Kommentar: Die Autowelt wird eine neue sein

Waren früher Angaben wie PS, Drehmoment, Alufelgen und von 0 auf 100 km/h die Werte, nach denen Autos gemessen wurden, ist es zunehmend das neuste Software-Feature, was über den Verkaufserfolg eines neuen Modells entscheidet.

(Bild: Audi)


„Wir müssen das Auto neu erfinden“, sagte Ex-Daimler-Chef Dieter Zetsche. Und das passiert gerade. Automobile mutieren mehr und mehr zu rollenden Rechnern und sind zunehmend „connected“. Bis Ende dieses Jahres sollen die Autos, die weltweit „over the air“ mit der aktuellen Softwareversion auf den neusten Stand gebracht werden, eine Million beantragen. In sieben Jahren sollen es bereits 33 Millionen sein. Das softwaredefinierte Fahrzeuge können vom Fahrer mit Features jederzeit getunt werden, konstatiert das Fachblatt „Dossier B“.


Das neu erfundene Auto hat gute Seiten. Denn der, der gerade im Fahrzeug sitzt, bestimmt, was das Fahrzeug kann oder nicht. Die positivste Auswirkung dieses Trends wird die Sicherheit sein. Zum Beispiel, wenn das Auto erkennt, dass die ein oder andere Fahrsituation zum Unfall führt und daraufhin regulierend eingreift.


Doch der Tanz um das Goldene Kalb der Konnektivität hat auch Schattenseiten. Die Daten werden zur Achillesferse. Was, wenn „böse Buben“ diese abfangen und für kriminelle Zwecke missbrauchen, Big Brother nun dein Bewegungsprofil jederzeit abrufen kann oder die Verbindungen abreißen?


Neben den Innovationen sind das die Probleme, die die Autoindustrie mit einem Heer von Software-Experten bewältigen will. Die klassischen Entwickler werden als Stars bei den Herstellern von IT-Fachleuten abgelöst, denen PS oder Ansprechverhalten völlig schnuppe sind. Den neuen Göttern geht es um das Zusammenspiel unter den Autos im Kontext mit der Umgebung und der Infrastruktur.


„Das Automobil der Zukunft wird das ultimative mobile Gerät sein“, bringt es „Dossier B“-Chefredakteur Peter Carl auf den Punkt. Der Rechner auf Rädern fährt uns auf der schnellstmöglichen Strecke zum Termin, den das Fahrzeug vom elektronischen Kalender entnommen hat. Das Auto umgeht Staus, hält den gebotenen Abstand zum vorderen Wagen und übernimmt das lästige Fahren, während der Halter bequem Zeitung liest.


Aber ist das, was wir wollen? Geht es uns, wenn wir Autos mögen, nicht um den erotischen Moment des Cruisens in schöner Landschaft, um das Segeln durch Kurven auf der Ideallinie oder wie es BMW definiert, um die Freude am Fahren?


Ein Zitat von Thilo Koslowski, ehemals Gründer und Chef der Porsche Digital GmbH, tröstet uns Autofans ein wenig: „Bezieht man dies alles auf die Gesamtheit der Automobilwelt, dann könnte die digitale Erweiterung sogar für eine Renaissance des Automobils sorgen.“


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