Kaufberatung Hyundai i10: Einer für Alle und (fast) alles

Attila Langhammer

24 Dez. 2020

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Einerseits ist der Hyundai i10 so vernünftig, das es beinahe wehtut, andererseits ist er so unkompliziert, das er auch eine Menge Spaß macht. Ich habe ihn durchleuchtet und sage Dir worauf Du achten musst, wenn Dein Interesse an dem großen Kleinstwagen geweckt ist.

(Fotos: YesAuto)


Der Hyundai i10 zählt den Maßen nach ganz klar zu den Kleinstwagen. Das waren bis vor kurzem noch so triste Fahrzeuge, dass selbst die kostenbewußtesten Pfegedienste ihre Mitarbeiter lieber in Corsa oder Polo auf den Arbeitsweg schickten. Der i10 hält sich nicht lang mit solchen Klassenschranken auf und demonstriert, was eigentlich jedes Auto in der Knirpsklasse drauf haben sollte. Denn trotz seiner geringen Größe und des niedrigen Preises – ab 10.713 Euro – ist er ein Vollwert-Auto, dass locker 80 Prozent aller Anwendungsfälle problemlos erledigt.


Raumangebot


Seinen ersten Trumpf spielt der Hyundai i10 schon beim Einstieg aus. Die Tür öffnet weit, der Fahrersitz lässt sich großzügig verstellen, die Lehne aber leider nur mit Hebel – ein Rädchen würde deutlich mehr Präzision bieten. Und, jetzt kommts, ich, der Redakteur – 1.86 m, 100 Kilo – würde viermal gleichzeitig reinpassen ohne Verrenkungen zu unternehmen oder als Fahrer eine sichere Sitzposition zu opfern. Und dieses Szenario ist nicht nur räumlich-theoretisch sondern auch ganz praktisch möglich, denn die Zuladungswerte für den kleinen i10 reichen ab der dritten Ausstattungslinie Trend von 415 bis 516 Kilo. In den ersten beiden Ausstattungsvarianten ist der i10 zudem nur als Viersitzer zugelassen – ein wichtiger Fakt aus der Kategorie "Hätte ich das mal vorher gewusst".

Der vordere Hebel verstellt die Höhe der Beinauflag, leider auch nur ein Hebel für die Lehnenneigung (hinten)


Wenn auf 3,67 Meter Automobil vier Erwachsene kommod sitzen, dann werden die Abstriche beim Kofferraum gemacht. Der fasst im Normalzustand 252 Liter, lässt sich aber auf den Klassenbestwert von 1050 Liter erweitern. Das entspricht dem Volumen solcher Gittertanks (IBC) auf Europalette, die manche Hobbygärtner zum Auffangen von Regenwasser nutzen. Den praktischen doppelten Ladeboden, der die innere Ladekante fast vollständig aufhebt, den Laderaum aber trotzdem erhält, gibt es leider erst ab der dritten Ausstattungslinie und dann nur im 489 Euro teuren Komfort-Paket.


Motoren & Fahren


Dafür dass es sich "nur" um einen Kleinstwagen handelt, betreibt Hyundai bei der Motorisierung einen großen Aufwand. Es stehen drei Benziner mit 67; 84 oder 100 PS in der Preisliste. Die beiden Aggregate im zweistelligen Leistungsbereich sind Saugmotoren, wobei der Kleinere ein Dreizylinder mit einem Liter Hubraum ist und der Stärkere ist ein 1,2-Liter-Vierzylinder. Alle Motoren sind an ein manuelles Fünfganggetriebe gekoppelt, für die beiden Sauger gibt es optional ein automatisiertes Schaltgetriebe (683 Euro). Du kannst Dir darunter nichts vorstellen? Auch bei dieser Getriebevariante handelt es sich um eine Automatik, das heißt im Fußraum finden sich nur zwei Pedale. Die Schaltvorgänge werden innerhalb des Getriebes von einem Aktuator ausgeführt, der aber über den Schalthebel angeregt werden muss, hier dargestellt am Beispiel eines Beschleunigungsvorgangs,ab hier langsam mitlesen:


Gas geben bis zur gewünschten Schaltdrehzahl – Fuß vom Gas – Schalthebel kurz in Richtung des Plus-Symbols bewegen – Schaltvorgang abwarten und spüren – wieder Gas geben.


Und das Beste? Diese Schilderung bildet die Echtzeit ab. Jegliche fahrerische Eleganz ist mit einem solchen Getriebe dahin, aber es ist eine Automatik, die das Kuppeln erspart und tatsächlich lassen sich solche Getriebe mit etwas Übung sehr sparsam fahren.

Im Testwagen werkelt der Basisbenziner als Handschalter. Und er tut das sehr gut; abgesehen von einer kleinen Anfahrschwäche im ersten Gang. Wenn Dein Fahrprofil sich allergrößtenteils auf Stadtverkehr beschränkt, dann bist Du schon mit der 67-PS-Variante des i10 bestens versorgt. Der läuft auf der Autobahn auch problemlos 140 Sachen (wenn di Zuladung nicht ausgechöpft wird), allerdings fehlen bei dem Tempo die Reserven. Besonders aufgefallen ist bei diesem hohen Tempo die geringe Lautstärke; klar, der kleine Dreizylinder knurrt etwas, aber vom diffusen Lärm des Fahrtwinds war relativ wenig zu vernehmen.

