Motorsport: der neue 911 GT3 Cup ist da!

Mathias Keiber

16 Dez. 2020

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Seit 1990 veranstaltet Porsche in Deutschland (und mittlerweile auch in vielen anderen Ländern) den Porsche Carrera Cup – mit einheitlichen Rennwagen auf Basis des Porsche 911. 2021 (und 2022) bleibt die Rennserie fester Bestandteil des Rahmenprogramms des GT-Masters. Den dabei zum Einsatz kommenden 911 GT3 Cup haben die Zuffenhausener nun vorgestellt.

Der neue 911 GT3 Cup ist gleich aus zweierlei Hinsicht bemerkenswert: Es handelt sich um den ersten Rennwagen auf Basis der aktuellen Generation 992 und außerdem um das erste Markenpokalauto von Porsche, das mit einer turbobreiten Karosserie auftritt. Mit einer Leistung von rund 510 PS übertrifft der Saugmotor den seines direkten Vorgängers um 25 Pferdestärken. Seinen Leistungszenit erreicht das trockensumpfgeschmierte Hochdrehzahl-Aggregat bei 8.400/min. Zuvor waren es 7.500/min. Die Maximaldrehzahl liegt bei 8.750 Touren und das maximale Drehmoment von 470 Newtonmetern fällt bei 6.150/min an.

Auch bemerkenswert: Der Rennwagen für den Betrieb mit synthetischen Kraftstoffen ausgelegt, die eine signifikante CO2-Reduzierung im Rennbetrieb ermöglichen – auch bei den Serien 911ern setzt Porsche künftig auf E-Fuels und beteiligt sich deshalb an einer Pilotfabrik im windreichen Patagonien.


Synthetische Kraftstoffe? Signifikante CO2-Reduzierung im Rennbetrieb? Heißt das, dass der neue 911 GT3 Cup Leistungseinbußen hinnehmen muss? Mitnichten. Die Rundenzeiten mit dem komplett neu entwickelten Cup-Elfer sollen sich je nach Streckenprofil um gut ein Prozent verbessern.


Rückblick: Im Jahr 1990 hatte Porsche das erste 911er-Cup-Fahrzeug vorgestellt. Es fußte auf der Generation 964 und ging in der Debütsaison des deutschen Porsche Carrera Cup mit aus heutiger Perspektive beschaulichen 260 PS an den Start. Ab 1993 kam es auch im neu gegründeten Porsche Supercup im Rahmenprogramm der Formel 1 zum Einsatz. Es folgten fünf weitere Generationen, bis heute wurden sage und schreibe 4.251 Exemplare produziert.

„Als Basismodell für die Carrera Cups und den Porsche Mobil 1 Supercup hat der 911 Geschichte geschrieben – kein anderer Rennwagen fand seit 1990 so viele zufriedene Kunden wie der Neunelfer“, gibt sich Michael Dreiser, Vertriebsleiter bei Porsche Motorsport, stolz. „Der neue 911 GT3 Cup schlägt jetzt das nächste Kapitel auf.“ Ziel sei es, in den kommenden Jahren die 5.000er-Marke in der Produktion zu überspringen.


Das Grundkonzept für das jüngste Modell ist 2018 entstanden, die konkrete Entwicklung begann Anfang 2019. Mit diesen Zielen: mehr Performance, aggressiveres Design, einfacheres Handling und höhere Dauerhaltbarkeit bei geringerem Aufwand für Einsatz und Wartung. „Wir wollten den neuen 911 GT3 Cup noch konsequenter als professionellen Rennwagen positionieren, zugleich aber auch den Einsatz für die Teams kostengünstiger gestalten“, erläutert Projektleiter Jan Feldmann. „Es ist das beste Cup-Auto, das Porsche je gebaut hat“, ist er überzeugt.

