Kaufberatung VW T5 Bus

Roland Wildberg

10 März. 2021

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Dieser Bulli ist ein Buddy – und manchmal auch ein Bandit

(Fotos: VW)


Nach dem Erfolgsmodell T4 hat sich VW selbst übertroffen und mit dem T5 ein größeres und praktischeres Bus-Modell aus dem Hut gezaubert. Es hat auch eine begeisterte Fan-Gemeinde gefunden, und das ist sein Problem: Der VW-Bus ist zu einem Statussymbol geworden, und das hat seinen Preis. Nicht nur um den praktischen Kasten zu kaufen, sondern auch für den Unterhalt wirst Du viel Geld los. Außerdem besteht – wie immer bei Kultautos – die Gefahr, dass Du vor lauter Begeisterung Macken und Mängel übersiehst. Bleib’ also wachsam.


• Gebrauchte VW-Bus T5 mit neuer HU gibt es ab 4000 Euro – stark abgenutzt. Für Modelle bis 150.000 km zahlst Du ab etwa 10.000 Euro


• Kaufe besser keinen T5 mit sehr hoher Laufleistung (>200.000 km). Die Motoren sind nicht sehr langlebig, gehen leider zu früh kaputt


• Du kaufst am besten einen Diesel. Benziner sind sehr selten und verbrauchen weit über zehn Liter auf 100 km


• Die meisten T5 auf dem Gebrauchtwagen-Markt haben schon viel hinter sich. Rechne also mit hohen Laufleistungen und Verschleiß


• Prüfe vor allem das Fahrwerk penibel: Der Bulli wiegt leer rund 2,2 Tonnen, das drückt stark aufs Fundament


Große Modellvielfalt beim T5


2003 kam das Modell auf den Markt und wurde bis 2015 gebaut. Dann kam der T6, der ist allerdings auch nur ein etwas größeres Facelift vom T5. Und der aktuelle T6.1 stellt sich kaum anders dar. Seit 18 Jahren baut VW also (auf) die alte Plattform. Offenbar gibt's da nicht mehr viel zu verbessern. Und das zeigen auch die Zulassungszahlen, aktuell sind fast 300.000 T5 in Deutschland unterwegs.

Handwerkers guter Kumpel: Der T5 ist wie jeder Bus für viele Gewerbetreibende interessant – das heißt für Dich, dass viele gebrauchte Bullis abgenutzt sind


Viel Platz: Der T5 stellt alles, was VW bisher als Bus verkaufte, in den Schatten. Er überragt den Vorgänger um fast 20 Zentimeter in der Länge, um sechs in der Breite und um acht im Radstand – ist aber nicht höher. Das bedeutet in Kurzform: So viel Platz wie noch nie, aber auf übersichtlicher Fläche. Der T5 passt nicht nur in jedes Parkhaus (bis rund zwei Meter Kopffreiheit), sondern lässt sich manövrieren wie eine gute Mittelklasse. Mit Servo rangierst Du problemlos, die Schaltung flutscht wie von selbst. Zugleich genießen Fahrer und Besatzung den großen Überblick, der souverän macht: Große SUV wirken aus dem Fenster eines T5 wie Kleinwagen.


Die Varianten können verwirren: Den T5 gibt es als Transporter, dann hat er hinten keine Fenster (und natürlich auch keine Sitzbänke). Dich werden mehr die Bus-Versionen interessieren. Sie heißen je nach Ausstattung Caravelle oder Multivan. Der Caravelle ist die Einstiegsversion zu relativ niedrigen Preisen, der Multivan die Posh-Variante. Willst Du campen, schaust Du nach California-Modellen, die serienmäßig ein Hubdach, eine Campingbox mit Kühlschrank und Gasherd sowie zahlreiche Staufächer an Bord haben. Sie sind aber auch sehr teuer: Einen gebrauchten California bekommst Du nicht unter 15.000 Euro.

