Fahrbericht Mercedes-AMG A45 S 4MATIC+: Kompromissloses Spaßgerät

Arne Roller

10 Mai. 2021

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Mit seinen 421 PS ist der A45 S Chef im Ring der Kompaktsportler. Fahreindruck!

(Fotos: YesAuto)


Kleine Kompaktsportler haben einen besonderen Platz in meinem Herzen. Anders als große Limousinen mit dicken Motoren versprechen sie immer ein raueres, direkteres Fahrvergnügen. Das Gefühl des kleinen, leichten und agilen Fahrzeugs mit übermäßig viel Kraft. Das ist es, was mich reizt.

Der A45 S ist so ein Gerät – wobei dieses Geschoss eigentlich schon überpotent ist: 421 PS leistet der stärkste Serien-Vierzylinder der Welt, der in diesem Biest arbeitet. Das sind 40 PS mehr als im Vorgänger. Außerdem zieht sich der A45 damit die Leistungs-Krone in der Klasse der Kompaktsportler auf: Der RS3 kommt auf 400, der M2 Competition auf 410 Pferdestärken.



Mercedes-AMG A45 S: Auf Messers Schneide


Bei Ausfahrten auf öffentlichen Straßen verlangt der A45 S nach Disziplin: Es geht es in 3,9 Sekunden auf Landstraßen-Maximum! Auf den kurvigen Straßen zwischen zwei Dörfern beschränkt sich das Höchstmaß der Wonne meist auf zwei Sekunden euphorischen Tobens, dann muss die Vernunft den Führerschein retten. Aber diese zwei Sekunden sind ein tonales Feuerwerk! Hinter dem gelben Schild einmal rausbeschleunigen und sich in die Kurve werfen, es macht süchtig!

Dasselbe gilt für tempofreie Autobahnen: 270 läuft der A45 S. Ja, das ist aufregend. Noch schöner sind aber die deftigen Zwischensprints mit der dazugehörigen „aria infernale“ des AMG-Vierzylinders. Zwischen 170 und 220 röhrt’s im fünften Gang ganz besonders schön. Ich tue es immer wieder. Gelobt sei die A8 bei Nacht.


Apropos Gänge. Acht sind’s an der Zahl in Mercedes‘ Doppelkupplungsgetriebe, das ohne Fehl und Tadel und mit einer unglaublichen Spreizung zwischen den verschiedenen Fahrmodi arbeitet. Eines sei dabei gesagt: Wer auch immer behauptet, der A45 S sei immer noch ein Mercedes und daher auch komfortabel zu fahren, bekommt von mir nur ein Naserümpfen. Ich könnte keiner Person, die ab und zu den Kick sucht, aber meist zivilisiert und komfortabel fahren möchte, dieses Auto empfehlen. Nein, es ist eine kompromisslose Spaßmaschine, Fahrmodi-Spagat hin oder her. Ja, er bewegt sich zwischen Raubkatze in Lauerstellung und komplett aus der Raison gefallenem Monster, aber ein Schmusetiger ist er nie und nimmer. Und das ist keine Kritik, sondern ein Ritterschlag. Wer Komfort will, Finger weg! Das ist ein Auto für Benzinjünger.


Einzig sein hohes Gewicht hält den A45 S etwas im Zaum: 1.643 Kilogramm bringt er auf die Waage. Das sind 53 mehr als der Vorgänger und für einen Kompakten definitiv nicht wenig. Zudem lasten 61,7 Prozent des Gewichts auf der Vorderachse. Rennfahrer mit ausgeprägtem „Popometer“ spüren das auf der Rennstrecke. Meinem Spaß auf der Ausfahrt tut es keinen Abbruch.



Mercedes-AMG A45 S: Brachial aus den Kurven dank Torque Control


Beeindruckend sind Fahrwerk und Antrieb: Der A45 S verfügt über den Allradantrieb 4MATIC+ mit AMG Torque Control. Zwei elektrische gesteuerte Lamellenkupplungen verteilen die 421 PS je nach Bedarf zwischen Vorder- und Hinterachse sowie den beiden hinteren Rädern. Auf der Rennstrecke ist das ein dicker Pluspunkt und auch der Grund, warum der A45 S die Nordschleife in sehr guten 7:48,8 Minuten absolvieren konnte. Schaltet man die Fahrmodi von Comfort über Sport und Sport+ bis Race durch, verändert sich die Charakteristik des A45 S. Alle möglichen „Muskeln, Fasern und Reflexe“ des „kleinen“ Monsters variieren deutlich spürbar: Parameter wie die Lenkungs- und Gaspedalkennlinie, Einstelllungen der Abgasklappenanlage, Schaltzeiten und Schaltpunkte oder die Kennlinie der optionalen Adaptivdämpfer.



Mercedes-AMG A 45 S: Erfreut die Sinne


Fahrerisch ist der Mercedes-AMG A45 S ein Prachtwerk. Und rein äußerlich? Einmal kräftig die Subjektivitäts-Alarmglocken läuten und los geht's: Der AMG Panamericana-Grill mit den zwölf vertikalen Streben steht dem A45 S viel besser als der „Normalo“-Grill des Vorgängers und des A35. Für mich ein Riesen-Upgrade! Auf der Motorhaube verraten zwei Powerdomes den A45, zudem sind die vorderen Kotflügel weiter ausgestellt als beim A35.


Unverkennbar ein A45 S: Dicke Endrohre mit 90 Millimeter Durchmesser und ein markanter Diffusor.


Der Innenraum macht richtig schön was her. Hier gibt’s Technik en masse, sogar im Lenkrad finden sich LCD-Bildschirme. Überhaupt ist das edle Volant für mich der Star im Interieur: Alcantara und 12-Uhr-Markierung – zum Racing-Feeling gibt’s die besonders angenehme Haptik obendrauf.


Hingucker: Der Innenraum des A45 S samt Alcantara-Lenkrad mit 12-Uhr-Markierung.


Mercedes-AMG A 45 S: Fazit


Zeit für ein Fazit, so schnell und kompakt wie das Auto: der A45 S 4MATIC+ – außen, innen und unter der Haube eine absolute Granate!


Auch spannend: Attila Langhammers Kostencheck – Was darf's sein für 65.000 Euro? Ein neuer Mercedes-AMG A45 S oder ein gebrauchter Bentley Continental?



Mercedes-AMG A 45 S 4MATIC+ – Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziger Kompaktwagen mit Allradantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.4419 mm/1.796 mm/1.440 mm

Radstand: 2.729 mm

Motor: 2,0-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 310 kW/421 PS bei 6.750 U/min, maximales Drehmoment: 500 Newtonmeter bei 5.000 U/min,

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Allradantrieb

Getriebe: 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Leergewicht: 1.635 Kilogramm

0-100 km/h: 3,9 s

Vmax: 270 km/h

Kofferraumvolumen: 355 bis 1.195 Liter

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 8,3 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 190 g/km

Abgasnorm: Euro 6d

Effizienzklasse: E

Tankinhalt: 51 Liter

Preis: ab 63.457 Euro


















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10 Mai. 2021