Kaufberatung Nissan Qashqai J10: Opa tun die Beine weh

Thomas Flehmer

08 Feb. 2021

Mit dem Qashqai gründete Nissan das Segment der Kompakt-SUV mit. Die erste Generation des Bestsellers der japanischen Marke faszinierte auf Anhieb – überzeugt allerdings nicht überall

(Fotos: Nissan)


Mit dem Start im Jahr 2007 eroberte der nach einem im Iran angestammten Nomadenvolk benannte Qashqai die Herzen im Sturm. Doch nicht immer beglückte einer der Gründungsväter des Segments der Kompakt-SUV seine Eigentümer. YesAuto zeigt Dir die Stärken und Schwächen der intern J10 genannten Generation auf.


• Bestseller im Nissan-Portfolio


• Familien und Senioren bevorzugt


• Hohe Sitzposition als klares Plus


• Schwächen beim Fahrwerk


• Lieber Diesel als Benziner


Der Jubel im Jahr 2007 war groß, als Nissan mit dem Qashqai auf den Markt kam. Wurden doch zu der Zeit die dicken SUV ob ihrer hohen Verbräuche als Dreckschleudern stigmatisiert. Eine Nummer kleiner als die Dickschiffe wurde der Qashqai aber herzlich aufgenommen, bot er doch auch eine hohe Sitzposition und damit vermeintlich mehr Übersicht auf den Straßen. Für den japanischen Hersteller entwickelte sich der Qashqai, der Mitte Februar 2021 Premiere mit der dritten Generation feiert, in den kommenden Jahren zur Cash-Cow und nahm sehr schnell den ersten Platz in der internen Bestsellerliste des Autoherstellers ein, den er bis heute behalten hat.


Mehr Abenteuerluft als in einem biederen Kombi


Neben der hohen Sitzposition bot das Kompakt-SUV zivilere Preise als ein großes SUV an, sodass die Käufer zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen konnten: Sie konnten sich ein SUV leisten, das aber aufgrund der kompakten Form und lediglich 4,32 Metern Länge nicht für Aufschreie und Forderungen nach strengeren CO2-Normen sorgte. Die geländewagenartige Struktur des Qashqai tat sein Übriges und konnte so auch Familienväter ermuntern, ein bisschen mehr Abenteuerluft zu schnuppern, statt in einem biederen Kombi den Lastesel zu mimen.


Ein Jahr später steigerte Nissan die Abenteuerlust mit dem 21 Zentimeter längeren Qashqai +2, der Platz für sieben Personen bot oder rund 500 Liter Kofferraumvolumen, wenn die beiden Sitze der dritten Reihe in den Kofferraumboden versenkt wurden. Eine Dachreling verstärkte den Offroad-Charakter, den der Qashqai aber nicht erfüllen konnte.


Innen bleibt sich Nissan seiner Linie treu


Zeigte sich der Qashqai von außen im coolen Gelände-Look, blieb Nissan im Innenraum seiner traditionell braven Linie treu. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet, die Materialien je nach Ausstattungsvariante ganz normal oder normal. Man kann nicht meckern, aber auch nicht mit der Zunge schnalzen.


Trotz der erhöhten Sitzposition ist die Übersicht nach hinten nicht ganz optimal – auch nicht nach dem Facelift 2010, das dem Qashqai weitere zwei Zentimeter Bodenfreiheit sowie schmale Scheinwerfer und einen aufgewerteten Innenraum bescherte.


Dieselmotoren bevorzugt


Beim Motorenangebot – zwei Benziner und drei Diesel – können die Ottomotoren mit 114 (nach dem Facelift 117) PS und 141 PS (und zähem CVT-Getriebe sowie einem recht hohen Verbrauch) vernachlässigt werden. Bei den drei Selbstzündern aus dem Konzernregal der Renault-Nissan-Allianz mit 1,5, 1,6 oder 2,0 Liter Hubraum entwickelte sich der ab 2011 angebotene 1.6 dCi DPF mit 131 PS zum besten Aggregat zwischen Sparsamkeit und Leistung. Mit guten 320 Newtonmetern Drehmoment bei 1750 Kurbelwellenumdrehungen sowie 10,3 Sekunden Sprintzeit ausgestattet soll sich diese Variante mit 4,5 Litern Diesel auf 100 Kilometern begnügen.


Noch mehr Leistung bietet der Zwei-Liter-Diesel mit 150 PS, der den Sprint mit dem manuellen Sechsganggetriebe in 9,5 Sekunden absolviert und mit 194 km/h auch vier Stundenkilometer mehr an Höchstgeschwindigkeit aufweist als der Einssechser. Hier liegen die 320 Newtonmeter Drehmoment aber erst bei 2000 Umdrehungen an und tragen dazu bei, dass auch gut eineinhalb Liter Diesel mehr benötigt werden.


Allrad nur beim Top-Diesel in Serie


Der Top-Diesel bietet im Verbund mit einer Sechsgang-Automatik aber einen Vorteil: Er ist serienmäßig mit Allradantrieb – eine Ursache des Mehrverbrauchs – ausgestattet und kann so auch abseits der asphaltierten Straßen auf unwegsamen Pfaden besser mithalten. Optional kann auch der 1.6 dCi sowie der zwei Liter große Top-Benziner mit dem Vierradantrieb bewegt werden und so ein wenig die Andeutungen der Karosserie auf Geländetauglichkeit erfüllen, auch mit Unterstützung des gut mit der Lenkung abgestimmten Fahrwerks.


Doch gerade beim Fahrwerk tun sich Schwachstellen auf, dem Gründungsvater tun sozusagen die Beine weh: Die Achsaufhängung ist ein wunder Punkt, monieren die TÜV-Prüfer in ihrem aktuellen Jahresbericht. Hier fällt der Qashqai drei Mal häufiger auf als der Durchschnitt. Vor einem Kauf solltest Du zudem die Leuchten vorn wie hinten auf einen guten Zustand überprüfen. Ein weiterer Schwachpunkt ist die Abgasuntersuchung, bei der der Qashqai nicht immer eine gute Figur abgibt. Also sollte der Qashqai vor dem Kauf unbedingt auf die Bühne gestellt werden.


Begrenztes Angebot


Aufgrund des fortgeschrittenen Alters nimmt die Marktlage für Gebrauchte konstant ab. Benziner sind noch reichlich im Angebot, knapper sieht es bei den Selbstzündern aus. Ein 1.6 dCi DPF mit 131 PS und etwa 150.000 Kilometern auf der Uhr pendelt sich bei 6000 Euro ein.


Fazit


Der Nissan Qashqai wird seiner Vorreiterfunktion auch gut 13 Jahre nach seiner Einführung gerecht. Das SUV auf Länge eines Pkw findet sich in der Stadt wie außerhalb gut zurecht und gilt als praktischer Begleiter in einer geländegängigen Verkleidung. Wenn Du keine bösen Überraschungen erleben möchtest, bietet sich neben der Probefahrt der Check auf der Hebebühne mit den Werkstattexperten an, um zu schauen, ob dem Opa im Segment der Kompakt-SUV die Beine weh tun. Wenn Du ein bisschen mehr Geld zur Verfügung hast, schaue bei der der ab 2014 gefertigten zweiten Generation, bei der das Fahrwerk deutlich verbessert wurde.

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Thomas Flehmer

08 Feb. 2021