Kaufberatung VW Passat B7: Der Passat ist gut, muss aber geprüft werden

Roland Wildberg

05 Feb. 2021

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Der VW Passat B7 bietet solide Technik, vom Vorgänger B6 und ein äußerst luxuriöses Raumangebot. Wenn Dich das lockt, dann lies unsere Kaufberatung, damit Du weißt, worauf es ankommt

(Fotos: VW)


Der VW Passat B7 war vor zehn Jahren die Stütze des mobilen Gewerbes. Mittleres Management, Handelsreisende und Handwerker spulten ihre Kilometer mit dem Mittelklasse-Modell von Volkswagen ab. Drei Viertel aller Passat dieser Baureihe sind ehemalige Dienstwagen. Jetzt ist der Bestseller seiner Klasse in den mittleren Jahren. Heißt: 2014 lief die Produktion der fünften Passat-Generation aus, damit sind inzwischen alle Autos aus dem Leasing und aus Fuhrparks entnommen und im zweiten Markt. Das spiegelt auch der Bestand wider: Die Mehrheit der angebotenen Passat-Gebrauchtwagen hat weit über 100.000 km auf dem Tacho. Willst Du einen kaufen, solltest Du also genau auf den Zustand achten.


·Gebrauchte Passat B7 mit neuem TÜV gibt es ab etwa 4500 Euro. Dabei handelt es sich um Autos mit sehr hohem Tachostand +250.000 km.


·Auch solche Langstrecken-Dienstwagen können gut sein: Sie wurden regelmäßig nach Scheckheft gepflegt, die Motoren sind sehr solide.


·Für ein Auto mit weniger als 150.000 km sind mindestens 6500 Euro fällig.


·Kombi? Kombi! Der Transporter hat so viel Platz wie kaum ein anderer seiner Klasse. Drei Viertel aller Passat dieser Modellreihe sind Variant, Limos sind teurer.


·Technisch kannst Du beim B7 nicht viel falsch machen: Die Baureihe ist nur ein Facelift des B6, wird also seit 2004 produziert. Die Technik ist ausgereift.

Selten: Nur ein Viertel aller Passat wurde als Limousine bestellt


Keine Experimente: Volkswagen hat den Passat 2010 nicht komplett neu entwickelt, sondern lediglich die bewährte Baureihe B6 (2005-2010) erneuert. Das bedeutet für Dich: Die Technik ist zwar relativ alt, aber weitestgehend ausgereift. Während die Preise inzwischen stark gesunken sind, ist die Ersatzteilversorgung voll auf der Höhe. Sogar im Design kommt der B7 anspruchsvollen Gebrauchtwagenkäufern entgegen: Das Modell trägt bereits das aktuelle VW-Markendesign mit dem breiten Kühlergrill, der sich von einem bis zum anderen Scheinwerfer zieht.


Ausstattung


Der Passat hat einige tolle Assistenten an Bord, von denen auch viele bestellt wurden – schließlich waren es oftmals Firmenwagen, da leistete man sich Verkehrszeichenerkennung, Fernlichtautomatik, Rückfahrkamera, LED-Scheinwerfer, elektronische Parkbremse, Müdigkeitswarner, Klimaautomatik. Achtung: Präzisions-Elektronik wie die Verkehrszeichenerkennung funktioniert nicht immer verlässlich. Klimaanlage ist immer Serienausstattung.

Funktional und nüchtern: VW macht auch beim Passat-Cockpit keine Design-Experimente, sondern platziert alles dort, wo es hingehört


Wir empfehlen die LED-Scheinwerfer: In dieser Epoche war das noch selten, die Sicht gerade an düsteren Tagen ist merklich besser. Der Distanz-Tempomat ACC regelt den Abstand zum vorausfahrenden Auto per Radar und bremst dann sogar selbsttätig, wenn der Vordermann verzögert – sehr komfortabel, aber auch einschläfernd. Tipp: Wenn Du noch mehr Platz brauchst, schau nach einem Kombi mit klappbarer Beifahrersitzlehne. Dieses Feature erlaubt den Transport extrem langer Ladung bis 2,50 Meter.


