Kaufberatung Honda Civic (9. Generation): Raumschiff mit Kino-Atmosphäre

Thomas Flehmer

18 Feb. 2021

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Nicht nur Star Wars-Fans sehen in dem Honda Civic eine Design-Ikone. Zwar ist die neunte Generation des Kompakten nicht mehr ganz so spacig ausgefallen, Kino-Atmosphäre bietet sie aber immer noch. Hier erfährst Du, worauf es ankommt, wenn Du den kompakten Praktiker in Deine Gebraucht-Wahl einbeziehst

(Fotos: Honda)


Ein wenig ruderte Honda beim Civic der neunten Generation zurück. Stieg der Vorgänger zur Design-Ikone auf und wurde zum Vorbild anderer japanischer Hersteller wie dem Toyota CH-R, so ist die von 2011 bis 2017 gebaute Reihe etwas dezenter ausgefallen, ohne ihren Charakter zu verlieren.


•Immer noch futuristisches Design

•Solide Technik

•Magic Seats bieten innovativen Stauraum

•Keine Ängste vor dem TÜV

•Vollblutsportler Type R ab 2015 im Angebot


Die achte Auflage des kompakten Japaners hat mit ihrem futuristischen Auftritt viele Freunde gefunden, aber auch polarisiert. Mit dem von 2011 bis 2017 gefertigten Nachfolger gab das mindestens 4,29 Meter lange und nur für Europa hergestellte Kompaktmodell ein wenig Extrovertiertheit auf, blieb aber im Großen und Ganzen seinem spacigen Auftritt treu. Die nur noch als Fünftürer erhältliche Schräghecklimousine bekam kurz nach dem Markteintritt Zuwachs. Honda stellte eine in unseren Breiten nicht gerade beliebte Stufenhecklimousine ins Schaufenster, deren Karosserieform in Süd- und Osteuropa viele Anhänger findet.

Zwei Jahre später gesellte sich ein Kombi als Civic Tourer hinzu. Mit dem Facelift 2014 kam noch ein Civic Sport hinzu, der sich beim Design am Type R orientierte, der 2015 sein Comeback nach fünf Jahren Pause feierte. Dafür verschwand die Stufenhecklimousine wieder in der Versenkung.


Spoiler behindert Sicht nach hinten


Als Volumen-Karosserie dominiert die Schrägheck-Limo mit ihrer kurzen und schrägen Motorhaube, deren Linie automatisch in die Windschutzscheibe übergeht. Die Heckscheibe ziert ab der Mitte ein eigenständig kreierter Spoiler, der den futuristischen Charakter betont, zugleich aber auch einiges an Übersicht kostet. Doch wer den Civic fährt, muss zuvor schon flexibel sein. Denn auch die Bedientasten der Instrumente sind auf dem Armaturenbrett etwas unübersichtlich angeordnet, auch wenn die Bedienung später intuitiv erfolgen kann.

Mit dem Facelift zog dann auch das neue Infotainmentsystem „Honda Connect“ ein, das einen Internetzugang ebenso bietet wie die Spiegelung des Smartphones auf dem sieben Zoll großen Display. Einen Pluspunkt sammelt der Civic mit seinen Magic Seats genannten Rücksitzen. Diese lassen sich wie Kinostühle hochklappen, sodass viel Platz für lange Gegenstände oder hohe Pflanzen frei wird. Auch der Kofferraum bietet mit 471 Litern Volumen knapp 100 Liter mehr als im Kompaktsegment üblich.


Basis-Benziner benötigt hohe Drehzahlen


Zum Marktstart konnte zwischen zwei Benzin-Saugmotoren sowie einem 2,2 Liter großen Diesel mit 110 kW/150 PS gewählt werden. Der 1,4 Liter große Einstiegs-Otto mit 73 kW/99 PS und schlappen 127 Newtonmetern Drehmoment sollte bei Interesse ignoriert werden. Er benötigt mit 4800 Kurbelwellenumdrehungen hohe Drehzahlen, was sich auf den Verbrauch niederschlägt, der die angegebenen 5,4 Liter Super nicht halten kann.

