Nissan Juke N-Design DIG-T 117 im Test: Urbaner Hipster mit Substanz

Arne Roller

09 Nov. 2020

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Neun Jahre hielt sich die erste Generation des Juke am Markt. Das spricht für Qualität. Nun hat Nissan das Mini-SUV neu aufgelegt. Vor allem mit N-Design Paket ist der Juke ein wahrer Augenschmaus.

(Fotos: YesAuto)




„Boah“ sage ich, als ich den Juke das erste Mal vor mir sehe, „was für Felgen!“ Ja, mit seinem Exterieur im N-Design-Trimm kann der Nissan Juke mich gleich für sich gewinnen. Die für diese Fahrzeugklasse riesigen 19-Zöller werten das Mini-SUV – oder wie Nissan sagt, das Crossover-Coupé – optisch enorm auf. Das sich farblich absetzende, schwarze Kontrast-Dach tut zum überzeugenden Auftritt sein Übriges.


Scharfe Kanten und Kontraste: Der Nissan Juke der zweiten Generation kommt sehr schnittig daher.


Während der Vorgänger mit seinen aufgesetzten Lichtern enorm polarisierte, ist der neue Juke zwar etwas weniger eigenständig im Design, trifft damit aber sicherlich den Geschmack einer größeren Kundschaft – und bleibt dank vieler scharfer Kanten trotzdem alles andere als langweilig. Auch ohne die verrückten Tagfahrlichter des Vorgängers fällt unser Exemplar in knalligem Fuji Sunset Red und den üppigen, natürlich im trendigen „Kontrast-Design“ in Schwarz und Silber lackierten Felgen definitiv auf. Außen also hui – und innen?



Nissan Juke: Außen hui, innen … konfigurationsabhängig genauso hui


Im Innenraum verfliegt meine Begeisterung urplötzlich, was aber ausschließlich an der Farbkombination des Testwagens liegt: Schwarz mit Orange – „Pfui Deibel!“ „Active“ nennt Nissan diese gewagte Kombo. Ankreuzen bei Bestellung auf eigene Gefahr. Zum Glück gibt’s Alternativen: Ganz nach meinem Geschmack ist das Paket namens „Chic“. Alcantara (!), ja genau, Alcantara gibt’s dann auf dem Dashboard und das Leder kommt ganz in Schwarz. Für mich eine unsagbar gutaussehende Kombination. Ankreuzen bei Bestellung wärmstens empfohlen.

Abgesehen von den Farben ist der Innenraum im Juke mit N-Design-Paket eine echte Wucht in dieser Preisklasse. Die Monoform-Sportsitze mit integrierter Kopfstütze und den BOSE-Lautsprechern sehen nicht nur phänomenal aus, sie sind auch ergonomisch echt gut – aber gewöhnungsbedürftig.


Das BOSE-Personal Plus-Soundsystem mit Lautsprechern in den integrierten Kopfstützen kostet 585 Euro Aufpreis ... die sich lohnen!



Konkret: Mein Nacken gab mir zunächst einmal negative und damit durchaus schmerzhafte Rückmeldung. Die Folge: Ich fluche, innerlich zumindest. Ob es das war, was geholfen hat, bezweifle ich zwar, doch nach einer Eingewöhnungsphase empfinde ich die leicht schrägen Kopfstützen fast schon als hervorragend. Und was sagt mein Nacken? Nix. Er fühlt sich wohl.


Die Sitze im Juke N-Design: Überaus gutaussehend, anfangs gewöhnungsbedürftig, dann hervorragend. (Foto: Nissan)



Bis auf ein kleines Defizit beim Winterkorn-Test (bei Bedarf: „Winterkorn-Hyundai“ googlen) zeigt sich die Materialqualität im Nissan Juke souverän. Konkret: Da scheppert fast nix!

Fürs Dashboard verwendet Nissan zwar nicht das allerschönste Leder (Ich sag’s nochmal: Alcantara ankreuzen!) und auch der Ellbogen liegt am linken Fenster auf Hartplastik. Aber das Sitzleder ist schick und angenehm. Insgesamt ergibt sich dann doch ein sportlich angehauchtes Wohlfühlambiente.


