Lexus NX 300h: Darf’s ein bisschen anders sein?

Arne Roller

20 Mai. 2021

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Lexus' Hybrid-SUV setzt sich nicht nur wegen seines Antriebs von der deutschen Konkurrenz ab. Wir zeigen, was der nicht mehr ganz taufrische Japaner kann.

(Fotos: YesAuto)



Toyotas Premium-Ableger Lexus ist eine dieser Marken, die in Deutschland wenig Aufmerksamkeit bekommen. Das ist bei weitem nicht überall so. In den USA verkauft die Edelmarke mehr Fahrzeuge als Mercedes-Benz. Sowohl jenseits des großen Teichs als auch in China setzt Lexus jeweils mehr als dreimal so viele Fahrzeuge ab wie in Europa.




Die noch verhältnismäßig junge Marke hat seit ihrer Entstehung 1989 zehn Millionen Fahrzeuge verkauft. Tendenz steigend. Sieht man von einem Knick in den Verkaufszahlen durch die Coronakrise ab, gehts es doch recht beständig nach oben. 

Damit ist Lexus weit erfolgreicher als Infinit oder Acura, die Premiummarken von Nissan und Honda. Erstere zog sich Anfang 2020 nach ausbleibendem Erfolg vom westeuropäischen Markt zurück, Letztere hat diesen gar nicht erst betreten.

Zudem hat sich Lexus mit legendären Sportwagen wie dem LFA und LC einen gewissen Ruf unter Autonarren erarbeitet. Einer der wohl bekanntesten Motorjournalisten der Welt, Jeremy Clarkson, nannte den LFA sogar „das beste Auto, dass ich je gefahren bin“.

Und so darf man sich doch sehr über die schöne Außergewöhnlichkeit freuen, mit der die Fahrzeuge den europäischen Markt bereichern. Das fängt nicht zuletzt beim Äußeren an. Der NX 300h ist da keine Ausnahme: Dieser Frontgrill kann nicht übersehen werden. Nein, er stellt sicher, dass ein Lexus immer sofort erkannt wird. Und das auf weite Entfernung.


Luft kriegt der genug: Die Front des Mittelklasse-SUV macht ordentlich Eindruck. Standardmäßig gibt’s Bi-LED, die Ausstattungsvarianten F SPORT und Luxury-Line bieten Matrix-LED.



Lexus NX 300h: Außen in Topform, innen nicht mehr taufrisch


2014 kommt der NX in der Heimat auf den Markt, 2015 betritt er die internationale Bühne. Sein bisher einziges Facelift erhält er im Jahr 2018. Und so muss heute jeder Vergleich mit der aktuellen Konkurrenz hinken. Lange wird es den NX 300h der ersten Generation nicht mehr im Konfigurator von Lexus geben.



Der Nachfolger kommt aller Wahrscheinlichkeit nach schon im nächsten Jahr. Für uns Zeit, zum Abschied nochmal einen Blick auf dieses extravagante Mittelklasse-SUV zu werfen, auf seine Besonderheiten, seine Stärken und seine Schwächen.



Lexus NX 300h: Ein Vergleich mit der deutschen Konkurrenz


In der Größe kommt der Lexus NX 300h mit seinen 4,64 Meter Länge nicht ganz an seine Konkurrenten Audi Q5 (4,68 Meter) oder BMW X3 (4,70 Meter) heran. Gleichzeitig ist er günstiger zu haben: der Startpreis liegt bei 42.700 Euro. Für einen Q5 werden mindestens 46.600 Euro fällig, beim X3 sind es 47.800 Euro.   



Während sich vom NX in den USA in den letzten Jahren stetig rund fünfzig- bis sechzigtausend Exemplare verkauften, kann er in Deutschland nicht mit den Platzhirschen mithalten. 2020 verkaufte er sich bei uns noch schlappe 779 Mal. Die meisten der deutschen Rivalen fanden im selben Zeitraum mehr als 20.000 Kunden. Das Wort “Exot” beschreibt den NX auf deutschen Straßen ganz gut.



