Nissan Qashqai (2021): Posterboy Nummer drei

Arne Roller

17 Sept. 2021

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Der Gründer des Crossover-Segments läuft jetzt in dritter Generation. Beim frühen Erfolg des Qashqai ließen Nachahmer nicht lange auf sich warten. Die Konkurrenz ist inzwischen groß. Kann sich der neue Qashqai als Bestseller behaupten?


Mit einer verbesserten Formel geht der Qashqai seit diesem Jahr in seine dritte Runde. Die neue Version des Verkaufsschlager der Japaner allerdings hat sich gegen viel mehr Konkurrenten zu behaupten als er dies als Pionier in seinen ersten Jahren tun musste. Zu den wichtigsten Konkurrenten zählen Peugeot 3008, Seat Ateca, Škoda Karoq und viele viele mehr. Am oberen Ende des Crossover-Segments bewegt sich der Preis weit in das Premium-Territorium von BMW X1 und Volvo XC40.


Der Qashqai steht jetzt auf der neuen CMF-B-Plattform der Renault-Nissan-Allianz, die 41 Prozent mehr Steifigkeit und eine höhere Crash-Sicherheit bei weniger Gewicht verspricht. So ist die Rohkarosse alleine schon 60 Kilogramm leichter als bei der vorherigen Generation. Dazu kommen eine Motorhaube sowie vordere Türen und Kotflügel aus Aluminium. Die Heckklappe besteht zudem aus einem Kunststoff-Verbundmaterial, was nochmals 2,5 Kilogramm einspart. 


Da man den Qashqais vielerorts sieht, wissen wir, wer ihn fährt: Familien. Also hat Nissan ihn konsequent in diese Richtung weiterentwickelt. Zwar ist er in der Länge (35 mm) und Breite (32 mm) etwas gewachsen und den ebenfalls um 19 Millimeter verlängerten Radstand hat Nissan voll in die Beinfreiheit investiert. Dennoch: Der Qashqai bleibt mit dem geringen Wachstum schön “stadttauglich” und verfügt optional über eine umfassende Einparkhilfe samt 360-Grad-Kamera. Der Kofferraum ist groß, vielseitig, abwischbar und “kinderwagenfreundlich”. Und die Hintertüren öffnen sich ungewöhnlich weit (85 Grad), um die Kinder leichter in ihre Sitze bugsieren zu können.



Nissan Qashqai: Motorisierung


Als Motor wird zunächst ausschließlich 1,3-Liter-Vierzylinder mit Mild-Hybrid-Unterstützung in zwei verschiedenen Leistungsstufen (140 und 158 PS) angeboten. Das Derivat mit 140 PS und 240 Newtonmeter ist mit einer 6-Gang-Schaltung gekoppelt und treibt die Vorderräder an. Die 158 PS starke Version kommt entweder mit dem gleichen Schaltgetriebe (260 Newtonmeter) oder einem CVT-Getriebe. In Kombination mit letzterem, Xtronic genannten Getriebe ist der Qashqai auch als Allradler zu haben. (270 Newtonmeter), das bei Nissan "Xtronic" heißt, und ebenfalls die Vorderräder bedient.


In den Mildhybrid-Varianten treibt ein Riemen-Starter-Generator ein Start-Stopp-System an, das Drehmoment in den Antriebsstrang bringt und eine kraftstoffsparende Segelfunktion möglich macht. Nissan geht hier mit einem 12-Volt-Starter-Generator einen eigenen Weg. Das ganze System wiegt lediglich 22 Kilogramm und befeuert den Antriebsstrang mit drei zusätzlichen Newtonmetern. Insgesamt soll eine Einsparung von bis zu vier Gramm CO₂ pro Kilometer möglich sein.


Ein Diesel ist beim Qashqai nicht mehr im Angebot. Im nächsten Jahr allerdings soll ein serieller Vollhybrid namens "ePower” das Motorenportfolio bereichern. 



Nissan Qashqai: Kantig und kontrastreich 


Der neue Qashqai zeigt sich deutlich kantiger und muskulöser als der Vorgänger, ist aber noch immer als Qashqai zu erkennen. An der Front ist der Grill gewachsen, die Scheinwerfer flankieren ihn in nun deutlich schmalerer Form und verbinden sich mit der großen, V-förmigen Umrandung des Grills.


Die 20-Zöller und die rot-schwarzen Kontraste sorgen für einen kraftvollen Auftritt.


Unser Testwagen steht auf großen 20-Zöllern, was ihm sehr gut steht. Aber Achtung: Die Basisversion kommt auf 17-Zoll-Stahlfelgen daher. In 2021 doch sehr “oldschool”. 

