Mercedes-AMG A 45 S 4Matic+ / Bentley Continental GT: Moderner Motorsport trifft Leistungs-Luxus zum Kostencheck

Attila Langhammer

07 Mai. 2021

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Ein neuer Mercedes-AMG A 45 S und ein gebrauchter Bentley Continental bieten Dir für je rund 65.000 Euro eine Menge performanten Fahrspaß. Trotzdem trennen die beiden Konkurrenten mehr, als nur zehn Jahre Automobilgeschichte

YesAuto Bewertung:

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Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

(Fotos: YesAuto)

Du kannst mit dem Kopfschütteln und Dich-wundern aufhören. Die beiden Autos da oben – Bentley Continental GT und Mercedes-AMG A 45 S 4 Matic – haben mehr miteinander gemein, als Du vielleicht glauben magst. Die wichtigste Gemeinsamkeit und der Aufhänger für diese Geschichte ist der Preis: für das 421 PS starke Topmodell im A-Klasse-Lineup stehen aktuell 63.457 Euro in der Preisliste. Und einen 575 PS starken gebrauchten Bentley Continental GT der zweiten Serie (2011-2018) bekommst Du irgendwo in dem Fenster zwischen 60.000 und 70.000 Euro.

Der Bentley in dieser Geschichte wurde uns dankenswerterweise von Hans Schlund – www.schlund-automobile.de – in Aichach zur Verfügung gestellt. Dieser Continental ist aus erster Hand und hat gerade erst die 35.000-Kilometer-Marke geknackt. Für diesen Wagen, der vor allem exemplarisch dient, ruft der Händler 75.000 Euro auf, aber der Preis des AMG-Testwagens beläuft sich ja auch auf stattliche 86.287 Euro.


Mercedes-AMG A 45 S 4Matic und Bentley Continental GT II durchaus vergleichbar


Nun aber weiter mit den angekündigten Gemeinsamkeiten: beide Autos haben aufgeladene Motoren. In der AMG-A-Klasse steckt ein quer eingebauter Reihenvierzylinder mit einem mächtig großen Turbolader – so spuckt der Zweiliter 421 PS bei herrlich dramatischen 6750 U/min und 500 Nm von 5000 bis 5250 U/min aus. Im Bentley arbeitet ein sechs Liter großer Zwölfzylinder mit Biturboaufladung der 575 PS bei 6000 U/min und 700 Nm Drehmoment bei 1700 U/min leistet. Da diese sehr unterschiedlichen Kräfte bei nahezu gleichem Radstand (Mercedes-AMG / Bentley: 2729 / 2746 mm ) sehr unterschiedlich verpackt sind (1585 / 2275 kg), kommen die beiden ungleichen Kontrahent sogar auf ähnliche Leistungsgewichte: in der AMG-A-Klasse muss jedes PS rund 3,8 Kilogramm bewegen, der Bentley wuchtet rund vier Kilo pro PS durch die Gegend.

Weiters haben die beiden konzeptionell ein Automatikgetriebe sowie den Allradantrieb gemein, aber auch offenbart die Detailbetrachtung Differenzen. Im Mini-AMG speist ein Achtgangdoppelkupplungsgetriebe die Kraft in einen semipermanenten Allrad. Das heißt, hier werden solange die Vorderräder angetrieben, bis diese die Krafteinwirkung nicht mehr auf die Straße kriegen, dann schließen sich an der Hinterachse zwei Kupplungen und leiten so Kraft an die Hinterräder ab: das passiert beispielsweise bei nasser Fahrbahn, auf losem Grund oder wenn Du das Gaspedal im Stand oder bei geringen Geschwindigkeiten aufs Bodenblech knallst.

Im Bentley arbeitet ein permanenter Allradantrieb mit klassischem Mittendifferenzial und der verteilt den Kraftfluss permanent im Verhältnis 40:60 zwischen Vorder- und Hinterachse. Die Ableitung der Kraft vom Motor übernimmt eine Wandlerautomatik mit sechs Stufen.

Eine Parallele habe ich noch gefunden: das Kofferraumabteil des Bentley fasst 358 Liter und die A-Klasse packt 370; hier lässt sich der Raum aber kompaktklassenvernünftig auf bis zu 1210 Liter erweitern. Und jetzt steig ein, damit Du weißt, wie die Kanten auf Asphalt abgehen.