Der stärkste Benziner ist nur in Verbindung mit der Topaussattung N Line zu haben. Die orientiert sich optisch an Hyundais Erfolgssportler i30 N (275 PS, ab 33.436 Euro), ist aber keinesfalls so kompromisslos sportlich. Trotzdem ist der i10 mit 100 PS flott unterwegs. Laut Hersteller ist der Sprint auf 100 km/h in 10,5 Sekunden erledigt – ordentlich.

Kurz Überhänge sind nicht nur sexy sondern auch beim Rangieren nützlich – bitte mehr davon


Bordelektronik: Die Guten und die Schlechten


Zum guten Eindruck den der kleine Hyundai hinterlässt, tragen auch die zahlreichen elektronischen Helferlein bei. Nur noch mal zur Erinnerung: Wir bewegen uns hier im Kleinstwagensegment, bis vor ein paar Jahren waren diese Autos nicht nur einfach unattraktiv sondern abschreckend – und jetzt steht dieser Typ hier, der soviel kann, wie ein einfacher Kompakter: aktiver Spurhalte-, Aufmerksamkeits-, Fernlicht-, Notbremsassistent, sechs Airbags sind serienmäßig an Bord. Und wenn Du willst, kannst Du Dir Deinen i10 auch mit 8-Zoll-Infotainment samt Touchscreen (1219 Euro, Navi-Paket) sowie Android Auto oder Apple Carplay ausrüsten lassen (ab Trend).

Die Elektronik aus dem Bereich Infotainment funktioniert insgesamt gut und vor allem unkompliziert – mich nervt bei dem System von Hyundai und Kia aktuell lediglich, dass das Telefonmenü im Bildschirm verschwindet, sobald eine Nummer gewählt wird. Die Fahrassistenten sind, im Interesse höchster Sicherheit, sehr sensibel abgestimmt. Der einzige des deshalb nervt, ist der Spurhaltehelfer. Sein Überwachungskorridor ist soweit, dass er sogar dann ins Lenkrad greift, wenn ich in der Mitte der Fahrbahn fahre und dann mal leicht nach links oder rechts in Richtung der Fahrbahnbegrenzung taumele. Leider lässt er sich auch nicht dauerhaft abschalten, bei jedem Neustart nimmt er treu seinen Dienst wieder auf.

Der große Knopf ist der wichtigste, er deaktiviert den übersensiblen Spurhalteassistenten


Ausstattungslinien


Für den Hyundai i10 stehen fünf Ausstattungen zur Wahl und wie immer gelten bei den Korreanern einige Einschränkungen. Die ersten beiden Linien Pure (10.713 Euro) und Select (+2389 Euro) sind nur mit dem kleinen Benziner als Handschalter zu haben und sie sind nur als Viersitzer zugelassen. Für Pure gibt es keinerlei Optionen. Select hat bereits Bluetooth-Konnektivität, digitalen Radioempfang und eine Klimaanlage an Bord und lässt sich um ein beheizbares Lenkrad – es wärmt den gesamten Kranz und wird richtig warm, Parkpiepser und Sitzheizung für die erste Reihe erweitern (478 Euro, Funktionspaket). Während sich mit Select also wirklich etwas anfangen lässt, taugt der Basis-i10 nur als relativ billiges Verbrauchsauto, welches immerhin gut und komfortabel fährt.

Die gute Lenkrad- sowie die Sitzheizung gibt's im Komfort-Paket (488 Euro)


Wenn Du das fahrspaßsteigernde 8"-Infotainment willst, musst Du zu Trend greifen – und weil der Mindestpreis damit auf 14.661 Euro steigt, ziehe ich hier den Schlussstrich der Vernunft. Denn wenn Du bereit bist, circa noch 2000 Euro draufzulegen, und das müsstest Du für den i10 im Luxustrimm Prime tun, dann solltest Du Dich besser gleich bei den Klein- oder Kompaktwagen umschauen, weil Du da einfach mehr Auto für dein Geld bekommst.

Knuffiger Kerl zum Liebhhaben, der i10


Fazit:


Was haben der Dodge Challenger mit dem ich vor kurzem noch auf Deutschlands Landstraßen lustwandelte und der Hyundai i10 gemeinsam? Einen Saugmotor. Und was noch? Beide bleiben in Erinnerung. Der Challenger weil er auf coole Art großes Drama liefert, der i10 weil er trotz seiner Minimalmaße ein ganz Großer ist: Fährt sehr gut und sicher, hat ein tolles Raumangebot, ist in puncto Infotainment auf der Höhe der Zeit; die verschachtelten Ausstattungslinien und der nervige Spurhaltehelfer sind Wermutstropfen – aber das perfekte Auto hat bisher auch noch kein anderer Hersteller gebaut.



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Attila Langhammer

24 Dez. 2020