Das Interieur: Gewagter Stil 


Im Inneren wirkt der NX nochmal eine Nummer größer als man erwarten würde. Dazu trägt auch der Blick auf die lange Motorhaube bei. Was die Gestaltung des Interieurs angeht, bin ich hin- und hergerissen. Viel Leder kommt im Inneren zum Einsatz, wobei es haptisch nicht auf höchstem Niveau angesiedelt ist. Und die Aluminium-Verzierung in der Mittelkonsole hätte mir persönlich in einer gebürsteten Version wesentlich besser gefallen. Man merkt dem Innenraum inzwischen doch an, dass die Entwicklung des NX schon ein paar Jahre zurückliegt.


Viele Knöpfe, viel Leder und eine luxuriöse Analaog-Uhr im Zentrum: Der Innenraum des Lexus.


Minuspunkte gibt es für eine knarzende und etwas wackelige Armablage in der Fahrertür. Pluspunkte bekommen die sehr komfortablen Ledersitze und die wunderschöne Uhr im Zentrum des Dashboards. Die hat was von Bentley, Porsche & Co. Wird es dunkel, färbt sich ihr Ziffernblatt hell und die Uhr kommt als zentrales Designelement noch einmal mehr zur Geltung.


Schönes Detail: Die Uhr mit dem Lexus-Schriftzug auf dem Ziffernblatt.



Infotainment im Lexus NX 300h: Licht und Schatten


Oberhalb der Uhr thront der zwischen sieben und 10,3 Zoll große Bildschirm, der noch ohne Touchbedienung auskommt. Das Drücken und Wischen geht alleine auf dem Touchpad in der Mittelkonsole vonstatten. Das funktioniert nach kurzer Gewöhnung gut.


Die Steuerung des Infotainments läuft über des Trackpad in der Mittelksonsole.


Im Gegensatz zur einseitigen Steuerung über ein Trackpad ist das induktive Laden unter der Mittelarmlehne ist absolut “up to date” – und der Lexus hatte es schon bei seinem Marktstart 2014. Der Testwagen bietet für die Smartphone-Einbindung allerdings weder Android Auto noch Apple CarPlay, sondern Miracast. Das Programm soll ebenfalls das Handy auf dem Infotainment-Screen spiegeln. Leider funktioniert Miracast nicht mit iPhones. Allerdings gibt es hier Abhilfe: Im Konfigurator von Lexus stehen aktuell die Varianten “NX 300h Amazing Edition 2020” und “NX 300h Style Edition” zur Auswahl. Im Gegensatz zu allen anderen Ausstattungsvarianten bieten diese beiden sowohl Android Auto als auch Apple CarPlay. Dufte!

Was gibt’s sonst noch? Zwei USB-Anschlüsse, einen 12-Volt-Anschluss und einen AUX-Eingang unter der Mittelarmlehne.



Lexus NX 300h: Rückbank-Check


Während das Platzangebot vorne hervorragend ist, zeichnet sich auf der Rückbank ein geteiltes Bild. Großgewachsenen MitfaherInnen bietet die zweite Reihe des Lexus NX 300h keine üppige Kopffreiheit. Platz für die Beine gibt es en masse, aber oben hapert es. Mit meinen 1,86 stoße hier bei vorbildlicher Haltung an den Dachhimmel. Setze ich mir auf die Art hin, die (Groß-)mütter gerne als “Flätzen” bezeichnet, entsteht oben genug Luft. Ein ganz leichtes “Flätzen” reicht auch schon.  

Luftausströmer für die HinterbänklerInnen sind vorhanden, eine eigene Temperaturregelung hingegen nicht. Zwei-Zonen-Klima ist beim NX 300h der ersten Generation das Höchste der Gefühle. Ebenfalls Fehlanzeige: Lademöglichkeiten a la USB, USB-C oder 12-Volt. Leider hilft hier auch kein Blick in die Aufpreisliste. Was soll’s, kinderlosen Ehepaaren darf’s egal sein. Auch eine Lösung: Schock deine Eltern, lies ein Buch! 



Lexus kann Luxus und Sport: der NX 300h auch?