Wer nicht auf orange oder weiß steht, kann Alcantara haben: Wunderschön! (Foto. Nissan)



Nissan Juke: Das Infotainment


In unserem Testwagen ist der größte verfügbare, 8 Zoll messende Touchscreen verbaut. Das Wechseln zwischen Apple CarPlay oder Android Auto und dem Nissan-eigenen Infotainment funktioniert reibungslos, die Steuerung ist angenehm. Auch die Navigation von TomTom ist gewohnt zuverlässig. Wer aber die Smartphone-Einbindung nutzt, wird die Navigation über Google Maps wohl immer als intuitiver empfinden. Demnach könnten Handybesitzer das Kreuzchen bei der Navigation weglassen – bietet Google Maps doch inzwischen auch Offlinekarten für alle Vorausplanenden. Wer trotzdem auf Nummer Sicher gehen will, setzt das Kreuzchen, bekommt dafür drei Jahre lang die Kartenaktualisierung und findet so auch offline immer ans Ziel – fast wie früher.


Apple CarPlay und Android Auto sind über Kabel möglich. (Foto:Nissan)



Die Smartphone-Einbindung und das Aufladen des Handys sind im Juke aktuell nur kabelgebunden möglich. Wer die Wireless-Funktion unbedingt möchte, muss wohl mindestens auf das Facelift warten. Zum modernen Stil des Fahrzeugs würden solche Konnektivitäts-Features, gelinde gesagt, schon heute sehr gut passen. (Ehrlich gesagt: Ein trendiges Lifestyle-SUV schreit geradezu nach Wireless-Anbindung!)



Nissan Juke 1.0 DIG-G 117: Aufgeweckter Dreizylinder mit überraschend knackigem Sound


Den Juke bewegt ein kleiner 1,0-Liter-Dreizylinder-Benziner mit Turboaufladung. Beides, die Zylinderanzahl und der Turbo, sind beim Fahren auch ohne Blick aufs Datenblatt sofort erkennbar. Der Dreizylinder gibt den typischen, röhrigen Sound von sich und der Turbo setzt merklich ab rund 2.000 Umdrehungen ein. Ich persönlich kann mich des Charmes vieler Dreizylinder nicht erwehren. Auf eine gute Art und Weise klingen sie so rau, dass man sich mit ein bisschen Vorstellungskraft fühlt wie in einem Mini-Porsche. Der Juke hat einen gefälligen, kernigen Sound – von innen wie von außen. Ehrlich gesagt: Dieser Sound ist jedem „Normalo-Vierzylinder“ ganz einfach überlegen. Und dazu stehe ich.

Der Juke vermittelt zudem wegen seines straffen Fahrwerks eine gewisse Sportlichkeit, die sich passend zusammenfügt mit dem Äußeren der N-Design-Variante und dem ordentlichen Sound des kleinen Dreizylinders. Es umweht ihn der Hauch eines modernen „hot hatches“, also eines kleinen Sportflitzers, auch wenn der Juke mit seinen 4,21 Metern Länge nicht wirklich klein ist.


Kantig und kontrastreich, der Juke im N-Design macht eine gute Figur.



Der Juke fühlt sich „sportlich“ an und dabei spielt es keine Rolle, dass Schwarz auf Weiß nur 10,4 Sekunden von Null auf Hundert zu Buche stehen. Autofahren hat eben viel mit Gefühl zu tun und der Juke vermittelt mir Anspruch, Sportlichkeit und Urbanität. Anspruch, weil man in den Sportsitzen mit integrierter Kopfstütze sitzt und der Sound aus Lautsprechern vom US-Soundexperten Bose kommt. Sportlichkeit wegen des straffen Fahrwerks und vieler Designelemente (Hallo, unten abgeflachtes Lenkrad!). Das urbane Feeling zu guter Letzt kommt beim Juke vor allem über den Look. Die coupéhaft nach hinten abfallende Dachlinie und die Lackierung in Kontrastfarben liegen ohne Zweifel im Trend.


Am markanten Heck zeigt der Juke seine Identität als N-Design-Version.



Nissan Juke: Drei Fahrmodi zur Auswahl


Dem Fahrer bietet der Juke je nach Lust und Laune drei Fahrmodi an. Sport, Standard und Eco. Im Sportmodus ist das Ansprechverhalten des Gaspedals noch mal direkter. Im Eco-Modus wirkt das Pedal für mich aber ziemlich müde. Für tiefenentspannte Sparfüchse dürfte Eco jedoch erste Wahl sein.


Außerhalb der Stadt kommt der Nissan Juke dank der Fahrwerkauslegung schnell und griffig um die Kurven. Es sei aber gesagt, dass er aber nicht wirklich in die Kategorie „komfortabel“ fällt. Wellen werden nicht unbemerkt ausgeglichen, man spürt sie deutlich. Das finde ich persönlich nicht weiter schlimm, dafür fährt sich der Juke etwas sportlicher und ich erfahre einiges über die Beschaffenheit der Straßen. Komfort-Freunde kommen hier allerdings nicht auf ihre Kosten.



