Kaufberatung: Sechs gute Gebrauchtwagen für 10.000 Euro

Roland Wildberg

19 März. 2021

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Ein gebrauchtes Auto für 10.000 Euro? Kein Problem! Hier findest Du sechs Gebrauchte (und einen Neuen), von denen Dir jeder je nach Deinen Bedürfnissen zu einem treuen Begleiter werden kann

(Fotos: Hersteller)


Was kostet die (Auto-) Welt?


Zugegeben: Zehntausend Euro sind eine Menge Geld – aber für ein Auto, dass Dich die nächsten fünf bis zehn Jahre durch die Welt bringen soll, ist das gar nicht so viel. Wir reden hier nicht von einer Schrottmühle mit tropfendem Motor und hängenden Türen, sondern von einem zuverlässigen Allwetter-Buddy.


Eine Blitzumfrage bei den Banken unseres Vertrauens zeigt: Zehn Riesen als Kredit zum Kfz-Kauf kriegst Du ziemlich leicht – Bonität vorausgesetzt! Aber mit Deiner Schufa wollen wir uns hier nicht befassen, eher mit der Deines zukünftigen Autos. Sprich: Wie vertrauenswürdig, zuverlässig, langlebig ist der Gebrauchtwagen Deiner Wahl?


Soll es überhaupt ein Gebrauchtwagen sein? Für 10.000 Euro (genauer gesagt: 9990 Euro) gibt’s immerhin den billigsten Dacia Sandero inklusive Klimaanlage – nagelneu, versteht sich. Einer der günstigsten Neuwagen überhaupt. Doch der Sandero hat – wie die gesamte Marke Dacia – einen traurigen Ruf hinsichtlich der Qualität. Das hält nicht lange, bestätigen ADAC-Pannenstatistik und TÜV-Mängelreport.

Das Billig-Auto Dacia Sandero gibt es mit (aufpreispflichtiger) Klimaanlage ab 9990 Euro. Aber wer billig kauft, kauft oft auch doppelt. Vielleicht lieber ein Gebrauchtwagen?


Also lieber die zehn Riesen nehmen und zum Gebrauchtwagenhändler. Wir haben einige Alternativen zum Dacia, die zwar nicht neu sind, aber dafür einiges mehr zu bieten haben – statt eines billigen Kompaktautos geht zum Beispiel auch ein:


1. Volkswagen Tiguan


Der Tiguan ist ein Standard: Wenn VW Autos baut, dann im Prinzip nur Marktführer. Lange haben sie in Wolfsburg gezögert, ein Kompakt-SUV ins Stoppelfeld-Rennen zu schicken. Als der Tiguan 2007 kam, wurde er prompt zum Kassenschlager.

Der gebrauchte Tiguan I sieht zwar nicht mehr taufrisch aus, doch das Kompakt-SUV bietet bewährte VW-Qualität. Vorteil des Marktführers: Riesen-Auswahl


Mit 4,52 Meter Länge hast Du ein recht großes Auto vor Dir, 27 cm länger als der Golf VII (LINK), der 2012 auf den Markt kam. Für vier Erwachsene ist gut Platz, im Kofferraum ist für 470 Liter Ladung Platz. Klappst Du die Sitze um, sind es sogar 1510 Liter. Zum Vergleich: Der Dacia Sandero kommt auf maximal 1200 Liter. Tiguan-Hightlights: Serienmäßig sind elektrische Fensterheber vorn und hinten, Klimaanlage, Funkschlüssel zur Fernöffnung.


Auf dem Gebrauchtwagenmarkt werden derzeit über 300 Fahrzeuge mit frischem TÜV bis zu 10.000 Euro angeboten – für Dein Budget bekommst Du also eine gute Auswahl. Schöpfst Du es voll aus, bekommst Du mit Glück einen Tiguan ab dem Facelift 2011. Doch eher sind es zehn bis elf Jahre alte Tiguan mit um die 100.000 km, die im Netz hängen bleiben. Zwei Drittel der Angebote sind Benziner.


