Kaufberatung Peugeot 308 T9: Prämierter Golf-Jäger

Thomas Flehmer

11 Mai. 2021

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Der Start für die zweite Generation des Peugeot 308 erfolgte furios. Vor dem Kauf eines gebrauchten Mitbewerbers in der Golf-Klasse sollte aber besonderer Wert auf das Scheckheft gelegt werden

(Fotos: Peugeot)

Diesen Einstieg wünscht sich jedes Modell: Ein halbes Jahr nach der Vorstellung auf der Internationalen Automobil-Ausstellung in Frankfurt im Herbst 2013 erhielt der Peugeot 308 die begehrte Auszeichnung „Auto des Jahres“ und wurde kurz darauf noch mit dem renommierten Red Dot Design Award geehrt. Im Gegensatz zum Vorgänger gab es bei dem intern T9 genannten Kompaktwagen keine dreitürige Variante mehr. Und auch die offene Version CC basierte noch auf der ersten 308-Generation und endete bereits im Jahr 2015, dafür gesellte sich die bis zu 272 PS starke GTi-Version zur Limousine und dem Kombi mit dem Kürzel sw.


• Zweite Generation des Kompaktwagens


• Kleines Lenkrad im i-Cockpit


• Kombi mit bis zu 1660 Liter Kofferraumvolumen


• Sportlicher GTi ab März 2015


• Signifikanter Ölverlust


Auch wenn Peugeot beim 308 von französischen Vorlieben wie Sofa-ähnlichen Sitzen Abstand genommen hat, solltest Du beim Kauf eines gebrauchten 308 ein gewisses Faible für französische Geschmäcker haben – in jeder Richtung. Dazu gehört auch die Karosserie, die sehr elegant designt wurde. Sowohl bei der Limousine als auch beim Kombi ist eine edle Silhouette entstanden. Nach dem Facelift 2017 erhielt der 308 zudem LED-Tagfahrlift.


Kleines Lenkrad – großzügige Raumverhältnisse


Ein erster Blick in den Innenraum lässt gleich den Hang der Franzosen zu einer gewissen Verspieltheit deutlich werden. Lediglich ein kleines Lenkrad gibt den Blick frei auf die darüber befindlichen Armaturen, die Franzosen betitelten das Ensemble als „i-Cockpit“. Ansonsten ist der Innenraum je nach Ausstattung Access, Active oder Allure ebenso komfortabel eingerichtet wie es die Karosserie verspricht. So zählt eine Klimaanlage bereits zur Basisversion, was recht unüblich ist.

Während die Limousine auf 4,25 Metern Länge und einem Radstand von 2,63 Metern schon gut Platz hat, legt die Kombiversion um weitere 33 Zentimeter in der Länge zu. Auch beim Kofferraumvolumen befindet sich der Franzose auf einem höheren Niveau als in der Kompaktklasse üblich, die um die 380 Liter für eine Limousine bot. Der 308 stellt in der Limousine dagegen schon 470 Liter zur Verfügung, die Kombivariante weist gar 610 Liter auf, die auf ganz starke 1660 Liter erweitert werden können. Du könntest also im Wagen auch übernachten.


Dieselfahrzeuge bevorzugt


Bei der Motorenauswahl liegt das Gros auf den Dieseln, auf den die Franzosen in den vergangenen Jahren sehr gut spezialisiert waren. So überrascht es auch nicht, dass bei den gebrauchten 308 der Anteil der Selbstzünder überwiegt. Vor allem der BlueHDi 120, der zwischen 2014 und 2018 zum Einsatz kam, steht im Gebrauchtwagen-Schaufenster – und überwiegend als Kombi. Vor allem der Verbrauch von 3,2 Litern Diesel – beim Kombi knappe vier Liter – üben einen gewissen Reiz aus. Mit seinen 120 PS und 300 Newtonmetern Drehmoment ist der 308 sw ausreichend motorisiert, währenddessen die kleineren Einstiegsmotoren sowohl beim Diesel mit 92 PS als auch beim Benziner mit 82 PS recht schnell aus dem Programm genommen und durch stärkere Aggregate ersetzt wurden.

Mit dem Facelift 2017 brachte Peugeot den sehr sauberen Diesel BlueHDi 130 mit 1,5 Litern Hubraum und 130 PS auf den Markt. Zudem wurden alle Aggregate auf die Norm Euro 6d-Temp umgestellt, ab 2019 kontinuierlich auf Euro 6d.


Während bei den Dieselmotoren das Leistungsspektrum bei 181 PS zum Stehen kommt, hat Peugeot den 308 bei den Ottomotoren mit einer GTi-Variante gekrönt. Der aus dem Sportwagen RCZ stammende 1,6 Liter große GTi 270 THP ist 272 PS stark und hatte im Jahr 2015 gleich 42 PS mehr zur Verfügung als der damalige Golf GTI. Auf dem Markt gibt es aber nur wenige Exemplare ab 17.000 Euro.


Gestiegene Qualität der zweiten Generation


Was Diesel und Benziner eint, ist die – auch nicht untypisch für Fahrzeuge aus dem Nachbarland – ein oder andere Unzuverlässigkeit, die beim „Auto des Jahres 2014“ zu insgesamt fünf Rückrufen führte: Sei es wegen nicht auslösender Airbags, Ölverlust, Brandgefahr beim Starterrelais, absterbende 1.6er Diesel oder defekter Kühlwassersensoren und brechender Fahrwerksbolzen.


Durch die Bank prägt besonders der Ölverlust die Modellreihe. Insgesamt aber sind die Experten mit der Qualität der zweiten Generation zufrieden. Die TÜV-Prüfer bescheinigen dem 308 im Vergleich zur ersten Auflage einen deutlichen Qualitätssprung. Mängel seien vor allem durch vernachlässigte Wartung entstanden.


Blick ins Scheckheft unabdingbar


Somit solltest Du vor dem Kauf den Blick ins Scheckheft nicht vergessen und Dir auch die Rechnungen der Vertragswerkstatt zeigen lassen. Hat der Vorbesitzer sich um das Auto gekümmert, ist die Mängelliste überschaubar und Dein Geldbeutel wird öfters geschont.

Der Blick auf die Fahrzeughistorie ist aber noch aus einem weiteren Grund von Nöten. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt haben die 308 der zweiten Generation, die preislich bei knapp 6000 Euro beginnen, die 200.000 Kilometer schon lange überschritten. Angesichts eines recht hohen gewerblichen Anteils waren die Modelle – überdurchschnittlich viele Kombis – als Dienstwagen in der Republik unterwegs und wurden somit arg strapaziert. Somit sollte das Fahrwerk, die Achsaufhängung und die Federn besonders kontrolliert werden, um später nicht böse überrascht zu werden.


Fazit


Der Peugeot 308 kann als Gebrauchter Freude bereiten. Die Freude wird aber nur bei gepflegten Modellen zutage treten. Schlecht gewarteten 308er zeigst Du die kalte Schulter und investierst lieber ein wenig mehr Geld beim Kauf, um in der Folge Kosten für Reparaturen zu sparen. Mit Ölverlust musst Du bei jedem 308 rechnen, mit dem Problem kämpfen aber viele ältere Autos.

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Thomas Flehmer

11 Mai. 2021