Die Schiebetür rechts hat jeder T5, gegen Aufpreis gab es eine elektrische Schließvorrichtung, aber die ist sehr selten

Modellvarianten: Der Caravelle ist die günstigste Version, aber auch selten. Unter 20 Prozent der aktuellen Gebraucht-Bullis sind Caravelle. Die höherwertige Ausstattung Multivan ist populärer, etwa die Hälfte aller gebrauchten T5 gehören dazu. Allerdings gab es viele Sondermodelle, was die Orientierung erschwert. Klimaanlage haben die meisten. Bist Du mit großer Besatzung auf der Langstrecke unterwegs, solltest Du auf einen zweiten Klimaanlagen-Verdampfer im Fahrgastraum achten. Der ist bei den einfachen Modellen nicht serienmäßig – frag’ am besten beim Verkäufer nach.


Grundsätzlich solltest Du möglichst wenig Vorauswahl treffen, dann ist das Angebot größer.


Motoren


Es gab im Laufe der zwölf Baujahre viele Motoren, vom Vier- über den Fünf- bis zum Sechszylinder. Achtung: Erst ab 2006 war der Partikelfilter serienmäßig an Bord. Die alten Diesel kommen somit in keine Umweltzone. Ab dem Facelift 2009 haben dann alle Diesel Euro 5.


Die beste Wahl ist einer der Zwei-Liter-Turbodiesel, zum Beispiel der mit 114 PS. Er beschleunigt in rund 17 Sekunden von 0 auf 100 km/h – nicht gerade ein Renner, aber beim Verbrauch noch moderat: Rund acht Liter auf 100 km im Alltag.

Der T5 ist noch mehr als sein Vorgänger ein ganz schöner Klotz – richtig sparsam fährst Du ihn nie auf der Autobahn, die mittleren Turbodiesel liegen bei 8 Liter


Empfehlenswert ist auch der Fünfzylinder 2,5 TDI mit 130 PS, er verbraucht im Alltag rund 9,3 Liter. Wermutstropfen: Er wurde nur bis 2009 gebaut, schafft allerdings – wie alle Diesel im T5 bis 2009 – nicht die Abgasnorm Euro 5, selbst die späten mit Partikelfilter erreichen nur Euro 4. Erst nach dem Facelift 2009 wurden die Motoren sauberer. Wenn Du also Umweltzonen ansteuerst, musst Du einen Diesel nach dem Facelift 2009 kaufen.


Die kleinen Diesel unter 100 PS sind für Langstreckenfahrten wenig empfehlenswert, weil sie auf langen Steigungen mit vollgeladenem Bus an ihre Grenzen stoßen. Es sind übrigens sämtlich Abkömmlinge von EA189, dem „Schummeldiesel“ von VW, allerdings nach dem Software-Update offiziell „reingewaschen“. Empfehlenswert ist der 130 PS starke mittlere Vierzylinder, er verbraucht nur 8,5 Liter im Alltag. Für einen Facelift-T5 musst Du natürlich (noch) mehr hinlegen: Erst ab 10.000 Euro gibt es Exemplare mit neuem TÜV.


Warnung: Hände weg vom Biturbo mit 180 PS, denn der trägt das Unheil in sich. Eine fünfstellige Zahl von Exemplaren hat bereits einen Motorschaden gehabt, Ursache ist der Kühler der Abgasrückführung (AGR-Kühler): Winzige Teile davon lösen sich und gelangen in den Motor, wo sie für hohen Verschleiß sorgen, oft ist schon vor 100.000 km das Aggregat im Eimer. Außerdem entwickelt der Biturbo beträchtlichen Öldurst, kann bis zu zwei Liter auf 1000 km schlucken.


Wichtig bei den frühen Dieseln (bis 2009): Haben sie Startschwierigkeiten, solltest Du vorsichtig sein und die Technik genauer überprüfen. Oft gibt es Defekte in der Kraftstoffanlage. So verschleißen die Injektoren für die Diesel-Einspritzung relativ früh, das kann bis zum Motorschaden führen, wenn unkontrolliert Sprit in den Brennraum läuft, sich zum falschen Moment entzündet und Löcher in die Kolben brennt. Auch wird häufig berichtet, dass Teile der Zylinderbeschichtung absplittern und über den Ölkreislauf die Motorlager beschädigen.

Es gibt fast keine Benziner, denn die haben mit dem zwei Tonnen schweren Brikett ihre Mühe: Über die gesamte Motorenpalette liegt der Durchschnittsverbrauch bei zwölf Liter auf 100 km. Wenn Du wenig Kilometer schrubbst, den Bulli also vor allem zum Personen- oder Warentransport brauchst, ist ein Benziner vielleicht die bessere Wahl.


