Kaufberatung Opel Astra J: Schwergewicht im engen Maßanzug

Thomas Flehmer

09 März. 2021

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Der Opel Astra J ist auch heute noch ein solider Begleiter. Allerdings macht der von 2009 bis 2015 gefertigten Baureihe das Übergewicht zu schaffen. Erst der Nachfolger setzte zur Diät an

(Fotos: Opel)

Der Opel Astra J ist der Schwergewicht unter den Kompakten seiner Zeit. 1,5 Tonnen bringt die immerhin 4,42 Meter lange vierte Astra-Generation schon mit den kleineren Basismotoren auf die Waage. Trotz übermäßiger Pfunde präsentiert sich der Nachfolger des Astra H – auf den Buchstaben „I“ hat Opel aufgrund der Nähe zur Zahl „1“ verzichtet – sehr solide. Dass schon auf den zehnten Buchstaben zurückgegriffen wird, leitet sich vom Vorgänger Opel Kadett ab, der die kompakte Baureihe mit einem „A“ begann.


• Kompaktklasse mit Mittelklassemaßen


• Motorenspektrum von 87 PS bis 280 PS


• Kombiversion Sports Tourer misst 4,70 Meter in der Länge


• Ölverlust und Achsfedern im Fokus


• Fahrspaß im OPC


Im Vergleich zum Astra H wuchs der Astra J um knapp 20 Zentimeter in der Länge. Somit konnten die Designer die Dachlinie etwas flacher gestalten, um dem Neuen ein sportlicheres Aussehen zu geben. Auch Kühlergrill und Scheinwerfer erhielten ein neues Design, dass dynamischer aussieht. Allerdings fragen sich Experten heute noch, wo die 20 Zentimeter Längenzuwachs abgeblieben sind. Den Gästen auf der Rücksitzbank kamen sie jedenfalls nicht zugute.


Kombi heißt Sports Tourer statt Caravan


Auch das Kofferraumvolumen mit 370 Litern wurde nicht mit mehr Raum bedacht, sodass dem Schwergewicht nur ein enger Maßanzug geschneidert wurde. Noch deutlicher fällt der Raumverlust beim 4,70 Meter langen, Sports Tourer genannten, Kombi aus. Hier stehen zwar wie beim Vorgänger 500 Liter im Kofferraum zur Verfügung, bei umgeklappten Rücksitzen sind es aber 40 Liter weniger als beim Astra H, dessen Kombivariante noch auf den Namen Caravan hörte. Zum Trost: 1550 Liter bieten immer noch genügend Raum für größere Gegenstände.

Der Fahrer selbst verfügt dabei gar nicht über die Zeit, über die Platzverhältnisse nachzudenken. Zum einen sitzen er und sein Beifahrer auf den gut konturierten Sitzen mit dem Gütesiegel „Aktion Gesunder Rücken“ (AGR) prächtig und sind nicht eingeengt. Zum anderen muss sich der Fahrer mit den Knöpfen und Schaltern auf der Mittelkonsole vertraut machen. Es macht den Eindruck, als müssten sich auch Hubschrauberpiloten nicht unbedingt mehr Funktionen einprägen, um die Pilotenprüfung zu bestehen.


Knapp 20 Motoren zur Auswahl


Hat sich der Fahrer im Instrumentarium zurechtgefunden, stehen ihm knapp zwanzig Motoren mit einer Leistungsspanne zwischen 87 und 280 PS zur Verfügung. Sollte der Astra J lediglich im Stadtverkehr genutzt werden, reichen auch die Einstiegsaggregate mit 1,4 Liter Hubraum, 87 oder 100 PS sowie gerade einmal 130 Newtonmeter Drehmoment aus. Wird der Astra auch häufiger über Land bewegt, kommen die Turbomotoren mit 1,4 und 1,6 Litern Hubraum oder die Diesel mit 1,6, 1,7 oder 2,0 Litern Hubraum und mit bis zu 140 PS in Frage. Für die ganz Schnellen hält Opel die 1,6 Turbo-Benziner mit 160, 170 oder 200 PS bereit, bei den Dieseln signalisiert der 2.0 BiTurbo CDTI mit 200 PS das Ende der Fahnenstange.


Schnittiger GTC und formschönes Cabrio Cascada


Besonders für den äußerst schnittig designten Dreitürer GTC oder das ebenso formschöne Cabrio Cascada als weitere Karosserievarianten des Astra J eignen sich die stärkeren Motoren. Beim ab dem Facelift im Jahr 2012 angebotenen Stufenheckmodell ist die Aggregats-Auswahl einerlei. Die in Deutschland ungeliebte Karosserievariante wurde kaum nachgefragt. Als Krönung der Baureihe thront das OPC-Modell, dessen zwei Liter großer Turbo-Benziner 280 PS und 400 Newtonmeter miteinander verbindet, um in glatten sechs Sekunden Tempo 100 und später die Höchstgeschwindigkeit von 250 km/h zu erreichen.

Wie bei Opel typisch ist das Fahrwerk so ausgestaltet, dass es sich den diversen Untergründen und Unebenheiten anpasst, soweit es nicht ins Gelände geht. Die überflüssigen Pfunde sind bestimmt mit dafür verantwortlich, dass es in späteren Jahren zu Federbrüchen kommen kann. Auch die Scheinwerfer können beschlagen, ebenso tritt Ölverlust auf, was bei Opel-Fahrzeugen häufiger der Fall ist. Insgesamt aber macht der kompakte Rüsselsheimer bei den Hauptuntersuchungen einen guten Eindruck.


Hohe Kilometerzahlen keine Seltenheit


Den guten Eindruck unterstreichen die hohen Kilometerzahlen innerhalb des großen Angebotes der J-Generation. 400.000 Kilometer oder noch mehr sind keine Seltenheit. Ab 4000 Euro gibt es die kleineren Motoren mit einer Kilometeranzahl im niedrigen sechsstelligen Bereich.

Der Dreitürer trägt das sportliche Kürzel GTC


Für einen Tausender mehr stehen vermeintliche Schnäppchen mit höheren PS-Zahlen im Angebot. Zum Schnäppchen werden sie aber erst dann, wenn Ölverlust und Federbrüche sich in Grenzen halten.


Fazit


Der Opel Astra J bietet ein ausgewogenes Fahren und zumeist gute Qualität auch in älteren Jahren. Wenn die Achsfedern halten und der Kompakte das Öl bei sich hält, steht einem guten Kauf nichts in Wege. Wer etwas mehr Geld zur Verfügung hat, greift beim Nachfolger zu – den hat Opel einer spürbaren Diät unterzogen. Bei den damaligen ersten Vergleichsfahrten mit Vorgänger und Nachfolger wurde die Agilität des Astra K besonders beim Kurvenverhalten deutlich.

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Thomas Flehmer

09 März. 2021