Besser schlägt sich der 1.8 i-VTEC mit 104 kW/141 PS und gleich 174 Newtonmetern Drehmoment, die allerdings auch erst bei 4300 Umdrehungen pro Minute ihre volle Kraft entfalten. 2013 kam ein neuer Diesel mit 88 kW/120 PS sowie 300 Newtonmetern hinzu.


Type R feiert Comeback


Zwei Jahre später folgte die Krönung der Baureihe mit dem 2.0 i-VTEC. Das 228 kW/310 PS starke Kraftpaket mit 400 Newtonmeter Drehmoment ab 2500 Umdrehungen katapultiert den Type R innerhalb von 5,7 Sekunden auf Tempo 100. Der mit einem manuellen Sechsganggetriebe ausgestattete GTI-Jäger kommt auf eine Spitzengeschwindigkeit von 270 km/h.

Allerdings trug die treue Fangemeinde des Type R mit der Einführung Trauer. Im Gegensatz zu den Saugmotoren der normalen Civic erhielt der Type R Turbounterstützung. Fahrspaß pur bietet er dennoch und darüber hinaus sorgt er mit seinem mächtigen Spoiler für noch mehr Aufsehen als der normale Civic.


Drei Schwachstellen


Ein erhöhter Kupplungsverschleiß zeugt von der Fahrfreude, die der Kompaktsportler spendet. Bei den anderen Modellen sind Probleme überschaubar. Bei den Federn und der Dämpfung rümpfen die TÜV-Prüfer öfter die Nase, ebenso bei der Beleuchtung und den Bremsscheiben. Ansonsten bleibt der Civic anständig, auch wenn es 2013 und 2016 Rückrufe wegen des Beifahrerairbags und vereinzelten ABS-Problemen gab.


Bevor Du also mit dem gebrauchten Civic zur Hauptuntersuchung fährst, solltest Du die sensiblen Bereiche überprüfen und die Beleuchtung sowie die Bremsscheiben notfalls austauschen lassen. Und da liegt ein wenig die Krux bei Honda. Die Fahrzeuge sind zuverlässig, die Werkstattkosten dagegen höher als bei anderen Herstellern. Allerdings kann bei älteren Modellen auch die Wahl auf eine freie Werkstatt des Vertrauens fallen.


Viele Gebrauchte mit wenigen Kilometern


Das Angebot an gebrauchten Civic der neunten Generation ist überschaubar. Auffallend viele Angebote, die den etwas schlappen Basis-Benziner veräußern wollen. Ebenso auffallend, dass viele Fahrzeuge im Bereich zwischen 7000 und 8000 Euro wenig benutzt wurden und somit zum Teil lediglich 50.000 oder weniger Kilometer in den letzten acht Jahren zurückgelegt haben.

Wenn Du auf den Kilometerstand weniger Wert legst, kannst Du auch schon Gebrauchte unter 5000 Euro erwerben. Dann sind aber auch über 300.000 Kilometer auf der Uhr und die Federn und Bremsscheiben sollten auf alle Fälle vor dem Kauf überprüft werden.


Sehr begehrt und von daher seltener auf dem freien Markt findet sich der Type R. Hier kosten die ersten Modelle von 2015 immer noch über 22.000 Euro, haben dann aber auch nur wenige zehntausend Kilometer zurückgelegt.


Fazit


Der Honda Civic der neunten Generation hat ein wenig von der optischen Strahlkraft des Vorgängers verloren, was aber nicht jedem missfallen wird. Trotzdem ist der Japaner im breiten Feld der Kompaktfahrzeuge kein Biedermann ohne Wiedererkennungswert. Wenn Dir die Form egal ist, erhältst Du einen soliden Begleiter. Allerdings solltest Du vor dem Kauf die möglichen Schwachstellen der Bremsscheiben, Federn und Beleuchtung untersuchen lassen.

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Thomas Flehmer

18 Feb. 2021