16 Zylinder für ein Hallelujah


Der Bentley bekommt den Vorzug, weil er der deutlich größere Exot ist. Und weil er recht bald zurück zum Händler muss :-(


Beim Start dauert es einen Moment bis alle zwölf Zylinder geflutet sind, dann grollt der Kaltstart durch die Fahrgastzelle. Danach verfällt das Aggregat in das hintergründige Wobbel-Wobbel, das insbesondere V- und W-Motoren eigen ist. Das ist kein Wortspiel, obwohl der Bentley aus dem Hause VW stammt, sondern bezieht sich tatsächlich auf die Zylinderanordnung. Mit diesem Klangbild deklassiert er den berechenbaren Klang des kleinen AMG.

Der Automatikwählhebel scheint allein schon 100 Kilo von den 2,3 Tonnen auszumachen, auf jeden Fall brauchst Du Kraft um ihn in die Drive-Position zu ziehen. Bremse loslassen und der Continental rollt einfach los, alles mit Standgas und tiefem wow-wow-wow. Erstmal warm fahren, das geht im Stadtverkehr ganz gut – und obwohl der Wagen so brachial aussieht, lässt er sich prima durch den Verkehrsfluss dirigieren, auch die Übersicht ist (noch) ok. Viel beeindruckender ist aber, dass dieser Continental von 2013 noch immer dezent aber präsent diesen einmaligen Holz-Leder-Duft verströmt, leicht süß und vielleicht nicht jedermanns Geschmack aber auf jeden Fall passend zum Großen Luxus, der bei diesem Auto immer mitschwingt.


Das Ortausgangsschild naht, noch werden die beweglichen Teile geschont. Also nur ein wenig aufs Pedal drücken und der Bentley wird ohne spürbaren Aufwand so schnell schneller, das der Folgeverkehr trotzdem zurückfällt. Der große Wagen gleitet auf dem Luftfahrwerk um die ersten Kurven. Bei Tempo Hundert ist's hier drin immer noch flüsterleise. Aber dafür bin ich nicht hier: Geschwindigkeit rausnehmen, die Motorbremswirkung fällt bei soviel Hubraum kaum auf, Getriebehebel in die Sportstellung. Und: Kickdown!

Plötzlich lässt das Premiumaggregat jede noble Zurückhaltung hinter sich und brüllt tief los. Der Bug sticht Richtung Himmel und Du wirst hier nicht in den Sitz gedrückt, der Sitz versucht, Dich zu überholen; Du spürst hier soviel Schub im Rücken, das Du denkst, Du wirst angeschoben – und das geht so über das ganze Band. Aus dem Stand heraus ist die Fuhre dann bereits nach 4,6 Sekunden landstraßenillegal, also Obacht. Wenn dann außerdem hohe Geschwindigkeiten auf enge Kurvenradien treffen, wird aus dem langkurvigen Gleiten zudem eher ein Wabern, zum Kurvenkratzen ist der Dicke einfach nicht gemacht


Das kann der Mercedes-AMG A 45 S deutlich besser; und nicht nur kratzen sondern sogar mit den Hinterrädern scharren gehört bei dem Kompaktracer zum elektronisch geregelten Fahrspaßrepertoire. Sowohl Powerslides als auch Drifts ermöglicht die Regelektronik. Dabei ist soviel Show gar nicht nötig, denn diese A-Klasse fährt auf so hohem sportlichen Niveau, dass es eine wahre Freude ist.

Der Motor dreht herrlich aus, hat sein Drehzahllimit trotz Turboaufladung erst bei 7200 U/min. Und trotz Turboaufladung liegt das maximale Drehmoment erst zwischen 4999 und 5251 U/min an – Mercedes nennt den Ansatz Torque Shaping, weil das Ziel war trotz Turboaufladung eine lineare, drehzahlhungrige Leistungscharakteristik zu kreieren; das ist wunderbar gelungen.

Und während der Bentley auf schnelle Kurven schwammig reagiert, wird der Mini-AMG hinterm Scheitelpunkt frech und flüstert Dir zu: Noch mal! Noch schneller! Trau Dich! Und in dem Auto kannst Du Dich trauen, schon allein weil das präzise Fahrwerk permanent von den Befindlichkeiten aller vier Fahrzeugecken zurückmeldet. Im Gegensatz zum ähnlich starken Porsche 911 Targa 4S, der fahrdynamisch sicher noch etwas mehr kann, sich aber zurücknimmt und Dir zeitlässt, Dich mit ihm vorzutasten, ist der A 45 S eine freche Rotznase, die Dich permanent provoziert. Einen Fahrbericht mit mehr Details zum Mercedes-AMG A 45 S hat mein Kollege Arne geschrieben.


