Mercedes-Benz S 680 Guard 4Matic: 3 Fragen beantwortet

Lukas Schmidt

10 Aug. 2021

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Daimler bietet mit den Guard-Modellen Sicherheit für Wirtschaftsbosse und Staatenlenker. Die neue S-Klassenversion bietet nun noch mehr Schutz und wurde besonders ausgiebig getestet.

Der S 680 Guard 4Matic bietet Schutz für Staatenlenker und Wirtschaftsbosse (Alle Bilder: Daimler)


Was zeichnet das neueste Guard-Modell aus?


Der neue S 680 Guard 4Matic erfüllt mit der Schutzklasse VPAM VR10 die höchste ballistische Prüfstufe für Zivilfahrzeuge und ist darüber hinaus besonders widerstandsfähig gegen Sprengladungen. Die durch das Beschussamt Ulm durchgeführte Zertifizierung erfolgte erstmals mit sogenannten Biofidel-Dummys. Mit Knochen- und Weichteil-artigen Konstruktionen ahmen diese Versuchspuppen den menschlichen Körper besonders realistisch nach. Das Modell ist die erste Guard-Limousine von Mercedes-Benz mit Allradantrieb und wird vom bekannten V12 (M279) mit 450 kW (612 PS) angetrieben. Das Aggregat wurde für seinen Einsatz in der neuen S-Klasse Generation umfassend überarbeitet. Abgasturbolader, Abgaskrümmer und Luftführung wurden angepasst. Neu ist ferner ein geregelter Otto-Partikel-Filter. Das maximale Drehmoment beträgt 830 Nm ab 2.000/min.

Das Fahrzeug verfügt über neu entwickelte Türaktoren. Obwohl die Türen wegen ihrer Panzerung sehr schwer sind, erlaubt dieses elektro-mechanische System geringe Bedienkräfte beim Öffnen und Schließen. Das gilt nicht nur in der Ebene, sondern auch, wenn das Fahrzeug am Hang steht. Viel Intelligenz steckt ebenso in den hydraulisch (statt elektrisch) betätigten Fensterhebern. Auch bei Ausfall des Bordnetzes ist damit eine Notbetätigung möglich. In jeder Tür sitzt eine entsprechende Einheit aus Kompressor und Ventilblock samt Druckspeicher.

Zu den weiteren, speziell konzipierten Sonderausstattungen zählen eine Feuerlöschanlage mit selbständiger Auslösefunktion sowie ein Notfall-Frischluft-System, das Insassen vor eindringendem Rauch oder Reizgasen schützt und mit Frischluft versorgt. Weitere Optionen sind umfangreiche Behördenausstattungen wie Sirene, Blitzleuchten und Funkgeräte sowie ein Gefährdeten-Alarm-System. Zum Serienumfang gehört die Notlaufbereifung Michelin Pax. Auch mit schadhaften Reifen ist damit das Verlassen der Gefahrenstelle bis zu einer Distanz von 30 Kilometern möglich.


Welchen Schutz bietet das Modell


Während bisher die Schutzmaterialien bei den Guard-Limousinen in die Serien-Rohbaustruktur integriert sind, wurde jetzt ein spezifischer Rohbau, bestehend aus Schutzelementen, entwickelt. Diese selbsttragende Schutzzelle ist der Kern des Modells, die (Alu-)Außenhaut dient als Designhülle und sorgt für eine unauffällige Optik.

Neben den nicht sichtbaren Panzerelementen ist der transparente Bereich der mehrlagigen Scheiben ein fester und wesentlicher Bestandteil des Schutzkonzepts. Auf der Innenseite sind die Scheiben mit einem Polycarbonat-Splitterschutz beschichtet. Trotz ihrer Schutzeigenschaften sind sie gleichzeitig unauffällig und bieten ähnliche Durchsicht wie normale Scheiben.

Im Innenraum entsprechen die Abmessungen weitestgehend denen der langen S-Klasse und in puncto Komfort und Ausstattung steht die als Vier- und Fünfsitzer erhältliche Version ihren Modellbrüdern ebenso kaum nach: Über 80 Individualisierungsmöglichkeiten der S-Klasse sind möglich, von aktiver Ambientebeleuchtung über Media-Display mit OLED-Technologie bis First-Class-Fond und Fond-Airbag. Bei Zierteilen und Farbkombinationen gibt es fast keine Einschränkungen. Sonderausstattungen, die dem Schutzzweck widersprechen, etwa ein Schiebedach, sind allerdings nicht erhältlich.

Wie funktioniert die Sicherheitszertifizierung?


Die Prüfung erfolgte durch das Beschussamt Ulm, der einzigen Prüf- und Zertifizierungsstelle für Waffen-, Munition- und Sicherheitstechnik in Baden-Württemberg. Die neue S-Klasse Guard erfüllt die Anforderungen der höchsten zivilen Schutzklasse. Karosserie und Scheiben müssen dabei einem Beschuss aus einem Sturmgewehr mit entsprechender Stahlhartkern-Munition standhalten. Darüber hinaus hat das Modell die Prüfungen für den Schutz vor Sprengangriffen erfolgreich absolviert, und in allen Bestandteilen (Dach, Boden und Seite) mit drei von drei Sternen auch die Bestwertungen eingefahren.

Der Basispreis für den neuen Mercedes-Benz S 680 Guard 4Matic liegt bei 457.100 Euro zuzüglich Mehrwertsteuer. Die Weltpremiere feiert das Modell auf der IAA in München.

Lukas Schmidt

10 Aug. 2021