Qualität


Der Bus hat einen gefühlten Vorteil: Er ist das Original, alle anderen die (schlechte) Kopie. Vom Ruhm der Hippie-Kutsche und des Surfer-Bus zehrt der T5 noch heute. Mit anderen Worten: Bulli ist Kult. Und genau darin liegt die Gefahr: Das gute Gefühl kann leicht den klaren Blick auf Mängel und Probleme trüben. Im Fall des T5 heißt das: Er hat Schwächen, die nicht so ganz zum Ruhm der Baureihe passen.


Und: Die Unterhaltskosten sind hoch, VW-Teile und vor allem der Service kosten. Kurz gesagt: Der Bulli kann auch mal zum Banditen werden, der Dir das Geld aus der Tasche zieht! Eine neue Lichtmaschine zum Beispiel kostet ab 250 Euro, ein Kupplungssatz ab 180 Euro, ein Satz Bremsscheiben ab 210 Euro, ein Endschalldämpfer ab etwa 120 Euro.


Die meisten T5 auf dem Markt haben außerdem harte Arbeitseinsätze hinter sich, entsprechend hoch ist der Kilometerstand. Weniger als ein Fünftel der gebrauchten T5er im Angebot sind unter 100.000 km gelaufen. Nicht immer hält die Pflege damit Schritt, daher solltest Du den Bulli Deiner Wahl gründlich prüfen. Am besten, Du kaufst ein Exemplar mit Service-Heft – das Du zuvor gründlich geprüft hast. Wurden alle Inspektionen gemacht? Sind alle Rückrufe (es gab einige) eingetragen? Rost kann auch bei jüngeren Exemplaren ein Thema sein. Das betrifft die Radläufe, den Rahmen der Windschutzscheibe (auch unter die Gummis schauen) und die Motorhaube (Tipp: Prüfe die Ecken von unten).

Berüchtigt sind die Schiebefenster, sie können undicht werden und müssen mitsamt Dichtung aufwändig ausgetauscht werden. Das Großformat des T5 hat bei der Besichtigung Vor- und Nachteile: Du kannst mit etwas Geschick sogar unter den Wagen krabbeln, ohne ihn aufzubocken – aber Du brauchst auch Zeit und Gelenkigkeit, um Dir das komplette, riesige Auto sorgfältig anzuschauen.


Dazu gehört unbedingt das Fahrwerk: Der 2,2 Tonnen schwere Bulli drückt heftig auf den Unterbau, daher sind vergleichsweise häufig die Antriebswellen, die Kupplung, Federn, Traggelenke und Lager marode. Damit ist der Bulli zwar noch keine Montagskonstruktion, doch er ist eben auch kein Dauerläufer wie sein Vorgänger T4, der locker 300.000 und mehr Kilometer mit ein- und demselben Antriebsstrang und Chassis absolviert. Die TÜV-Prüfer stellen bei Modellen mit hohen Tachoständen sehr häufig abgenutzte Bremsscheiben und verschlissene Bremsschläuche fest.


Alternativen


Alle wollen ihn – und übersehen dabei Alternativen, die günstiger und jünger sind. Zum Beispiel den Ford Transit der sechsten Generation, gebaut von 2006 bis 13. Gebraucht gibt’s über 200 Transit mit neuer HU ab 3500 Euro. Für einen wenig gelaufenen Ford-Bus (<150.000 km) zahlst Du einen Tausender mehr.


Auch der Mercedes Vito (2003-14) ist ein attraktiver Bulli-Ersatz. Allerdings ist er recht rostanfällig, hier musst Du gründlich prüfen, auch von unten. Knapp 250 Stück mit frischem TÜV werden aktuell angeboten. Ab 4000 Euro wirst Du fündig.


Fazit


Der Bulli ist auch in fünfter Generation der gute Kumpel für die langen Touren und die schweren Fuhren. Aber so robust und verlässlich wie der T4 ist er nicht mehr, und daher solltest Du sehr bedächtig und kritisch vorgehen, wenn Du einen auf dem Gebraucht-Markt suchst. Im Übrigen: Auch die Konkurrenz baut funktionale Busse. Die sind vielleicht nicht besser, aber aufgrund des fehlenden Kultfaktors billiger.

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Roland Wildberg

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