Konkurrenz für Mercedes, BMW und Audi: Was kann Genesis?

Mathias Keiber

17 Mai. 2021

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Hyundai bläst mit seiner Premiummarke ab Sommer zur Attacke auf die übermächtigen deutschen Wettbewerber. Kann das gut gehen?

(Fotos: Genesis)


Wenn man als Importeur die Premium-Platzhirsche Mercedes, BMW und Audi auf deren Heimatmarkt attackieren will, dann braucht man das, was Torwart-Legende Oliver Kahn einst von seinen Mitspielern beim FC Bayern München forderte: „Eier, wir brauchen Eier!“ Und davon ziemlich viele.


Kaum ein globales Marktsegment ist so schwer zu knacken wie das für Premium-Autos in Deutschland. Toyota mit Lexus und Stellantis mit DS fristen hierzulande ein Nischendasein. Zusammengezählt blieb der Absatz der zwei Marken im letzten Jahr unter 1000 Exemplaren. Nissans Premium-Ableger Infiniti ist längst wieder vom deutschen Markt verschwunden, Honda hat es mit Acura gar nicht erst probiert. Kein Grund für den Hyundai-Konzern, es nicht trotzdem zu versuchen – unter dem Namen Genesis.


Ob das im digitalen Zeitalter, in dem nichts mehr ohne Suchmaschinen geht, ein sinnvoller Name ist? Das darf in Anbetracht der weltbekannten englischen Rockband, die wiederum nach einem Buch aus der Bibel benannt ist, bezweifelt werden. Andererseits lässt sich Genesis leicht merken.

Diesen Sommer startet der Vertrieb in Europa mit den Modellen G80 und GV80, einer Limousine der oberen Mittelklasse und ihrem SUV-Ableger. Mit dem G80 will Genesis im Revier Mercedes-Benz E-Klasse, BMW 5er und Audi A6 wildern.


Ab knapp 47.000 Euro wird das Modell erhältlich sein – mit hinterradgetriebenem 2,2-Liter-Diesel, der 210 PS leistet und ein maximales Drehmoment von 441 Nm entwickelt. Außerdem wird es einen 2,5 Liter-Turbo mit 304 PS und 421 Nm geben, sowie ein 3,5-Liter-V6-Turbo und 380 PS und 530 Nm.


Alle Motorisierungen sind mit Hinterrad- oder Allradantrieb verfügbar, generell kommt eine Acht-Gang-Automatik zum Einsatz. Zwei Ausstattungsvarianten sind im Angebot, Premium und Luxury (ab 52.800 Euro).


Mit der Einstiegsversion des G80 unterbietet Genesis die Limousinen aus Bayern und Schwaben: den A6 gibt es ab 48.890 Euro, den 5er ab 50.700 Euro, die E-Klasse ab 50.069 Euro. Die Masche ist nicht neu, sie diktiert sich quasi von selbst. Doch ist sie auch erfolgsversprechend? Dafür fehlen die Beispiele. Mercedes, BMW und Audi sind hierzulande nicht allein über den Preis zu schlagen.


Oder doch? Das SUV-Pendant GV80 geht in Europa für etwas mehr als 62.000 Euro an den Star. Für vergleichbare Modelle verlangen Audi (Q7: ab 68.500 Euro), BMW (X5: ab 68.700 Euro) und Mercedes (GLE: ab 71.364 Euro) deutlich mehr. Der GV80 ist also in jedem Fall gut 6000 Euro günstiger. Das ist ein Wort. Die offene Frage: Zählt dieses Wort in dieser Klasse überhaupt noch?

Sagen wir’s mal so: Ein gespartes Monatsgehalt für einen Beamten des höheren Dienstes plus Exotenstatus könnte ein Verkaufsargument sein. Die Sicherheitstechnologie hingegen eher nicht: intelligente Tempomaten, Spurhalte- und Spurwechselassistenten, Pre-Safe-Systeme, Kollisionswarner, Einparkassistenten und Totwinkel-Assistenten sind in Stuttgart, München und Ingolstadt auch verfügbar.


Unterschätzen sollte man Genesis deswegen aber nicht. Anfangs belächelt, ist der koreanische Konzern mit seinen Marken Hyundai und Kia fest im deutschen Markt verankert. Und das vollkommen zurecht, wie Ex-VW-Chef Martin Winterkorn auf der IAA einst bemerkte.


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Mathias Keiber

17 Mai. 2021