Kaufberatung Kia Xceed: Mit oder ohne Strom kaufen?

Attila Langhammer

23 Nov. 2020

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Trotz Elektrifizierungswelle und Bonus aus dem Steuersäckel zählen Plug-in-Hybride in der Kompaktklasse nicht zu den Selbstverständlichkeiten. Kia hat im März 2020 den XCeed, Crossover-Ableger des Ceed, mit aufladbarem Batteriepack und E-Motor auf den Markt gebracht. Wir durchleuchten den mildwilden Fünftürer und klären, ob es sich lohnt 100 Kilo Mehrgewicht durch den Alltag zu bugsieren.

YesAuto Bewertung:

/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

Trotz Elektrifizierungswelle und Bonus aus dem Steuersäckel zählen Plug-in-Hybride in der Kompaktklasse nicht zu den Selbstverständlichkeiten. Kia hat im März 2020 den XCeed, Crossover-Ableger des Ceed, mit aufladbarem Batteriepack und E-Motor auf den Markt gebracht. Wir durchleuchten den mildwilden Fünftürer und klären, ob es sich lohnt, 100 Kilo Mehrgewicht durch den Alltag zu bugsieren.


Was genau ist ein Kia Xceed?

Wer sich mit Kias Modellpalette ein wenig auskennt, dem wird die klangliche Ähnlichkeit zwischen dem hier vorgestellten Xceed und dem regulären Kompaktmodell Ceed sofort auffallen. Denken wir uns beim Xceed die dunkelgrauen, umlaufenden Kunststoff-Planken weg und legen ihn mittels Vorstellungskraft noch etwa vier Zentimeter tiefer, dann wird klar, von wem der Xceed abstammt. Da täuscht auch der wuchtigere Auftritt mit höherer Frontpartie sowie breiteren und längeren Schürzen nicht drüber hinweg. Der Xceed reiht sich in die Riege der sogenannten Crossover ein – Autos, die keine SUV sind, die aber mit Höherlegung, manchmal gar mit Allrad und echtem Unterfahrschuz trotzdem etwas mehr Nützlichkeit bieten wollen.


Das Interieur

Der Öffnungswinkel der Fahrertür ist ziemlich weit, aber trotzdem muss ich mich mit 1,86 ein wenig in den Xceed hineinfalten. Denn aufgrund der höher positionierten Karosserie entfällt das klassische "Hineinrutschen". Das Bein steht also leicht erhöht im Auto, weil der Türausschnitt – die Höhe zwischen Dach und Schweller – unverändert bleibt und der höchste Punkt der Dachlinie erst kurz vor der B-Säule erreicht wird, muss der Kopf origamisch eingezogen werden. Dafür überzeugt der Fahrerplatz aber mit einem großzügigen Einstellbereich und bietet auch deutlich größeren Fahrern Platz. Die Übersicht nach vorn ist insgesamt gut, aber die flach ansteigenden und dick eingepackten A-Säulen schmälern das Lob der Übersichtlichkeit stark. Und beim klassischen Rangierblick über die rechte Schulter gibt's viel vom Xceed zu sehen, aber wenig vom rückwärtigen Verkehrsraum. Die gut auflösende Rückfahrkamera hat der Plug-in-Xceed serienmäßig an Bord, bei den Benzinern und dem Diesel muss sie nur für die Basis Edition 7 extra geordert werden – leider ist sie nur im teuren Emotion-Paket (1160 €) zu haben.


Im Fond wird es für Mitfahrer im Redakteursformat oder darüber hinaus schnell kuschlig. Dann haben nämlich nicht mehr nur Beine, Po und Rücken Fahrzeugkontakt sondern schnell auch Knie, Schultern oder – oberhalb von 1,90 Meter – auch der Scheitel. Da haben wir den klassischen Ceed etwas großzügiger in Erinnerung. Dafür übertrumpft der Xceed, sofern mit konventionellem Antrieb ausgestattet, den Namensstifter mit seinem Ladevolumen von 426-1378 Liter beim Kofferraum – und ehrlich gesagt finden wir diesen "Raumtausch" praxisorientiert sinnvoll. Der hier gezeigte Plug-in-Hybrid zeigt sich aufgrund elektronischer Bauteile nicht so geräumig, fasst nur 291-1243 Liter.


Fahren und Motor

Das Fahrverhalten des Xceed ist komfortabel und entspannt. Wenn gefordert zeigt es sich in den Punkten Abtastung und Rückmeldung sogar sportlich. Aufgrund der hohen Bodenfreiheit von 18,4 Zentimetern auf den 18-Zoll-Rädern (Serie ab Vision/beim Hybrid generell 390 Euro Aufpreis) – das sind fast 4,5 cm mehr als im Ceed – gerät er bei zügiger Gangart spätestens auf schlechtem Belag ein wenig ins Wanken. Da verlässt er dann im Wortsinn die Komfortzone. Auf den 16-Zoll-Rädern beträgt die Bodenfreiheit nur 17,2 Zentimeter. Wem die beiden Werte zu gering erscheinen, der findet in der Preisliste auch noch Höherlegungsfedern (155 Euro), die den Xceed um weitere zwei Zentimeter liften.