Ganz mängelfrei sind gebrauchte Tiguan nicht: Das Fahrwerk stammt vom VW Passat und hat den mindestens drei Zentnern mehr, die das Kompakt-SUV auf die Waage bringt, hart zu schlucken. Der TÜV stellt bei Tiguan I sehr häufig marode Achsfedern und Dämpfer fest. Auch an der Achsaufhängung tritt hoher Verschleiß auf, an fünf Jahre und älteren Modellen sorgt das für zehn Prozent erhebliche Mängel. Daher bist Du gut beraten, einen Tiguan mit frischem TÜV vom Händler zu kaufen. Ansonsten ist der Tiguan übrigens sehr solide, Rost und Öllecks sind nahezu unbekannt.


2. Skoda Fabia


Wer braucht ein SUV? Für 10.000 Euro gibt es auch deutlich jüngere Autos, die zwar kleiner, aber qualitativ mindestens ebenso gut sind. Zum Beispiel den Skoda Fabia: Von Skoda heißt es ja, es sei VW in billig. Und das stimmt in vielen Bereichen: Die Qualität der tschechischen Produkte steht denen des deutschen Mutterkonzerns in nichts nach, das Design ist gefällig, die Motoren identisch.

Außer der Front hat sich nicht so viel geändert: Der Skoda Fabia II ist die günstige Variante des Polo, mit der „Combi“-Version profitierst Du von einem beachtlich großen Kofferraum


Der Skoda Fabia hat Poloformat, ist aber bereits als Neuwagen rund zehn Prozent günstiger. Für Pendler eignet sich die Limousine, die mit vier Meter Länge relativ wenig Parkplatz braucht. Der Kombi hat mit bis zu 1395 Liter fast so viel Laderaum wie ein Audi A4 Avant. Sitzraum ist vorn wie hinten ausreichend. Die inzwischen dritte Generation wird seit 2014 gebaut.


Mit Deinem Budget hast Du Zugriff auf mehr als 700 Fahrzeuge mit frischer HU in ganz Deutschland, darunter ein Drittel Kombis. Es handelt sich um junge Gebrauchte, oft aus zweiter Hand, drei bis vier Jahre alt – der Wertverlust beträgt zwar mehr als 50 Prozent, der Verschleiß ist aber noch sehr gering – der richtige Zeitpunkt zum Zuschnappen. Die meisten Fabia im Pool haben bereits elektrische Fensterheber vorn, elektrisch einstellbare Seitenspiegel und Bordcomputer. Klimaanlage ist serienmäßig. Die besten Fahrzeuge haben unter 50.000 km Laufleistung.


Die Motoren vom Fabia sind sämtlich sauber und erfüllen Euro 6. Es gibt nur einen Diesel: Der 1.4 Liter große TDI mit 90 oder 105 PS ist eine Generation nach den Schummeldieseln und bisher unverdächtig. Er verbraucht recht wenig: Der schwächere liegt im Alltag knapp unter fünf Liter. Allerdings gab es den im Fabia nur bis 2018, entsprechend selten sind die Kleinwagen mit Selbstzünder. Bevorzugst Du Benziner, raten wir Dir zum kleinen Dreizylinder mit Turbolader. Ab 2017 gibt's ihn mit 95, später 110 PS. Realistisch sind 5,7 Liter, der größere liegt bei etwa sechs. Mängel sind beim Fabia III bisher nicht notorisch. Wurde das Auto viel in der Stadt bewegt, verdienen Lenkgelenke und Stoßdämpfer einen genaueren Blick.


3. Mercedes A-Klasse


Etwas peppiger darf es schon sein? Dann wäre vielleicht die junge A-Klasse etwas für Dich. Mit ihr schaffte es Mercedes 2012 über Nacht, auch wieder für jüngere Leute interessant zu werden. Nachdem die A-Klasse der ersten beiden Baureihen ein zweiachsiger Rollator war, hat die dritte Generation es zum sportlichen Kompakten gebracht. Ein Jahr später kam die Limousine CLA, noch einen Tacken eleganter – aber der ist leider noch zu teuer.