Mehr Platz an Bord


Tatsächlich ist die Überarbeitung mehr als ein bloßes Facelift, vieles wurde verändert und verbessert. Sogar den Radstand hat VW vergrößert, so dass Du und Deine Mitfahrer in den Genuss von sehr viel mehr Platz im Verhältnis zum Vorgänger kommen. Auch hinten können Erwachsene sich einigermaßen ausstrecken. Wie der Vorläufer hat auch der B7 Technik an Bord, die vom Golf 6 übernommen wurde. Das betrifft das Fahrwerk, viele Teile im Innenraum, aber auch die quer eingebauten Motoren (bringt ebenfalls mehr Platz im Fahrgastraum). Auch hinten passt mehr rein: Der Kombi, Variant genannt, kann bei umgeklappten Rücksitzlehnen bis zu 1731 Liter Gepäck laden – fast zwanzig Prozent mehr als das T-Modell der Mercedes-Benz C-Klasse W204.

Der Kofferraum vom Passat Variant ist riesig. Der A4 Avant der parallel gebauten Generation B8 fasst gut 20 Prozent weniger Ladung


Für einen Passat dieser Generation mit neuer HU zahlst Du ab 4500 Euro – dafür bekommst Du einen Kombi „Variant“ mit 250.000 und mehr km, der aber zumeist gut gepflegt ist. Limousinen sind im Schnitt 2500 Euro teurer – sie haben dafür zumeist einen deutlich niedrigeren Tachostand.


Sondermodelle


CC: Einen Abstecher in die Oberklasse versucht Volkswagen mit dem Comfort-Coupé (CC). Der halbwegs elegante Fünftürer hat natürlich einen typischen Nachteil: Seiner Form wird Funktionalität untergeordnet, und damit haben sowohl Passagiere als auch Gepäck erheblich weniger Platz als im Plattform-Bruder Passat. Der CC ist selten; aktuell werden weit unter hundert Exemplare zum Kauf angeboten. Die Preise beginnen bei etwa 8500 Euro für zehn Jahre alte CC. Wenig überraschend: CC haben weit weniger Laufleistung, oft unter 120.000 km.


Alltrack: Einen Allrad-Passat gibt es auch, er heißt „Alltrack“ uns ist sogar begrenzt geländegängig. Über eine Taste im Cockpit aktivierst Du die Allrad-Funktion, dann werden ABS, Bergabfahrhilfe und das Getriebe in einen Offroad-Modus versetzt. Reicht nicht für tiefen Modder, aber sandige Waldwege sind dann kein Problem mehr. Und dank der drei Zentimeter höheren Bodenfreiheit setzt Du auch in tiefen Spurrillen nicht so leicht auf. Alltracks sind selten: Nur 20 Prozent aller aktuell angebotenen Passat haben Allrad (die meisten sind Kombis), ab etwa 8500 Euro findest Du welche.


Motoren


Der ADAC lobt grundsätzlich den niedrigen Verbrauch der Konstruktion, was natürlich überwiegend den Motoren zu verdanken ist. Die Diesel haben allerdings einen Nachteil: Sämtliche Selbstzünder im Passat B7 sind Leistungsstufen des EA189, also des berüchtigten Schummeldiesel. Die in dem Motor installierte Abschalteinrichtung sorgte dafür, dass der Motor nur auf dem Prüfstand wirklich sauber lief. Als dieser Betrugsversuch in den USA entdeckt wurde, musste VW sämtliche Diesel dort zurückkaufen. In Deutschland wurden lediglich Software-Updates durchgeführt. Der EA189 ist kein schlechter Motor, doch über die Ergebnisse des Software-Updates sind widersprüchliche Aussagen getroffen worden. Vielfach ist von höherem Verbrauch und niedrigerer Leistung die Rede. Die Lebensdauer scheint bisher nicht beeinträchtigt zu sein; derzeit sind viele Diesel mit hoher Laufleistung auf dem Markt. Wir raten zum mittleren Diesel mit 140 PS, der im Alltag rund 6,3 Liter auf 100 km verbraucht. Die Endgeschwindigkeit beträgt bis zu 213 km/h (Werksangabe). In der Konfiguration „Blue TDI“ (gebaut 2011-14) erreicht der Motor die Emissionsklasse Euro 6. Die anderen Diesel schaffen nur Euro 5.

Auch die Turbobenziner, bei Volkswagen TSI genannt, sind relativ sparsam. Der kleinste Benziner 1.4 TSI mit 122 PS (gebaut 2010-14) beschleunigt in minimal 10,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und verbraucht im Alltagsverkehr rund 7,7 Liter auf 100 km. Mit 211 PS starkem Zwei-Liter-Benziner schafft der Passat den Sprint in 7,6 Sekunden, benötigt aber im Realverbrauch durchschnittlich 9,2 Liter.