 


Nissan Qashqai: Aufgewertetes Interieur & Konnektivität auf hohem Niveau


Der Innenraum der dritten Generation stellt einen riesigen Sprung nach vorne dar. Hier übertrifft der Qashqai eindeutig viele seine Konkurrenten. Leder mit Ziernähten, ein sportlich unten abgeflachtes Lenkrad und die Oberflächen Hochglanz-Schwarz über Aluminium zu gemaserten Flächen die von japanischem Holz inspiriert sind – bringen einen Luxus-Touch ins Interieur. 


Auf neuem Niveau: Der Innenraum ist deutlich aufgewertet. (Foto: Nissan)


Die Top-Ausstattung des Qashqai namens Tekna+ beinhaltet zahlreiche Luxus-Features wie gesteppte Lederpolster, elektrisch verstellbare Vordersitze mit Heizung, Massage- und Memory-Funktion, ein beheizbares Lenkrad, ein feststehendes Glasdach und eine automatische Heckklappe. In Anbetracht weiterer Optionen wie Head-up-Display und Matrix-LED-Scheinwerfern ist es durchaus eindrucksvoll, wie sehr man dieses Kompakt-Crossover ausstaffieren kann. 


Auf der Höhe der Zeit: Optional bietet der Qashqai drahtlose Smpartphone-Integration und eine induktive Ladestation. (Foto: Nissan)


Im Qashqai gibt es für einige der wichtigsten Funktionen weiterhin Knöpfe, was viele Kunden freuen dürfte. Vor allem, da sich die Staffage an Drückern und Reglern wertig anfühlt. Hier hat sich Nissan diesmal besonders viel Mühe gegeben. Beim Drehen und Drücken wird der Tastsinn mit “taktilem Feedback” umschmeichelt.


Erfrischend: Die Klimasteuerung läuft im neuens Qashqai komplett über Tasten. (Foto: Nissan)


Und auch der Hörsinn verwähnt Nissan: Um das zu schaffen, haben sie sich bei der Kreation neuer Warntöne mit dem japanischen Videospielproduzenten Bandai Namco zusammengetan. Und das Ergebnis kann sich hören lassen: Selten gab es einen angenehmeren Ton, der mich daran erinnert hat, mich anzuschnallen. Die ganze Bandbreite der neuen Töne und wie sehr sie sich von den (teilweise penetranten) alten Signalen unterscheiden, zeigt dieses Video:



Haptik und Sound also bewegen sich auf hohem Niveau. Nicht ganz so frisch sind die Menüs des Infotainment-Systems. Ganz ehrlich? Macht überhaupt nichts, wenn man sowieso die ganze Zeit kabellos über Apple CarPlay operiert.


Nicht ganz auf der Höhe der Zeit: Die Grafiken in den Infotainment- Menüs. (Foto: Nissan)


Wer die Smartphone-Integration hingegen nicht nutzt, muss sich leider mit etwas veraltet wirkenden Grafiken in den Menü-Designs zufriedengeben. 



Nissan Qashqai: Rückbank


Wenn man die Verbesserungen des Qashqai der dritten Generation isoliert betrachtet und nur an seinem Vorgänger misst, dann hat Nissan hier gute Arbeit geleistet. Die Kniefreiheit ist um 20 Millimeter gestiegen, und um die Schultern gibt es jetzt 28 Millimeter mehr Platz. Die Insassen im Fond werden sich kaum beschweren, denn auch mit über 1,80 Metern Größe bleiben gute 7,5 Zentimeter Platz für Knie und Kopf hinter einem ebenso großen Fahrer.

Wie schon erwähnt, öffnen sich die hinteren fast bis zu einem 90-Grad-Winkel. Ansonsten sieht es mit cleveren Details eher mau aus. Einen Skisack gibt es nicht, die hinteren Fenster öffnen sich nur halb und auch die Rückbank ist nicht verschieb- oder ausbaubar, wie sie es zum Beispiel bei manchen Versionen des Škoda Karoq ist.  



Nissan Qashqai: Kofferraum


Auch hier gibt es einen Platzzuwachs zu verzeichnen. 504 Liter und damit 74 Liter mehr als zuvor passen in den Kofferraum in seinem Normalzustand. Bei umgeklappter Rückbank erweitert sich das Ladevolumen auf 1.598 Liter. Das sind ganze 192 Liter mehr als bei einem Mazda CX-30, aber auch 57 weniger als beim Volkswagen Tiguan. 