Vom hässlichen Entlein zum Schwan: Die A-Klasse der dritten Generation ist ein schicker Kompakter mit hervorragender Fertigungsqualität


Für Dein Budget gibt es eine ordentliche Auswahl an A-Klassen, allerdings mit deutlich über 100.000 km auf dem Tacho. Ist das ein Risiko? Bisher nicht: Laut TÜV-Report hat die A-Klasse der Baureihe W176 überragende Qualität. Fahrwerk, Bremsen, Motor – alles im grünen Bereich. Kaufst Du einen mit neuem TÜV, kannst Du fast blind zugreifen.


Mit Motoren hat Mercedes die A-Klasse verwöhnt: Es gibt von 102 bis 218 PS eine große Bandbreite an Benziner-Triebwerken, die sämtlich die Abgasnorm Euro 6 erreichen. Der 122-PS-Motor verbraucht mit 7,4 Liter kaum mehr als der kleinste Benziner, fährt aber etwas flotter (bis 202 km/h). Die AMG-Kraftbolzen mit 360 bzw. 381 PS sind selbstverständlich weit jenseits der 10.000 Euro angesiedelt. Von den Diesel-Motoren zwischen 90 und 177 PS empfiehlt sich der 180d mit 109 PS, er verbraucht im Alltag durchschnittlich 5,5 Liter auf 100 km.


4. Honda CR-V


Eine starke Marke, aber für viele unsichtbar: Honda baut Autos von hervorragender Qualität, aber unauffälligem Design. Dazu zählt auch das Kompakt-SUV CR-V. Seine Fahreigenschaften sind guter Durchschnitt, sein Auftritt auch. CR-V ist die Abkürzung für Comfort Runabout Vehicle, also komfortables „Herumtreiber“-Fahrzeug.

Der Honda CR-V ist relativ selten, aber die Suche lohnt: Der TÜV bescheinigt dem Kompakt-SUV hervorragende Qualität


Das ist nicht so sehr übertrieben: Die meisten CR-V, die Du für ein Budget von 10.000 Euro kriegen kannst, haben Allradantrieb. Es sind durchweg ältere Exemplare, aber das muss nichts heißen: Der CR-V hat beim TÜV bisher hervorragende Zeugnisse, lediglich an der Lichtanlage werden relativ häufig Defekte beanstandet. Doch das sind Kleinigkeiten.


Für Dein Geld kriegst Du Exemplare der dritten und auch vierten Generation (2012-18), die zumeist schon sechsstellige Kilometerstände haben. Ein Risiko? Nicht, wenn Du einen gründlichen Gebrauchtwagen-Check bei einer Prüforganisation durchführst. Die Durchsicht von Experten kostet um 100 Euro und betrifft auch die Unterseite, Bremsen und Fahrgestell. Platz haben beide: Bis zu 1532 Liter im Kofferraum wirst Du selten voll ausnutzen.


Die Motoren-Auswahl beim CR-V der dritten Baureihe ist übersichtlich: Es gibt zwei Benziner und zwei Diesel. Die Benziner schlucken beide über 9 Liter, im Alltag geht das ganz schön ins Geld. Empfehlenswert ist vor allem der größere Diesel mit 150 PS, denn er hat Euro 5. Der Verbrauch liegt im Alltag bei 7,5 Liter, hier fordert der SUV-Aufbau seinen Tribut – das ist gerade noch okay. Generation IV ab 2012 ist unter anderem mit einem 120-PS-Diesel bestückt, der unter sechs Liter verbraucht – und Euro 6 schafft. Allerdings musst Du dafür noch ein bis zwei Scheine drauflegen.


5. Renault Kangoo


Die eierlegende Wollmilchsau unter Autos gibt es zwar nicht – aber der Kastenwagen kommt dieser Anwendungsvielfalt sehr nah. Einer wie der Renault Kangoo: Er taugt als Familientaxi ebenso wie als Baumarktlieferant, zum Einkauf sowieso, und mit etwas Kompromissbereitschaft kannst Du darin sogar einen romantischen Campingurlaub unternehmen. Für 10.000 Euro kriegst Du eine gute Auswahl der zweiten Baureihe ab 2008, die jüngsten Exemplare sind keine drei Jahre alt.

