40 Jahre Lamborghini Jalpa

Mathias Keiber

18 Nov. 2021

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V8-Motoren gab’s bei Lamborghini auch vor dem Urus. Doch das ist schon ein Weilchen her. Der letzte solche war der Jalpa, der dieses Jahr seinen vierten runden Geburtstag feiert.

Denkt man an Lamborghini, denkt man zunächst vielleicht an V12-Monster wie den Countach. Oder seinen Nachfolger, den Diablo. Zum Beispiel wenn man 1998 eine Playstation I bekam und unentwegt Need for Speed III zockte. Man kann natürlich auch anderweitig von den Markenikonen der italienischen Schmiede aus Sant'Agata Bolognese mitbekommen haben. Sie sind ja bis heute medial ähnlich präsent geblieben, wie es die aktuellen Modelle sind.


Dann gibt es aber auch noch die Lambos, die aus dem öffentlichen Gedächtnis weitgehend verschwunden sind. Zu jenen gehört der Jalpa – ausgesprochen übrigens nicht „Jalpa“, „Schalpa“ oder „Chalpa“, sondern „Halpa“. Wie alle Lamborghinis ist er nach einem Stier, einer Stierrasse oder nach etwas benannt, das mit Stierkämpfen zu tun hat. Im konkreten Fall handelt es sich um die Kampfstierrasse Jalpa Kandachia.

Und kämpferisch, ja, das sollte der Jalpa als Einstiegslevel-Lambo sein. Konzeptionell ging er auf den ab 1973 produzierten Urraco zurück, mit dem Lamborghini im Bereich des Porsche 911 wildern wollte – das aber wegen Verarbeitungs- und Produktionsproblemen nie schaffte. Statt der angepeilten 1000 Exemplare pro Jahr war die Gesamtproduktionszahl 1979 noch immer im einstelligen Bereich. Die 1976 vorgestellte Targa-Version brachte auch keinen Schub. Nur 52 Exemplare wurden davon gefertigt. 1979 war Lamborghini insolvent. Das Überleben der Marke ist dem Countach zu verdanken.


1980 kaufte der damals erst 24-jährige Franzose Patrick Mimran zusammen mit seinem Bruder Jean-Claude die verfallenden Vermögenswerte Lamborghinis für 3 Millionen US-Dollar, 1984 hatten sie die Firma komplett übernommen. Zur Wiederbelebung der Marke sollte es unterhalb des Countach ein neues Modell geben. Doch mangels finanzieller Mittel konnte grundständig kein neuer Sportwagen entstehen. Also wurde der Urraco wiederbelebt und weiterentwickelt. Und das gelang, gewissermaßen jedenfalls. In der Enzyklopädie Automobil wird er als das Auto beschrieben, „das der Urraco von Anfang an hätte sein müssen“.

1981 in Genf vorgestellt, wurde die Ganzstahlkarosserie des Uracco beibehalten. Die echte Neuerung war die finale Evolutionsstufe des komplett aus Aluminium gefertigten 90°-V8-Motors mit vier kettengesteuerten, obenliegenden Nockenwellen. Dank vergrößerter Bohrung auf 3,5 Liter Hubraum, vier Weber-Doppelvergasern des Typs 42 DCNF und einem Verdichtungsverhältnis von 9,2:1 lieferte der Motor eine maximale Leistung von 255 PS bei 7000 U/min und ein maximales Drehmoment von 314 Nm bei 3500 U/min.


Damit sprintete der anderthalb Tonnen schwere Jalpa bis auf 248 km/h. Tempo 100 war laut Hersteller in 5,8 Sekunden erreicht. In damaligen Tests dauerte es aber oft gut eine Sekunde länger. Das US-Medium „Car & Driver“ will 1986 allerdings nach 5,8 Sekunden schon bei einer Geschwindigkeit von 60 mph gewesen sein. Wie dem auch sei. Was der Jalpa definitiv war: Schwerer als die Konkurrenz. Der Ferrari 328 Quattrovalvole wog 200 Kilo weniger (und leistete 15 PS mehr), das zeitgenössische G-Modell des Porsche 911 gar 300 Kilo weniger.

Absatzmäßig konnte der Jalpa mit der Konkurrenz aus Zuffenhausen und Maranello auch nicht konkurrieren. Lediglich 420 Exemplare wurden laut Lamborghini insgesamt gefertigt. Das Auto, das 1982 in Produktion ging, hatte schwarze Stoßfänger und Motorlufteinlässe, horizontale Rückleuchten und 16-Zoll-Leichtmetallfelgen sowie P7-Niederquerschnittreifen von Pirelli. Das Interieur war luxuriös ausgestattet, mit viel Leder und Teppichen. Das aufklappbare Dach ließ sich hinter den Rücksitzen verstauen.

Auf dem Genfer Autosalon 1984 wurde die zweite Serie des Jalpa präsentiert, die einige ästhetische Modifikationen wie Stoßfänger und Lufteinlässe in Karosseriefarbe, abgerundete Heckleuchten und ein überarbeitetes Interieur aufwies. Das kommerzielle Leben des Jalpa endete 1988. Es war der letzte Lamborghini mit V8-Motor. Bis der Urus kam.


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Mathias Keiber

18 Nov. 2021