Nachfrage E-Autos: top! Ausbau Ladeinfrastruktur: flopp!

Mathias Keiber

22 Dez. 2021

Studien zeigen: Es gibt in Deutschland viel zu wenige öffentliche Ladesäulen. Und: Der Ausbau der Infrastruktur kann mit der Nachfrage nicht annähernd schritthalten.

Die Nachfrage nach Elektroautos ist in Deutschland auf einem Allzeithoch – und sie wird aller Voraussicht nach weiter steigen. Und das obwohl in der Bundesrepublik wegen des Chipmangels 2021 so wenige Autos produziert werden wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Laut Ferdinand Dudenhöffer vom „Center Automotive Research“ sollen es nur noch die Hälfte verglichen mit dem Jahr 2017 sein und so wenige wie seit 1974 nicht mehr – dem Jahr der Ölkrise.


Eine Ölkrise wäre für batterieelektrisch angetriebene Autos freilich weniger relevant. Wohl aber ein Mangel an Ladesäulen. Und den gibt es gemäß Zahlen der Bundesnetzagentur, die den Zeitungen der Funke-Gruppe vorliegen. Konkret hätten 6516 von insgesamt 10.796 deutschen Gemeinden keine einzige öffentliche Ladesäule für Elektroautos – über 60 Prozent also. Die Zahlen entstammen einer Antwort des Bundeswirtschaftsministeriums auf eine Anfrage von Linke-Fraktionschef Dietmar Bartsch. Besonders groß sei der Mangel in Rheinland-Pfalz. Dort gebe es in 1962 von insgesamt 2302 Kommunen keine öffentliche Ladesäule.


Man sollte meinen: Was nicht ist, kann ja noch werden. Stimmt. Doch auch hier hakt es. Und das nicht nur in Deutschland, wie eine aktuelle Studie der Strategieberatung Berylls zeigt. Studienleiter Andreas Radics sagt: „In Europa erlebt das E-Auto einen beispiellosen Boom. Der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur hält damit nirgendwo Schritt. Nicht nur in Deutschland verschlechtert sich das Verhältnis von Ladesäule zu E-Autos.“ Vergleiche man die aktuellen Elektroauto-Zulassungszahlen und die der Ladesäulen im öffentlichen Raum mit denen des letzten Jahres, zeige sich, dass der Ausbau der Ladeinfrastruktur viel zu langsam erfolge.


Auf eine Ladesäule kommen immer mehr Elektroautos


Für die Studie hat Berylls wie im vergangenen Jahr das Verhältnis zwischen der Anzahl zugelassener Elektroautos und öffentlicher Ladesäulen in fünf europäischen Märkten analysiert. Ergebnis: Mit 9,2 Elektroautos pro Ladesäule lag Deutschland im Jahr 2020 auf Rang drei. Die Daten des laufenden Jahres lassen die Bundesrepublik auf Rang vier abrutschen. Grund: Mittlerweile müssen statistisch 11,2 Elektroautos von einer Säule mit Strom versorgt werden.


Treiber für die Verschlechterung des Verhältnisses zwischen Fahrzeugen und Ladepunkten sei der Zulassungsboom für Elektroautos in Westeuropa. Deutschland liege hier erstmals auf Platz eins, knapp vor den Niederlanden. Doch halte der Ausbau der öffentlichen Ladeinfrastruktur nicht Schritt. In Deutschland betrage der Zuwachs an Neuzulassungen von Elektroautos gegenüber dem Vorjahr rund 35 Prozent, während die Infrastruktur nur um 15 Prozent gewachsen sei – „viel zu langsam“, so Radics. Und dass sich daran kurzfristig etwas ändere, sei unwahrscheinlich. Schuld daran seien bürokratische Hürden sowie der Chip- und Handwerkermangel.


Radics fordert deshalb: „Damit die E-Mobilität nicht an Moment verliert, sind offensichtlich flankierende Maßnahmen nötig. An erster Stelle stehe der Netzausbau im privaten Raum, zu dem auch Ladepunkte auf Betriebsparkplätzen und beim Einzelhandel zählen. Zwar sei es ohne Zweifel richtig, die Ladeinfrastruktur in Deutschland mit Hochdruck weiter auszubauen. Doch hänge der Erfolg der E-Mobilität nicht allein an einem engmaschigen Ladenetz im öffentlichen Raum. „Ohne kreative flankierende Maßnahmen und ein einheitliches schlüssiges Konzept, dass Autos und Infrastruktur parallel fördert, werden wir die, im Koalitionsvertrag verankerten, 15 Millionen E-Autos im Jahr 2030 ganz sicher nicht erreichen“, so Radics.


Kurzum: Es bedarf nicht nur staatlicher, sondern auch privater Investitionen, damit die steigende Nachfrage nach Elektroautos nicht gegen die Wand, sondern auf der Überholspur fährt. 

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Mathias Keiber

22 Dez. 2021