Kommentar: Mitbestimmung contra Machtspiele bei VW

Die Wechsel von Betriebsratschef Bernd Osterloh auf die Arbeitgeberseite entbehrt nicht einer gewissen Ironie.

Volkswagen ist das Lehrbeispiel, was das gut gemeinte Mitbestimmungsgesetz aus der Ära Helmut Schmidt für Konsequenzen haben kann. Die Macht der Betriebsräte bei Volkswagen hat mitunter seltsame Auswüchse.


So werden teilweise ab 18 Uhr die Telefone und Mailkonten der tariflichen Mitarbeiter abgeschaltet, Überstunden sind nur mit vorheriger Anmeldung bei der Arbeitnehmervertretung und in Ausnahmefällen möglich. Eine oft notwendige Umstrukturierung von Abteilungen gilt häufig als zu kompliziert, weil der Betriebsrat dann möglicherweise mitsprechen möchte. Eine Entlassung eines auch noch so unfähigen Mitarbeiters kommt einem Marathonlauf für die Verantwortlichen gleich. Da wird schon einmal gerne wegversetzt, damit der Betriebsrat nicht auf der Matte steht.


Wie ist das möglich? Die stärkste Waffe des Betriebsrats sind die seit 1976 gesetzlich garantierten Posten im Aufsichtsrat. Laut Regelung müssen die Hälfte der Aufsichtsratssitze von der Arbeitnehmerseite besetzt werden. Seitdem wird um der guten Stimmung willen im Gremium gern nach Proporz entschieden, auch wenn die Stimme des Vorsitzenden in einer Patt-Situation doppelt zählt.


Das fürchteten und fürchten die Vorstandsvorsitzenden. Denn sind die obersten Arbeitnehmervertreter nicht ihrer Meinung, kam und kommt es mitunter zum Duell zwischen Arbeitgeber- und Arbeitnehmerlager. Wenn die Betriebsratsvorsitzenden aufmucken, heißt das für die Vorstandsvorsitzenden sehr oft, sie müssen den Schulterschluss suchen. Denn sonst wird der Konflikt zur Krise. Also wird auf Harmonie gespielt.


Das war selbst für einen Hierarchen wie Ferdinand Piëch lästig, sodass man den langjährigen Betriebsratschef Klaus Volkerts mit Lustreisen und Zuwendungen bei guter Laune hielt. Öffentlich zeigt man sich jedoch Seite an Seite. Ein Schelm, der Böses dabei denkt. Blöderweise flog das mit Volkerts aber 2005 auf. Er musste vor Gericht und ist seitdem Persona non grata. Nun verlässt der Nachfolger Volkerts seinen Posten. Bernd Osterloh (im Bild / Quelle: Volkswagen) geht als Personalvorstand zur Volkswagen-Tochter Traton.


Die Versetzung auf die Arbeitgeberseite entbehrt nicht einer gewissen Ironie. Eigentlich ist Osterloh ja reif für die Rente, wird er doch im Herbst 65 Jahre. Zum Schluss seiner beruflichen Laufbahn darf er noch mal ran, um ein Vielfaches besser entlohnt als in seiner bisherigen Position. Nun vertritt er die Arbeitgeberseite in den Verhandlungen mit Betriebsrat und Gewerkschaften.


Wie dem auch sei, Herbert Diess dürfte auf jeden Fall am Freitagabend eine gute Flasche geöffnet haben. Für ihn könnte es im Aufsichtsgremium leichter werden, seine Pläne ohne den pr-präsenten Osterloh umzusetzen. Die Nachfolgerin Daniela Cavallo gilt zwar auch als hart in der Sache, aber offen für sachliche Argumente.

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