I, der ein Jahr früher auf den Markt kam, hat 470 bzw. 1512 Liter, ist also etwas größer. Praktisch beim Kuga ist die zweigeteilte Heckklappe: Du kannst Deinen Kuga auch durchs Heckfenster beladen. Das ist praktisch in engen oder niedrigen Garagen, wenn das Öffnen der gesamten Heckklappe schwierig wird.


Ausstattung


Optional gibt es an Bord einen 230-Volt-Anschluss in der Mittelkonsole – Mitfahrer können also einen Laptop, einen DVD-Player oder eine Kühlbox während der Fahrt laden. Da dieses Feature in Inseraten selten aufgeführt wird, solltest Du bei der Kontaktaufnahme gezielt danach fragen. Viele Modelle haben eine Rückfahrkamera, was beim Einparken sehr praktisch ist. Da diese Kamera häufig unscharfe Bilder liefert, solltest Du sie unbedingt vorher ausprobieren.


Fahrverhalten


Das Fahrverhalten des Kuga gilt als guter Kompromiss zwischen amerikanischer Sanftheit und europäischer Straffheit – gerade auf Langstrecken wirst Du sein weich dämpfendes Fahrwerk zu schätzen lernen. Die Lenkung wurde von Testern als direkt und mit guter Rückmeldung gelobt. Tatsächlich hat das Kompakt-SUV von Ford auch gewisse Offroad-Eigenschaften: Die Wat-Tiefe liegt bei immerhin 45 Zentimetern, die Überhänge vorn und hinten sind kurz, sodass Du sogar 21 Grad (vorn) und 25 Grad (hinten) steile Böschungen überwinden könntest.


Beim Euro-NCAP-Crashtest hat der Kuga I fünf Sterne erzielt. Zur Sicherheitsausstattung gehören die Stotterbremse ABS, ESP gegen Schleudern, serienmäßig sind außerdem elektrische Fensterheber an allen Türen, Klimaanlage und Nebelscheinwerfer an Bord.


In der höheren Ausstattung „Titanium“ gibt es eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, Tempomat und Regensensor. Als Sonderausstattung waren unter anderem Panoramadach, Standheizung und Einparkhilfe erhältlich. Eine Teilleder-Ausstattung haben etwa die Hälfte aller angebotenen Kuga. Sehr selten ist die Vollleder-Austattung, die es nur in den „Individual“-Sondermodellen gibt. Auch die automatische Entriegelung ohne Schlüssel, von Ford „Keyfree“ genannt, wurde bereits als Sonderausstattung angeboten.

Ein Automatik-Getriebe (fünf Schaltstufen) ist selten, die meisten Kuga haben Handschaltung mit sechs Gängen. Der Allradantrieb wird elektronisch reguliert


Motorenangebot


Sehr verbreitet ist ein kleiner Turbodiesel, von Peugeot entwickelt. Der Vierzylinder mit zwei Liter Hubraum leistet 136 PS, das Spitzentempo liegt bei 182 km/h. Im Alltag verbraucht er durchschnittlich 7,4 Liter. 2010 wurde er abgelöst von einem moderneren Triebwerk, ebenfalls zwei Liter groß, das es entweder mit 140 oder 163 PS gibt. Die schwächere Version ist geringfügig sparsamer, die stärkere liegt bei knapp unter 8 Liter auf 100 km.


Es gab auch einen Benziner mit 200 PS, der 210 km/h schafft – doch mit dieser Motorisierung verbrauchst Du im Schnitt 11 Liter auf 100 km, außerdem ist der Kuga mit Benzinmotor auf dem deutschen Gebrauchtwagenmarkt sehr selten. Fast alle Kuga haben ein Sechsgang-Handschaltgetriebe. Möchtest Du lieber Automatik, musst Du Geduld haben und Dich auf einen höheren Spritverbrauch von zusätzlich circa 0,5 Liter auf 100 km einstellen.


Mängel


Die ältesten Kuga haben bereits den fünften TÜV-Termin hinter sich, aber bisher sind die meisten Baugruppen okay. Mit einer Mängelquote von 15,8 – das heißt, knapp 16 von 100 HU-Kandidaten müssen wegen erheblicher Mängel die Prüfung wiederholen – steht er noch knapp über dem Durchschnitt. Problematisch sind vor allem die Achsfedern und dazugehörigen Dämpfer; das sind klassische Verschleißteile. Im Prinzip kein Problem: Ein Satz neuer Stoßdämpfer, z.B. für die Hinterachse kostet bereits ab 60 Euro. Auch Radlager fallen häufiger durch Verschleißerscheinungen auf.


Rost wurde bisher weder am Unterboden noch an der Karosserie moniert. Ein echtes Problemfeld ist aber die Lenkung, hier moniert der TÜV relativ häufig starken Verschleiß. Auch Ölverlust ist bei Kugas der ersten Generation inzwischen häufiger mal ein Thema. Du solltest also unbedingt einen Blick unter den Motor werfen.


Fällt Deine Wahl auf einen Diesel? Dann rechne bei hoher Laufleistung mit einen defekten Luftmassenmesser – auch das ist kein Drama, das Neuteil gibt‘s ab 60 Euro im Internet. Auch die Lichtmaschine hält nicht ewig. Ersatz kostet ab rund 100 Euro.


Fazit


Ist der Kuga der ersten Generation ein Geheimtipp? Das nicht gerade: der TÜV bescheinigt dem Kompakt-SUV ordentliche, aber keine herausragende Qualität. Außerdem ist der Bestand relativ klein, was immer preistreibend wirkt. Der Dieselverbrauch ist in dieser Klasse nur okay. Dennoch ist der Kuga empfehlenswert, schon aufgrund der relativ üppigen Serienausstattung. Insgesamt ist eines der günstigsten Kompakt-SUV.


Alternativen


Größere Auswahl hast Du, wenn Du einen Skoda Yeti kaufst. Der kleine Tscheche, den Skoda 2009 auf der Plattform des Golf V baute, ist etwas teurer: Ab etwa 5200 Euro erhältst Du Exemplare des 4,22 Meter langen Yeti. Der Marktführer Tiguan (erste Generation, gebaut bis 2016) ist am häufigsten vertreten, aber auch recht teuer: Mindestens knapp 5800 Euro zahlst Du für das erste Kompakt-SUV von VW. Auch die dritte Generation des Honda CR-V (2006-12) könnte interessant für Dich sein: Ab etwa 6000 Euro erhältst Du Exemplare mit neuem TÜV – der CR-V hat immer Allrad, die meisten wurden mit Benziner gekauft.

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Roland Wildberg

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