Kaufberatung Opel Corsa E: Der letzte Mohikaner

Thomas Flehmer

10 Mai. 2021

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Mit der fünften Generation des Corsa nimmt Opel Abschied von der Kleinwagenplattform von General Motors. Dabei war dem Corsa E nur eine kurze Lebensdauer beschieden. Hier kläre ich, ob die kurze Spanne trotzdem für eine gescheite Gebrauchtwagen-Karriere reicht

(Fotos: Opel)


Lediglich knappe viereinhalb Jahre durfte der in Eisenach und im spanischen Saragossa produzierte Corsa E von 2014 bis 2019 die Kleinwagenfahne hochhalten, ehe Opels neue Konzernmutter PSA für den Opel Corsa F sowie die elektrische Variante Opel Corsa-e französische Grundlagen bereitstellte.


• Letzter Corsa auf GM-Plattform


• Lediglich fünf Jahre produziert


• Gutes Raumangebot


• Furiose OPC-Edition


• Hoher Ölverlust

Auch wenn die Maße des Corsa E sehr ähnlich ausfielen wie beim Corsa D, unterscheidet sich der Corsa E doch deutlich von seinem Vorgänger. Optisch näherte sich der fünfte Corsa dem Kleinstwagen Adam an. Der Kühlergrill wurde weiter nach unten gezogen und die Form der Scheinwerfer mit LED-Tagfahrlicht verändert. Das Heck fällt steiler ab als beim Vorgänger. Viel wichtiger ist, dass das Fahrwerk des weiterhin als Drei- und Fünftürer erhältlichen Kleinwagens komplett erneuert wurde und so für einen Qualitätssprung sorgte.


Unverändert blieb das für einen 4,02 Meter kurzen Kleinwagen gute Platzangebot, das im Fünftürer noch mehr zum Tragen kommt als beim schick designten Dreitürer. Dann fallen auch Ein- und Ausstieg leichter. Kleinwagentypisch ist auch das Kofferraumvolumen von 280 beim Drei- oder 285 Litern beim Fünftürer, die auf bis zu 1090 oder 1120 Liter erweitert werden können.


Gut ausgestattet mit IntelliLink, Touchscreen und Sicherheitsassistenten


Kleinwagenuntypisch ist die je nach Variante erfolgte Ausstattung. Hier kommen Chrom und Hochglanzflächen zum Einsatz. Das Cockpit ist übersichtlich gestaltet und konnte optional mit einem sieben Zoll großen Touchscreen erweitert werden, der über das Infotainment-System IntelliLink auch die Verbindung zum Smartphone herstellen kann und so auch Navigation ermöglichte.

Weiterhin bot sich beim Corsa E die Möglichkeit, den Kleinwagen mit diversen Sicherheitsassistenten auszustatten. Frontkollisionswarner, Fernlicht- und Toter-Winkel-Assistent sowie Abstandsanzeige und Spur- und Verkehrsschildassistent waren gegen Aufpreis oder in den höheren der insgesamt acht Ausstattungsvarianten erhältlich. Für den Komfort sorgten eine Lenkradheizung, eine Rückfahrkamera und der von Opel entwickelte individuelle FlexFlix-Fahrradträger. Die etwas erhöhte Sitzposition verschaffte dem Fahrer auf den gut konturierten Sitzen einen besseren Überblick.


Ein Dreizylinder, drei Vierzylinder und ein Diesel für den Vortrieb


Beim Motorenangebot ist die Auswahl für den Corsa recht vielfältig. Der Einstieg beim 70 PS starken 1.2er mit vier Töpfen ist noch etwas behäbig, wurde aber häufig geordert. Die Variante mit drei Zylindern und wahlweise 90 PS oder 115 PS und einer Sprintfähigkeit zwischen 11,9 und 10,3 Sekunden sowie sechs statt nur fünf manuellen Gängen erweist sich als deutlich eindrucksvoller, wenn auch mal längere Strecken außerhalb des urbanen Raumes zurückgelegt werden sollen.

Den 1.4er bot Opel in den Leistungsstufen mit 90, 100 und 150 PS an. Darunter fällt auch eine Variante mit Autogas (LPG). Seltener steht in der Kleinwagenklasse ein Dieselmotor im Angebot. Opel bot den 1.3 CDTI gleich in zwei Varianten mit 75 oder 95 PS an. Neben den manuellen Schaltgetrieben gab es optional für manche Varianten noch eine Sechs-Stufen-Automatik oder das automatisierte Schaltgetriebe Easytronic.


Krönung der Baureihe mit 207 PS


Abseits der Vernunftautos setzte sich Opel 2015 mit der 207 PS starken OPC-Edition an die Spitze der sportlichen Kleinwagen. Die kleine Rakete erreicht bereits nach 6,8 Sekunden Tempo 100 und kommt auf eine Höchstgeschwindigkeit von 230 km/h.

Mit dieser Leistung kommt der OPC zwar nicht an die legendäre Nürburgring-Edition des Vorgängers mit 210 PS heran. Trotzdem besitzt der Corsa E OPC aber mit Sportfahrwerk und Sperrdifferenzial die besten Voraussetzungen für die Hatz durch die „Grüne Hölle“.


Ölverlust und Zündspulen sorgen für Ärger


Wer mit dem Corsa nicht nur auf Rundenrekordzeiten geht, erhält mit der fünften Generation des Kleinwagens ein solides Modell für den Alltag. Bei den Hauptuntersuchungen reißt der Corsa dabei keine Bestwerte, schwimmt aber gut mit. Bessere Ergebnisse verhindert vor allem der Ölverlust, der auch schon beim Vorgänger zutage getreten war. Die Abgasuntersuchung (AU) wird problemlos absolviert.


Auch die Zündspule arbeitet im Corsa E nicht immer vorschriftsgemäß. Hier sollte bei der Probefahrt ein Augenmerk liegen. Auf der Bühne sollte der Zustand der Federn angeschaut werden, die auch mal brechen können. Ein Materialfehler an der Feststellbremse hatte zwischenzeitlich für einen Rückruf gesorgt. Dagegen waren die Prüfer mit den Achswellenmanschetten sehr zufrieden.


Kurze Bauzeit – überschaubares Angebot


Bedingt durch die kurze Produktionszeit fällt auch das Angebot für den Corsa E überschaubar aus. Bei knapp unter 4000 Euro beginnen die Preise für die 75 PS starke Einstiegsmotorisierung mit über 200.000 Kilometern Laufleistung. Die 1.4er sind bis zu einem Preis von 5600 Euro sehr dominant, danach steigen mit den Preisen auch die PS-Zahlen. Am Ende der Skala beginnen ab rund 12.000 Euro die Angebote für die OPC-Version mit Laufleistungen um die 60.000 Kilometer.


Fazit


Der Opel Corsa E bietet eine ordentliche Qualität ohne aus dem Durchschnitt hervorzustechen. Wer vor dem Kauf die Problemzonen Ölverlust und Zündspüle löst, ist vor größeren Reparaturen zunächst sicher. Wer zudem ein Scheckheft gewartetes Modell erhält, sollte einen guten Fang machen.

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Thomas Flehmer

10 Mai. 2021