Auch wenn ich mich wiederhole: Lexus steht für Luxus und für Sportlichkeit. Beim NX 300h hingegen fällt Letzteres einfach weg. Und dabei spielt es keine Rolle, ob man die Ausstattungslinie F SPORT im Konfigurator auswählt. Denn der Antrieb bleibt immer derselbe.

Komfortabel ist der NX 300h dagegen par excellence. Er ist ein Gleiter mit adaptiven Dämpfern, die trotz aller sänftenartigen Fortbewegung das Neigungsverhalten in Kurven unter Kontrolle halten. “Smooth and quiet” würden die Amis sagen. Sanft und leise. Letzteres dabei nur, solange man es ruhig angehen lässt. So ist es das bei CVT-Getrieben: Zum sanften Gleiten sind sie das Nonplusultra. Kräftige Lastanfrage hingegen quittieren sie mit gewöhnungsbedürftigem Lärm und mäßigem Vortrieb. Die 197 PS Systemleistung des Hybrid sind daher auch nur auf dem Papier viel. 9,2 Sekunden braucht der NX 300h auf Tempo 100. Das ist zäh. Dann doch lieber ganz gediegen “Cruisen”. Dafür ist er gemacht und das kann er sehr gut. “Amerkanischer Fahstil” nennt man das wohl. 


Der NX 300h verhält sich spurtreu und fahrwerktechnisch durchaus agil, ohne je straff zu sein. Ähnlich positives gibt es über die Lenkung zu berichten: griffig und nicht zu leicht ohne bei einem luxuriösen Gleiter eher störende Rückmeldung von der Vorderachse. Etwas entkoppelt und sehr komfortabel. 

Was die Schaltwippen hinter dem Lenkrad und auch den Sport-Modus des Getriebes angeht, hätte man ehrlich sein und sie weglassen können. Also luxuriöser Gleiter macht sich der NX 300h sowieso wesentlich besser.  


Unter der Prämisse, dass man den NX zum entspannten Fahren nutzt, kann man dann auch das CVT-Getriebe akzeptieren und konstatieren: Fahrerisch ist der NX 3000h für seinen Zweck ein gutes Auto – aber sicher kein sportliches.



Lexus NX 300h: Die Assistenzsysteme


Zum amerikanischen Fahrstil, den man bei diesem Auto an den Tag legen sollte, passen auch die vielen Helferlein, die das Fahren vor allem auf der Autobahn schön entspannt gestalten. Im “Lexus Safety System +” kommen eine adaptive Geschwindigkeitsregelung ACC mit Tempolimit-Erkennung (Verkehrszeichenerkennung), ein Pre-Crash Safety-System mit Fahrradfahrer und Fußgängererkennung, ein Spurhalte-Assistent und ein Totwinkelwarner zusammen. Zum sicheren Ausparken gibt es auch noch den nützlichen Querverkehrswarner. So hat man so ziemlich alles an Bord außer eines Spurleitassistenten: Ein System für das autonome Fahren auf Level Zwei haben wir im NX 300h also nicht. Statt dauerhaft eigenständig in der Spur zu bleiben, gibts das System lediglich einen Lenkimpuls, wenn ein Verlassen der Spur droht. 



Lexus NX 300h: Sonderausstattung


Nützliche und/oder schöne Dinge auf der Preisliste sind zum Beispiel das elektrische Schiebedach für 1.100 Euro, alternativ darf es auch ein Panoramaglasdach mit Sonnenschutzrollo für 500 Euro sein. Mehr Sicherheit beim Parken bietet die 360°-Kamera, die mit 400 Euro zu Buche schlägt. Zu guter Letzt sorgt für 1.450 Euro ein richtiges Head-up-Display (ohne Plastikscheibe) dafür, dass der Blick auf der Straße bleibt.  

Fast schon ein Muss ist das große Komfort-Paket, das für 2.600 Euro allerlei Annehmlichkeiten verbindet: automatisch abblendende Rückspiegel, eine Lenkradheizung, das Lexus Safety System, den Smart Key, Sitzheizung für Fahrer und Beifahrer, einen Regensensor und eine Rückfahrkamera.