Mehrkosten, die nicht auf dem Preisschild stehen


Trotz Anschaffungspreisen auf ähnlichem Niveau sind die fahrdynamischen Charaktere der beiden Kontrahenten sehr unterschiedlich, obwohl Sie jedem Performance-Fan mehr als nur ein mildes Lächeln ins Gesicht zaubern.

Aber die größte Differenz zwischen beiden Fahrzeugen wird nicht auf der Straße definiert, sondern beim Unterhalt. Und dieses unangenehme Kapitel muss in dieser geldlastigen Geschichte angesprochen werden. Was immer Du bis jetzt gemacht hast, ich schlage vor, dass Du Dich hinsetzt, denn in puncto Unterhaltskosten entpuppt sich die A-Klasse als echtes Schnäppchen und der Bentley – nun ja, Luxus bleibt Luxus.


Bentley Continental GT / Mercedes-AMG A 45 S 4Matic+


Kfz-Steuer (jährlich)

576 Euro / 230 Euro


Haftpflichtversicherung (jährlich)*

1166 Euro / 255 Euro


Vollkasko (jährlich)*

4049 Euro / 537 Euro


Kleiner Service (jährlich)**

1666 Euro / 516 Euro


Großer Service inkl. Bremsflüssigkeit (2-jährlich)**

2499 Euro / 708 Euro


3-Jahres-Service inkl. Zündkerzen**

2856 bis 3213 Euro / entfällt


Bremsenservice Vorderachse**

2737-3094 Euro / 1129 Euro


Bremsenservice Hinterachse**

1300 Euro / 808 Euro


4 Sommerreifen

275/40 R20 245/35 R19

500-1100 Euro / 400-1000 Euro


Für den Bentley solltest Du, wenn Du es ernst meinst, also wenigstens 5000 bis 6000 Euro jährlich in der Hinterhand haben, andernfalls verbrauchst Du ihn einfach – und diese Vorstellung finde ich traurig. Wenn Du die Kohle aber hast und Dich für den Bentley interessierst, dann findest Du mit einem gut gepflegten Modell einen sehr soliden Gebrauchtwagen. Die einzige wirkliche Schwachstelle sind ausgeschlagene Koppelstangen an der Vorderachse – bei dem hohen Gewicht auch wenig überraschend – die Kosten dafür sind mit 536 Euro überschaubar. Weiters kann das Luftfahrwerk schwächeln – dieses Problem betrifft oft Modelle mit geringer Laufleistung: Steht das Auto sehr lange, entlädt sich die Batterie. Dann kann der Druck in den Luftbälgen nicht mehr aufrecht gehalten werden, die Bälge rutschen zusammen und der Gummi nimmt in dieser komprimierten Stellung Schaden. Für diesen Problem habe ich keinen Reparaturpreis – solltest Du auf so ein Modell stoßen, suche lieber weiter.

Ein weiterer Gebrauchttipp ist im Bentley-Fall der folgende: Setz Dich rein, starte den Motor und drücke ALLE(!) Tasten, drehe ALLE(!) Rädchen und bewege ALLE(!) Hebel, die Du vorfindest. So ein Continental der zweiten Generation ist vielleicht noch nicht überladen mit Elektronik, aber sollte etwas kaputt sein, wird die Lösung vermutlich nicht günstig. Bei Bentley knackt eine Arbeitsstunde inklusive Mehrwertsteuer locker die 200-Euro-Marke.


Fazit: Geld spielt eben doch eine Rolle


65.000 Euro sind eine Menge Geld. Dafür findest Du viele fahrspaßige Automobile auf dem Markt. Aber die beiden hier zusammengebrachten Modelle sind auf jeden Fall etwas für den automobilen Connaisseur: Egal ob Du den knallharten Kompaktsportler von AMG oder lieber das sauschnelle Luxusdickschiff von Bentley bevorzugst, beide Autos werden Dich lange begeistern – beim Bentley ist dazu aber eben das deutlich dickere Finanzpolster nötig. Dafür hat der britische Kraftprotz den schlimmsten Wertverlust schon hinter sich, während bei einer neuen AMG-A-Klasse auf dem Weg zur Zulassungsstelle eine Summe verpufft, die den Bentley für ein Jahr unterhalten hätte.

Während die sehr stark modifizierte A-Klasse bei den Unterhaltskosten von ihrer Kompakt-Basis profitiert, bleibt der Bentley Continental mit einem Neupreis jenseits der 200.000 Euro auch mit etlichen Jahren auf dem Buckel ein Auto, das Kosten auf Luxusniveau verursacht. Der Spaß, den beide bieten, ist aber beinahe unbezahlbar.


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Attila Langhammer

07 Mai. 2021