Etwa die Hälfte sind Kastenwagen mit geschlossenem Laderaum und zwei Sitzen. Die sind natürlich günstiger. Willst Du die Kombiversion mit fünf Sitzplätzen, erhältst Du fürs Budget vier Jahre alte Kangoo mit um die 50.000 km auf dem Tacho. Der Kangoo ist sehr praktisch: Er hat auf beiden Seiten Schiebetüren für den Fond, was das Aussteigen und Beladen auch auf schmalen Parkplätzen ungemein erleichtert. Bis zu 2700 Liter Gepäck passen hinein, Respekt!

Mit dem Kangoo hat Du einen praktischen Begleiter. Allerdings musst Du bei vielen Baugruppen wie z.B. dem Fahrwerk kritisch auf die Qualität achten


Die Federung wird Dir etwas weich vorkommen – das ist zumeist nicht Verschleiß, sondern typisch französische Fahrkultur. Der Kangoo hat robuste Technik, und das braucht er auch: Erstbesitzer haben ihn nicht zum Spazierenfahren erworben, sondern zum Arbeiten. Insofern kannst Du davon ausgehen, dass ein Renault Kangoo mit vielen Kilometern auch viel genutzt wurde. Federn, Dämpfer, Antriebswellen und Bremsen werden vom TÜV häufig beanstandet. Auch das Licht funktionierte bei der HU oft nicht vorschriftsmäßig. Rost ist noch kein Thema. Lass' den gebrauchten Kangoo besser vom Profi bei Dekra, TÜV oder ADAC durchsehen, bevor zu zuschlägst.


Als Antrieb dominiert der Diesel; fast drei Viertel der Kangoo sind mit Selbstzünder ausgestattet. Verbreitet ist ein Vierzylinder mit 110 PS, der im Alltag unter sechs Liter verbraucht. Suchst Du einen Benziner, so empfiehlt sich der stärkste mit 106 PS, der 8,5 Liter verbraucht.


6. Mercedes W123


Hier noch ein Joker, denn es geht natürlich auch beim Autokauf ganz anders: Du brauchst Dein Fahrzeug nicht täglich, sondern nur ab und zu – und vor allem für die schönen Dinge des Lebens? Dann geht auch ein Youngtimer. Natürlich einer, der Dir Sicherheit und Qualität bietet, etwa der Mercedes-Benz W123, als Vorläufer der ersten E-Klasse ein Auto der 1970er-Jahre. Der „kleine“ Mercedes – im Verhältnis zur S-Klasse – hat noch richtig viel Chrom, bietet aber eine große, relativ moderne Knautschzone und viel Komfort. Scheibenbremsen sind Serie, viele Exemplare haben Servolenkung und Zentralverriegelung.

Wenn Du nicht ständig auf Deinen Wagen angewiesen bist, geht auch ein Youngtimer als Alltagsfahrzeug – wie der Vorläufer der E-Klasse, der Mercedes W123


In gutem Zustand ist so ein 123er auch heute noch ein verlässliches und einigermaßen sicheres Alltagsauto. Allerdings gab es damals so gut wie nie ABS (es war nur als sehr teures Extra erhältlich), auch macht der Heckantrieb den schweren Wagen für Fahrten bei Eis und Schnee eher ungeeignet. Elektronik gab’s noch nicht, dafür einen Zündschlüssel.


Für Dein Budget bekommst Du W123-Limousinen mit neuer HU und H-Kennzeichen. Große Auswahl hast Du nicht, aber ein kleiner Markt ist vorhanden. Die Diesel verbrauchen zwischen acht und zehn Liter, kosten aber hohe Steuern – nur das H-Kennzeichen für historische Fahrzeuge reduziert die Steuerlast (pauschal 191 Euro im Jahr). Die Benziner verbrauchen sämtlich über zehn Liter. Mängel: Die Technik ist robust, das größte Problem ist der Rost. Führe das Auto Deiner Wahl unbedingt bei TÜV, Dekra, KÜS, GTÜ oder ADAC zum Gebrauchtwagen-Check vor, die schauen auch unter den Wagen. Teile für den Klassiker sind noch relativ günstig: Eine Lichtmaschine gibt es zum Beispiel ab 70 Euro, ein Satz Stoßdämpfer ab 65 Euro.

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