Nissan Juke 1.0 DIG-T 117 6MT: Motor und Getriebe im Zusammenspiel


Das Sechsgang-Getriebe schaltet sich erfreulich knackig, wobei der Schalthebel für noch etwas mehr Sportlichkeit und meinen Geschmack auch noch etwas kürzer hätte sein können. An sich funktioniert die manuelle Schaltung im Juke gut, lediglich mit der Übersetzung des zweiten Ganges kann ich mich einfach nicht anfreunden. In der Stadt gab es einige Situationen, in denen der Juke bei langsamer Fahrt im zweiten Gang nicht so richtig aus den Puschen kam. Beim vorsichtigen Abbiegen oder bei der erfolglosen Parkplatzsuche beispielsweise. Ich möchte in solchen Situationen einfach nicht in den ersten Gang zurückschalten müssen. Der ist zum Anfahren, das war’s. Punkt. Wenn ich schon rolle, sollte es der Zweite tun. Beim Juke gibt mir der zweite Gang leider nicht ganz das Gefühl, dass ich bei einem „normalen“ Gasstoß genug Power bekomme. Er fährt hier untertourig, zittert leicht. Hier sagt der Juke: ganz oder gar nicht. Gar nicht steht hier für die Nutzung des ersten Ganges. Ganz heißt: viel Gas, es wird laut. Und das mag ich nicht, wenn ich in der Nachbarschaft abends um 23:30 einen Parkplatz suche.


Ansonsten gibt mir der Juke aber das Gefühl, ausreichend motorisiert zu sein. Der Durchzug ist bis auf Tempo 150 gut. Eine Reisegeschwindigkeit von 170 fühlt sich keineswegs angestrengt an, der Motor bleibt zurückhaltend. Ein Dank geht an dieser Stelle an den sechsten Gang. Lediglich die Windgeräusche bilden die Soundkulisse. Die Höchstgeschwindigkeit von 180 erreicht das Mini-SUV relativ mühelos.



Zwei mit Outfits für urbane Umfeld: Die "Hipster-Version" von Redakteur Arne Roller und der Nissan Juke N-Design.



Nissan Juke: Die Preise


Unser Testwagen mit N-Design Paket liegt preislich bei 28.288Euro. Wenn man ein paar Extras weglässt, TomTom zum Beispiel, weil man eh Apple CarPlay oder Android Auto nutzt, oder die beheizbare Frontscheibe, weil man da auch warme Luft draufpusten kann, die akustisch wie optisch ansprechende Bose-Anlage aber behält, kommt man bei unter 27.600 Euro raus. Zum Vergleich: Beim Audi Q2 beginnt die Preisliste bei 27.100 Euro. Mit ein paar Extras und dem sportlichen Äußeren einer S-Line-Version ist man hier schnell bei 37.000 Euro.


Mein Fazit:


Mir hat es der Juke designtechnisch angetan. Außen sowie innen. Allradantrieb, eine größere Motorenauswahl sowie induktives Laden und eine kabellose Smartphone-Einbindung fehlen der noch jungen, zweiten Generation. Insgesamt aber macht der Juke sehr viel richtig, sieht gut aus und ist für einen guten Preis zu haben.



Nissan Juke DIG-T 117 6MT: Die Technischen Daten


Fünftürer, fünfsitziges SUV mit Frontantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4210 mm/1800 mm /1595 mm

Radstand: 2636 mm

Kofferraumvolumen: 422 bis 1.305 Liter

Motor: 1,0-Liter-Dreizylinder-Turbobenziner, 86 kW/117 PS bei 5.250 U/min, maximales Drehmoment: 180 Nm bei 1.750-4.000 U/min

0-100 km/h: 10,4 s

Vmax: 180 km/h

Durchschnittsverbrauch (NEFZ): 4,9 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 112 g/km

Abgasnorm: Euro 6d-TEMP

Effizienzklasse: B

Preis: Juke Visia ab 18.998 Euro, Juke N-Design ab 26.212 Euro

Testwagenpreis: 28.288 Euro


Zusatzinformationen

Testverbrauch: 6,9 Liter

Steuer pro Jahr: 54 Euro

Versicherungsklassen KH/VK/TK: 18/18/18

Wartung: 20.000 km/12 Monate

Garantie: 3 Jahre/100.000 km



Arne Roller

09 Nov. 2020