Nachhaltigkeit in der Autobranche: Luft nach oben

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Zwar rückt das Thema Nachhaltigkeit zunehmend als Kaufkriterium bei der Autoneuanschaffung in den Mittelpunkt, aber nicht alle deutschen Automobilfirmen leben das Prinzip. Laut der Strategieberatung Deloitte, haben nur 9 Prozent eine ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategie.

Klar ist, die Automobilbranche muss ihren CO2-Ausstoß zunehmend reduzieren, um nicht durch Regularien und Geldbußen ausgebremst zu werden. „Neben entsprechenden Produkten ist die Umsetzung von Nachhaltigkeitsstrategien hierzu ein wichtiger Hebel, sagen die Deloitte-Experten und erforschten im Rahmen des „Sustainability Survey“ bei deutschen Automobilmanagern, wie Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen gelebt wird.

 

Eines der Ergebnisse der Umfrage: „Das Thema hat in den vergangenen Jahren an Bedeutung gewonnen. Dieser Aussage stimmen 93 Prozent der befragten 192 Führungskräfte zu, die bei Herstellern sowie Zulieferern tätig sind, die mehr als 100 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben. Dennoch lässt sich feststellen: Es gibt noch viel Luft nach oben“, resümieren die Studienautoren.

 

Denn reden ist das eine, tun das andere. „So gaben lediglich 9 Prozent der Interviewten an, dass die Nachhaltigkeitsinitiativen ihres Unternehmens gleichermaßen ökologische, soziale und wirtschaftliche Aspekte berücksichtigen.

 

Ein Großteil der Unternehmen fokussiert sich derzeit vorwiegend auf einen Bereich. Hier wiegt der ökologische Aspekt am schwersten: 24 Prozent sehen mehr Umweltverträglichkeit als ihr priorisiertes Ziel. Die soziale Komponente forcieren 18 Prozent der Branche. Die wirtschaftliche Seite liegt mit ebenfalls 18 Prozent gleichauf.

 

Das wird den Investoren und Anlegern langfristig nicht reichen. Um den regulatorischen Vorgaben und den Anforderungen des Kapitalmarktes zu genügen, muss Nachhaltigkeit ins Kerngeschäft und in alle wesentlichen Prozesse integriert werden. „Dazu ist es notwendig, ganzheitliche Nachhaltigkeitsstrategien zu fahren", empfiehlt Harald Proff, Leiter Automobilindustrie bei Deloitte Deutschland und global. „Bisher standen aus Sicht der Politik Umweltaspekte im Fokus, denn der Straßenverkehr ist für 10 Prozent der weltweiten Emissionen verantwortlich. Jetzt rücken soziale und wirtschaftliche Aspekte nach, prognostiziert Profff. „Bereits ab 2023 verpflichtet das Lieferkettengesetz deutsche Unternehmen ab einer Größe von 3.000 Mitarbeitern, Menschenrechtsverletzungen bei ihren Lieferanten und Dienstleistern zu ahnden. Das bedeutet, dass die Automobilunternehmen jetzt handeln müssen."


Die Verschleppung der Nachhaltigkeitsstrategie hat finanzielle Gründe, denn sie kostet. Aber 39 Prozent glauben, dass höhere Preise für nachhaltigere Fahrzeuge sowie Fahrzeugteile und -komponenten nicht durchsetzbar sind. Und 38 Prozent sagen, dass die Kosten durch COVID-19-Pandemie Liquidität gekostet hat. Paradoxerweise ist auch die Umstellung auf nachhaltige Rohstoffe und Zwischenprodukte ein Bremsfaktor. „So geben rund 30 Prozent der befragten Automobilmanager an, dass eine nicht nachhaltige Produktion und nicht nachhaltige Materialien schwer anzupassen oder zu ersetzen sind.“ Die zunehmende Verbannung der Autos aus Städten sehen 26 Prozent der Befragten „als wesentlichen Treiber für Nachhaltigkeitsinitiativen im eigenen Unternehmen an“.


Das gewichtigste Argument, das für eine Nachhaltigkeitsstrategie spricht, ist für 42 Prozent das Gewinnen neuer Märkte und Marktanteile sowie die Kundennachfrage. 


(Fotos: CATL)

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