Die Motorenpalette des Xceed ist zwar nicht groß, dafür aber vielfältig: es stehen drei Turbobenziner (120/140/204 PS), ein 136-PS-Diesel (48V-Mildhybrid) sowie der Plug-in-Hybrid mit einer Systemleistung von 141 PS zur Wahl. Die Benziner und Diesel sind bekannte Turboaggregate, speziell die Benziner sind zudem drehfreudig und leise. Im Hybrid wird der 44,5-kW-E-Synchronmotor von einem 1,6-Liter-Saugmotor getragen, der seine Spitzenleistung von 105 PS bereits bei 5700 Touren erreicht. Mit der Systemleistung von 141 PS und 265 Nm wird das Fahrerlebnis dann aber trotzdem ganz rund. Enttäuscht sind wir lediglich von der bereits ab dem dritten Gang recht kurz übersetzten Doppelkupplungsautomatik. Die vermittelt beim Kick-down ganz viel von dem unattraktiven Gefühl der Stufenlosgetriebe, bei denen vor allem die Motordrehzahl hochgeht, das Beschleunigungserlebnis aber deutlich hinter der Klangkulisse zurückbleibt.

Die bereits erwähnten unterschiedlichen Fahrzeughöhen in Folge der Felgenwahl spielen beim Hybrid auch bei der Höchstgeschwindigkeit eine Rolle. Auf 16-Zöllern variiert die Vmax des Xceed mit Stecker zwischen 160 und 193 km/h, auf den größeren Felgen schafft er maximal 155 bis 188 km/h. Die Differenz ergibt sich zudem aus der Abhängigkeit vom Ladezustand der Batterie – bei vollem Akku schiebt der Elektromotor entsprechend mit. Beim ersten unwissenden Erleben war ich etwas verdutzt und zweifelte für einen Moment an meiner Wahrnehmung. Auch bei der reinelektrischen Reichweite des Hybrid verleiden die großen Felgen den stillen Auftritt, die Werksangabe beträgt dann nur 54 statt 58 Kilometer. Bei der sensibel angegangenen Testfahrt bei neun Grad Außentemperatur habe ich auf 18 Zoll über 40 Kilometer geschafft, allerdings schaltete sich trotz gewähltem Elektro-Modus immer wieder der Verbrenner zu.



Ausstattung

Den günstigsten Xceed mit 120-PS-Turbobenziner gibt's in der Ausstattung Edition 7 zur Zeit ab 20.851 Euro. Zu dessen erwähnenswerten Merkmalen zählen die guten LED-Scheinwerfer, wobei die Fernlichtausbeute im Vergleich zu anderen Herstellern etwas matt wirkt. Serienmäßig sind auch der Notbremsassistent sowie der aktive Spurhaltehelfer – und beide sind über die Maßen sensibel, speziell der Spurhaltehelfer nervt mit seinem nervösen In-die-Lenkung-Hineingezappel. Deshalb wird er nach jedem Neustart konsequent abgeschaltet, und sein Sinn hintergangen.

Ab der zweiten Linie Vision (+2437 Euro) ist der feine, berührungssensitive 8-Zoll-Infotainment-Bildschirm mit an Bord. Der reagiert schnell auf Eingaben und überzeugt mit seiner scharfen sowie inhaltlich (meist) klaren Darstellung. Ein Display mit 12,3-Zoll-Diagonale bleibt den beiden Topausstattungen Xdition und Platinum Edition vorbehalten – schade. Ein weiterer Trumpf der zweiten Ausstattung ist die Lenkradheizung: die beheizt den gesamten Kranz (und nicht nur einzelne Areale) und bringt das Volant anständig auf Temperatur.

Auf die Detailaufzählung der verbleibenden vier Linien (für die konventionellen Antriebe) verzichte ich hier. Stattdessen rate ich entweder zu Vision oder Spirit, die sich bei Bedarf noch mit wenigen Extras erweitern lassen. Stattdessen genehmige ich mir hier noch den Hinweis auf zwei ziemlich witzige Extras, die wir bei den Koreanern bisher noch nicht so oft in den Preislisten gelesen haben: für 1072 Euro gibt's für alle Benziner eine Edelstahl-Sportabgasanlage und für den 1.4- sowie den 1.6 T-GDI gibt's für 1852 Euro sogar eine Klappenauspuffanlage. Die Heckschürze des Hybriden zieren in jedem Fall geschmacklose Fake-Auspuffblenden.

Nicht alles was die Premiums kultivieren, ist zur Nachahmung empfohlen. Fake-Endrohre sind und bleiben BÄH!


Fazit

Obwohl sich der Xceed wie ein kleines Goldstück gibt, möchte ich mit ihm lieber nicht Richtung Klondike aufbrechen. Sein offroadiger Schmuck ist eher ein verschmutztes Schmunzeln als eine echte Kampfansage – dazu mangelt es (bisher) an einer Allradvariante. Die Hybridvariante bleibt mit kleinem 37-Liter-Tank und zahmen Getriebe ein bevorzugter Stadtschleicher, für Landstreicher empfehle ich mindestens den 140-PS-Benziner oder den Diesel für all jene, deren Fahrpensum schon Richtung Weltenbummler tendiert. Unabhängig von der Motorisierung ist der Xceed ein launiger Typ, der auffällt und moderne Ausstattung mit einem guten Fahrgefühl kombiniert. Da haben sie bei Kia mal wieder ganz viel richtig gemacht.



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Attila Langhammer

23 Nov. 2020