Tipp: Auch mit umweltfreundlichem und billigem Erdgas gibt es den Passat. Er heißt dann „Ecofuel“ und hat 150 PS. Der Verbrauch liegt bei 5,1 Kilogramm auf 100 km – bei einem Preis von 1,10 Euro pro Kilo verblüffend günstig. Allerdings sind Erdgas-Passat sehr selten.


DSG: Angetrieben ist der Passat – anders als Mercedes und die BMW 3er an den Vorderrädern. Die Hälfte aller angebotenen B7 hat Automatik, mit der damals neuartigen Doppelkupplung zum DSG („Direktschaltgetriebe“) kombiniert. Tipp: Doppelkupplungsgetriebe gelten zwar als Killer-Applikation, die Automatik endlich sparsam macht. Aber lass Dich nicht täuschen: Mit DSG-Automatik schluckt Dein Passat immer noch ein bisschen mehr. Und diese Technik hat Nachteile: Die Motorbremse kannst Du vergessen, entsprechend verschleißen die Bremsen bei sportlicher Fahrweise schneller. Und: Der viel beklagte „Gummiband-Effekt“, der das Auto verzögert auf Deinen Fahrbefehl am Gas reagieren lässt, ist gewöhnungsbedürftig. Auch neigt das DSG zum Ruckeln – willst Du das reparieren, wird es teuer. Daher empfehlen wir Dir einen guten, alten Schaltwagen.


Mängel


Der Passt ist im Großen und Ganzen eine ausgewogene Konstruktion. Zwar hat VW aus Kostengründen das Fahrwerk einfacher ausgelegt als im Vorgänger, doch der Fahrkomfort ist gut. Allerdings macht sich bemerkbar, dass der Passat gegenüber dem Spender Golf ein um rund 200 Kilogramm höheres Leergewicht hat: Das Fahrwerk verschleißt relativ schnell, moniert die TÜV-Statistik. Zum Teil mag das an den überwiegend hohen Laufleistungen der VW-Mittelklasse liegen.


Auch der hohe Bremsenverschleiß ist laufleistungsbedingt. Allgemein der Bodengruppe, vor allem den Antriebswellen, Federn und Dämpfern sollte Deine Aufmerksamkeit gelten. Besonders anfällig: die hintere Lagerung des vorderen Querlenkers und die vordere Lagerung des hinteren Längslenkers. Einen Passat solltest Du gründlich prüfen. Vorsicht: Auch Leasing-Rückläufer können einen manipulierten Tachostand haben. Prüfe also das Scheckheft, vergleiche den dokumentierten Kilometerstand mit Rechnungen und HU-Berichten.

Rost ist bisher beim B7 nicht beobachtet worden. Auch der Auspuff hält gut, Ölverlust kommt bei älteren Modellen vereinzelt vor. Ein frisch gereinigter Motor ist verdächtig.


Fazit


Wer ein Budget von unter 10.000 Euro hat, viel Platz für Ladung und/oder Passagiere braucht und damit auch weit und häufig fahren will, hat mit dem B7 ein Auto der Vernunft: Großserientechnik, die langstreckentauglich und alltagssicher ist – noch nicht zu sehr in die Jahre gekommen, aber schon günstig genug für kleines Budget. Dennoch darfst Du nicht übersehen: Der Passat B7 ist eine 15 Jahre alte Konstruktion, somit nicht mehr auf dem aller neuesten Stand. Und je älter ein Gebrauchtwagen wird, desto wichtiger ist die permanente Pflege. Dann wird Dein Passat mit Dir zigmal um die Welt fahren, wie ein Blick in die aktuellen Verkaufsanzeigen zeigt: Es werden gut gepflegte Modelle mit über 300.000 km zu vergleichsweise stattlichen Preisen angeboten. Also, worauf wartest Du noch?


Alternativen


Für den Passat gibt es Alternativen, die es aber schwer mit ihm aufnehmen können. Der Audi A4 B8, vierte Generation der Mittelklasse, wurde 2007-2015 gebaut. Auf dem Gebrauchtwagenmarkt gibt es zehn Jahre alte Exemplare ab etwa 5500 Euro. Die erste Generation des Opel Insignia (2008-2017) kostet gebraucht ab etwa 3800 Euro.

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Roland Wildberg

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