Gründe dafür gibt es: die optimierte Aerodynamik zum Beispiel, sowie die turbobreite Leichtbaukarosserie, die beim Cup-Auto erstmals zum Einsatz kommt. Mit einer Gesamtbreite von 1.902 Millimetern übertrifft sie das Vorgängermodell an der Hinterachse um 28 Millimeter. Außerdem gibt es einen zusätzlichen Kühllufteinlass vor den Rädern.


So mancher Vorteil ist sogar generisch: Die Generation 992 steuert eine deutlich breitere Vorderachse bei. Dank zusätzlicher Kotflügelverbreiterungen misst der neue 911 GT3 Cup an der Vorderachse jetzt sogar 1.920 Millimeter. Dadurch wird eine Rad-Reifen-Kombination mit 12 Zoll breiten Felgen an der Vorder- und 13-Zoll-Rädern an der Hinterachse möglich, weswegen Porsche besseres Handling und Fahrbarkeit verspricht.


Auch soll die siebte Generation des Cup-Fahrzeugs spürbar mehr aerodynamischen Abtrieb generieren – dank der Kombination des Heckbürzels mit dem größeren Heckflügel und der Frontschürze, die mittels einer Bugspoilerlippe sowie gezielt platzierten Abrisskanten an den Rennbetrieb angepasst wurde. Die Schwanenhals-Aufhängung des Heckflügels ist elffach verstellbar: Richtig benutzt, verbessert das die Unterströmung und stabilisiert das Fahrverhalten, insbesondere in schnellen Kurven.

Beim auf der Generation 991.2 basierenden Vorgänger bestand die Karosserie zu 70 Prozent aus Stahl und zu 30 Prozent aus Aluminium. Beim Nachfolger hat sich dieses Verhältnis umgekehrt. Man sollte meinen, das Fahrzeug wäre dadurch leichter geworden. Doch: Irrtum! Der neue Rennwagen bringt mit einem Leergewicht von 1.260 Kilogramm rund 35 Kilogramm mehr auf die Waage. Geschuldet ist das zum Großteil der um zusätzliche Streben erweiterten Sicherheitszelle aus Stahl.


Alle Scheiben des GT3 Cup sind aus leichtem Polycarbonat und mit einer kratzunempfindlichen Hard-Coat-Versiegelung versehen. Türen, Motorabdeckung und Heckflügel sind aus Kohlefaser-Verbundwerkstoffen. Die Fronthaube mit ihren Be- und Entlüftungsöffnungen besteht wie beim 911 Carrera aus Aluminium. Budget-Planer, aufgepasst: „Das senkt nach einem Fremdkontakt die Reparaturkosten“, verspricht Porsche. Das freut die Kundenteams.

Die Fahrer der Kundenteams dürften sich derweil eher darüber freuen: Außer in der Neigung lässt sich der neue Rennsitz nun auch in der Höhe zweifach anpassen. Zusammen mit der zweiachsigen Lenkradverstellung sind somit individuellere Anpassungen an Fahrer-Staturen möglich. Außerdem ist die Polsterstärke variabel. Man kennt das ja: Manche haben’s lieber weich, andere lieber hart. Das oben offene Multifunktions-Volant aus Kohlefaser ist eine Weiterentwicklung aus dem 911 GT3 R. Seine beleuchteten Tasten wurden auf Anregung der Fahrer neu angeordnet.


Generell, so Porsche, sei die Elektronik noch deutlicher in den Dienst der Teams gerückt: Rund 700 Diagnose-Möglichkeiten stehen zur Verfügung, während eine Software alle Informationen besser übersichtlich als bisher zusammenfassen soll. Optionale Fahrzeugfunktionen wie ABS oder Traktionskontrolle lassen sich mittels eines digitalen Codes freischalten. Im Porsche Mobil 1 Supercup und bei den meisten nationalen Carrera Cups bleiben diese Fahrhilfen jedoch auch weiterhin deaktiviert: Hier soll allein das fahrerische Talent der Teilnehmer den Ausschlag geben. Und das ist auch gut so.


(Fotos: Porsche)

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Mathias Keiber

16 Dez. 2020