Lexus NX 300H: Verbrauch und Umwelt


Hybridfahrzeuge sollen vor allem die Umwelt schonen. Und in der Tat: 133 g/km Co2-Ausstoß sind für ein Fahrzeug mit einem Benzinmotor und einer Systemleistung von 197 PS ein guter Wert. Reine Benziner mit vergleichbarer Leistung liegen zwischen 150-180 g/km.

Ein weiterer positiver Effekt des Hybridantriebs ist natürlich der niedrigere Verbrauch. Das verkörpert seit Jahren das Vorzeigehybrid von Toyota, der Prius. Der Konzernbruder Toyota Camry schaffte in meinem Test 4,8 Liter. Die Mittelklasse-Limousine nutzt ebenfalls einen 2,5-Liter-Reihenvierzylinder in Kombination mit einem E-Motor, wobei der Verbrenner aus einer anderen Motorenbaureihe stammt. Weitere Vorteile des Camry sind das Weniger an Gewicht (rund 200 kg) und ein besserer cw-Wert von 0,27 gegenüber 0,34 beim NX. Von den Paradewerten des Camry ist der NX 300h daher leider weit entfernt: 7,51 Liter waren es bei einer gediegenen Eco-Modus-Fahrt im Drittelmix von Stadt, und Autobahn. Gewicht und Aerodynamik fordern ihren Tribut.  



Lexus NX 300h: Fazit 


Als außergewöhnliches Fahrzeug kann man Lexus NX 300h trotz seiner Schwächen mögen. Wer ein großes SUV sucht und mehr Wert auf Komfort als auf Sportlichkeit legt, kann hier sein Glück finden. Die Varianten mit Apple CarPlay und Android Auto bieten zudem die in der heutigen Zeit so wichtigen Upgrades. 


YesAuto-Redakteur Arne Roller mit dem Lexus NX 300h.



Zusatz: Der Nachfolger ist schon “geleaked”


Im Februar dieses Jahres tauchten Bilder des komplett enttarnten Nachfolgers im Netz auf. Die Chancen stehen gut, dass Lexus den neuen NX noch dieses Jahr ganz präsentiert und schon 2022 auf den Markt bringt.




Die Zeiten des Track-Pads sind im NX der zweiten Generation definitiv gezählt. Auch wenn noch nichts offiziell ist: Wir glauben mit großer Sicherheit an dem im Video zu sehenden, riesigen Touch-Bildschirm. Was die Motoren angeht, gehen wir für den europäischen Markt weiterhin von Vierzylinder-Benzin- und Hybridvarianten aus. Aber auch der Plug-in-Hybrid aus dem Toyota RAV4 könnte im neuen NX zum Einsatz kommen. 




Lexus NX 300h FWD – Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziges SUV mit Frontantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.640 mm/1.845 mm/1.645 mm

Radstand: 2.660 mm 

Kofferraumvolumen: 265 bis 947 Liter

Motor: 2,5-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 114 kW/155 PS maximales Drehmoment: 210 Newtonmeter

Gesamtsystemleistung: 145 kW/197 PS

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Vorderradantrieb

Getriebe: CVT-Automatikgetriebe

Leergewicht: 1.790 Kilogramm

Kofferraumvolumen: 555 / 1600 Liter

0-100 km/h: 9,2 s

Vmax: 180 km/h

Durchschnittsverbrauch (WLTP): 5,3-5,0 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 121-116 g/km

Luftwiderstandswedrt (cW): 0,32

Abgasnorm: Euro 6 AP

Effizienzklasse: A+

Tankinhalt: 56 Liter

Preis: ab 46.250 Euro


Offroad:

Bodenfreiheit: 185 mm

Böschungswinkel vorn: 17,2 Grad

Böschungswinkel hinten: 24,5 Grad


Zusatzinformationen:

Testverbrauch: 7,51 Liter

Versicherungsklassen KH/VK/TK: 21/28/28

Wartung: 15.000 km (max. 1 Jahr)

Garantie: 3 Jahre / 100.000 km






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20 Mai. 2021