Kommentar: Milliarden Steuern für die Autobranche

Dass sich die deutsche Autoindustrie derzeit großen Herausforderungen stellen muss, war Thema auf dem sechsten Autogipfel. Denn aufgrund der Priorisierung der Regierungen auf E-Mobilität müssen die hiesige Autobranche bedeutend mehr investieren, sonst droht sie den Anschluss zu verlieren. Doch dadurch wird es finanziell eng. Nun helfen die Steuerzahler.

Damit die Lichter in Deutschland Produktionsstätten nicht ausgehen, öffnet die Regierung die öffentlichen Kassen - auf Kosten der Steuerzahler. Der Staat pumpt Milliarden in die deutsche Autoindustrie, um die technologische Pool-Position zu erhalten, die unter anderem durch die Fokussierung auf E-Antriebe gefährdet ist. Intolerante Haltungen gegenüber anderen Alternativen kennzeichneten lange den politischen Aktionismus. Jetzt sollen es Steuergelder wieder gut machen.

 

Die asiatische Autobranche wusste die Situation zu nutzen und machte ordentlich Tempo. Laut einer Studie der Unternehmensberatung PwC drohen diese Autozulieferer derzeit die angestammten Unternehmen Europas und vor allem Deutschlands zu überholen. Nach Berechnungen der PwC-Experten konnten sie ihren Weltmarktanteil im vergangenen Jahr auf 43 Prozent ausbauen.

 

Ebendas stellt die Deutschen neben dem Umsatzverlust durch die Corona-Krise vor eine weitere schwere Aufgabe. Lösungen müssen aber vorfinanziert werden. Dafür braucht es Geschäft. Im Pandemie-Jahr 2020 fielen jedoch die Umsätze der deutschen Zulieferer um elf Prozent auf 199 Milliarden Euro. Ein Minus, dass ausgeglichen werden muss, doch bei der Forschung darf nicht gespart werden.

 

Zwar investieren deutsche Unternehmen laut PwC mehr mit 6,1 Prozent ihres Umsatzes in Forschung und Entwicklung (FuE) mehr als ihre Wettbewerber. Das reicht offenbar nicht, um neben der radikal von oben verordneten Umstellung auf E-Mobilität nun auch noch die Digitalisierung zu beschleunigen. Doch auf dem Gebiet entscheidet sich die Zukunft. Denn ohne Algorithmen kein autonomes Fahren und keine intelligenten Assistenzsysteme. Themen, die nicht nur für mehr Verkehrssicherheit, sondern auch für mehr Geschäft sorgen.

 

Aber die enormen Entwicklungskosten knabbern an den Rücklagen vor allem kleiner und mittelständischer Unternehmen, die immer noch Deutschlands wirtschaftliches Rückgrat sind. Das soll mit Steuergeldern geändert werden. Nach dem Autogipfel rechnete der Wirtschaftsminister Peter Altmaier vor, dass durch den sogenannten Zukunftsfonds 340 Millionen Euro für regionale „Transformationsnetzwerke“ gepumpt werden, um Protagonisten in Clustern zusammenzubringen, damit die Strategien entwickeln. Wenn die Unternehmen die aber bisher noch nicht hätten, sähe es tatsächlich zappenduster aus.

 

Rund 320 Millionen Euro sollen nach dem Willen der Bundesregierungen die Umstellungen der Produktion für E-Antriebe und Brennstoffzellen unterstützen. Geld gibt es auch für die Weiterbildung. Denn durch die Transformation verlieren mehrere Zehntausend ihren Job am Band. Und die müssten sich am besten in IT-Spezialisten verwandeln. Denn die sind gesucht. Ob das funktioniert, bleibt abzuwarten.

 

Ein Tagesordnungspunkt auf dem sechsten Autogipfel war aber die Ladeinfrastruktur, die nach allgemeinem Bekunden der Autoindustrie nicht schnell genug ausgebaut wird. Dazu hatte Noch-Verkehrsminister Andreas Scheuer ausnahmsweise mal ein paar Hausaufgaben vor dem Gipfel erledigt. Ab Ende August können Kommunen, Unternehmen und Privatpersonen Fördergelder beantragen, um das Netz zu verdichten. Laut Angaben von Scheuer verdanken wir schon jetzt jede vierte Ladestation der staatlichen Sponsoringaktivitäten. Jetzt legt das Verkehrsministerium noch einmal 500 Millionen auf dem Steuertopf drauf. Davon wandern 190 Millionen Euro in die Installation von etwa 18.000 weiteren öffentlichen Ladepunkten. Dadurch verliert Deutschland immerhin nicht in dem Punkt den globalen Anschluss. Aber der heimischen Autoindustrie hilft das nur sehr minimal. Denn an den Ladesäulen parken auch Teslas oder andere ausländische Fabrikate.

 

Das Problem des weltweiten Stellenwertes unserer einstigen Vorzeigeindustrie kann Geld nicht lösen, sondern eine vorausschauende Teamarbeit von Autoindustrie und Politik, die es mit Augenmaß versteht, die Zeichen der Zeit profitabel zu deuten. Das kann man mit Geld nicht erreichen, da braucht es Verstand. Und der ist nun mal nicht zu kaufen.


(Bildquelle: Audi)

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