Kommentar: Immer auf die Autofahrer

Auf der Verkehrskonferenz des Umweltministeriums in dieser Woche zerbrachen sich die Experten den Kopf darüber, wie man die ambitionierten Klimaschutzpläne Deutschlands erfüllen kann. Dabei spielte der Verkehr auf deutschen Straßen mal wieder die Rolle des bösen Buben.

(Foto: Deutsche Bahn)

 

Dirk Messner, Chef des Umweltbundesamtes, bezeichnete in seiner Rede den Individualverkehr als „großes Sorgenkind“. Denn der ist laut ihm für etwa 20 Prozent aller Treibhausgasemissionen in Deutschland verantwortlich. Und: „Die Tendenz ist in diesem Bereich steigend“, so Messner. Der Autoverkehr sei der einzige Sektor, „in dem der CO2-Ausstoß zwischen 1990 und 2019 nahezu stagnierte“. Alle anderen Bereiche hätten ihren Ausstoß um mindestens rund 20 Prozent im selben Zeitraum gesenkt.

 

Damit der Autoverkehr in Zukunft dazu beitragen könne, sei die Elektrifizierung der Fahrzeuge richtig und nötig, aber nicht ausreichend: „Am Ende des Tages werden wir damit nur 50 Prozent dessen, was wir erreichen wollen, wenn wir den Nullklimapfad bis 2045 verfolgen, in diesem Bereich erzielen“, so der Chef des Bundesumweltamtes. „Der andere Bereich liegt im Feld des Verkehrssystems selber.“

 

Die Wege zum Ziel sind nach Messners Ansicht Verkehrsvermeidung und Verkehrsverlagerung insbesondere auf die Schiene. Dazu muss man wissen, dass als Gastgeber auch die Allianz Pro Bahn am Tisch saß. Da war klar, dass Martin Burkert, Vorsitzender der Allianz pro Schiene und stellvertretender Vorsitzender der Eisenbahn- und Verkehrsgewerkschaft, ins selbe Horn stieß: „Zu viel Geld ist jahrelang in die Autobahnen geflossen und zu wenig in die Infrastruktur der Schiene.“

 

Um es klar zu sagen: Dass das so ist, ist nicht die Schuld des Autofahrers, sondern die des mangelnden Mobilitätsangebots der öffentlichen Verkehrsmittel. In Deutschland pendeln rund 18 Millionen Menschen täglich zur Arbeit und die brauchen ein bedarfsgerechtes Angebot. Laut der ADAC-Studie „Mobil auf dem Land“ fühlen sich dabei etwas 60 Prozent der Menschen in ländlichen Regionen in Sachen Mobilität unterversorgt. Wer dennoch die Bahn nimmt, muss mit Verspätungen und Ausfällen täglich rechnen. Veraltete Waggons und eine sensible Sicherheitssituation sind der Alltag.

 

Um die Schiene als akzeptierte Alternative auszubauen, muss Pünktlichkeit, Taktung und Modernität der Bahn besser werden. „Auch die Züge selbst müssen dazu beitragen, zum Beispiel mit Angeboten wie zu Fitnessstudios, umgerüstete Abteile oder Duschen“, schlug Corinna Salander, Direktorin des Deutschen Zentrums für Schienenverkehrsforschung, auf der Konferenz vor.


Wenn eine Klimawende mithilfe des Verkehrssektors geschafft werden soll, muss der Mensch aber nicht nur ein Angebot haben, sondern auch überzeugt werden. Dafür sollten die staatlichen und kommunalen Planer die Betroffenen mitnehmen. Darüber hinaus wäre es bei solchen Konferenzen ratsam, aktuelle Daten zu zitieren. Pardon Herr Messner, aber ihre zitierten Werte, die den Zeitraum 1990 und 2019 erfassen, sind nicht die jüngsten. Das hat sich in den vergangenen zwei Jahren doch sehr geändert. Und das liegt nicht nur am praktizierten Homeoffice durch Corona, sondern auch an den zunehmenden umweltfreundlicheren Antrieben.

 

Und eines wird die Bahn nie schaffen. Das ist die Freiheit, mich zu jeder Zeit ins Auto zu setzen und loszufahren.

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