Ladevolumen der Kompakt-SUV/Crossover:


  1. Hyundai Tucson (620-1.799 Liter)
  2. Volkswagen Tiguan (615-1.655 Liter)
  3. Skoda Karoq (521-1.630 Liter)
  4. Seat Ateca (510-1.604 Liter)
  5. Nissan Qashqai (504-1.598 Liter)
  6. BMW X1 (505-1.550 Liter)
  7. Kia Sportage (503-1.492 Liter)
  8. Peugeot 3008 (520-1.482 Liter)
  9. Mazda CX-30 (430-1.406 Liter)
  10. Volvo XC40 (450-1.321 Liter)


Was gibt’s noch zu sagen? Die Laderaumabdeckung des Qashqai lässt sich unter dem Kofferraumboden verstauen und der teilbare Ladeboden kann als praktischer Raumtrenner eingesetzt werden. 


Der variable Laderaumboden lässt sich auch als praktischer Raumteiler verwenden. (Foto: Nissan)


Nissan Qashqai 1.3 DIG Xtronic DCT: Fahrverhalten 


Das brandneue CVT ist ein zweischneidiges Schwert: In der Stadt fehlt es ihm an Feinabstimmung. Geht man von der Bremse, geht häufig kleiner Ruck durchs System. Gefühlt gibt es einen kleinen Gasstoß ohne eine Betätigung des Gaspedals. Das Fahren in der Stadt ist daher bisweilen etwas hakelig.


Ein großes Lob verdient das CVT-Getriebe hingegen außerhalb der Stadt. Hier kommt dem Qashqai seine gute Dämmung zugute. Motor und Getriebe verhalten sich bis Tempo 150 angenehm ruhig. Von den Schaltvorgängen und dem Geräuschpegel ist dieses CVT-Getriebe das Beste, das ich bisher erlebt habe. Es hält sich geräuschtechnisch wesentlich mehr zurück als andere Getriebe dieser Bauart. 


Sportlich sind CVT-Getriebe dennoch bekanntlich nicht: Die lange Gedenksekunde bei Vollast auch im Sportmodus des Qashqai vorhanden  unterstreicht das. Dennoch: der Sportmodus ist wesentlich fahraktiver als die beiden anderen Modi Eco und Standard. Mit der “grünen Spareinstellung” wird das Gaspedal des Qashqai sehr weich, weshalb ich im Alltag meist im Standardmodus unterwegs war. 

Die Federung des Qashqai ist straff, aber nicht hart, die Vorderachse des Fronttrieblers sehr kontrolliert. Die Felgen beim Qashqai gehen bis zu einer Größe von 20 Zoll die Versionen mit dieser maximalen Radgröße sowie die Allradversionen verfügen hinten über eine raffinierte Mehrlenkeraufhängung. Das sorgt für eine präzisere Lenkung und hebt den Fahrkomfort. 



Nissan Qashqai (2021) : Ausstattung & Preise


Der Qashqai glänzt mit einem günstigen Einstiegspreis von 25.790 Euro. Allerdings lässt die Basisvariante vor allem in der heutigen Zeit einige Wünsche offen. Nicht nur, dass sie wie angesprochen auf Stahlfelgen vorfährt, fehlt auch ein Touchscreen. Ein Radio ohne Bildschirm im Jahr 2021, das ist schon eine Rarität. 

Serienmäßig sind die LED-Scheinwerfer, ein 7-Zoll-Fahrer-Informations-Display, eine Einparkhilfe hinten, Fahrlichtautomatik samt Fernlichtassistent, eine manuelle Klimaanlage und folgende Sicherheitssysteme: 


  • adaptiver Tempomat
  • Müdigkeits- und Verkehrszeichenerkennung
  • aktiver Spurhalteassistent
  • Totwinkel-Assistent
  • Querverkehrswarner
  • Notbremsassitent


Der kleine 8-Zoll-Touchscreen hält ab der Ausstattungsvariante Acenta Einzug. Außerdem gibt hier eine Rückfahrkamera, eine Zwei-Zonen-Klimaautomatik, den “Intelligent-Key” mit Start-/Stopp-Knopf und Keyless-Entry sowie 17-Zoll-Leichtmetallfelgen.

Drei weitere Ausstattungsvarianten namens N-Connecta, Tekna und Tekna+ können gewählt werden. Außerdem gibt’s diverse nützliche Pakete zur Auswahl: Wenn einem zum Beispiel die Variante N-Connecta mit dem jetzt 12,3 Zoll großen Fahrer-Informations-Display und dem 9-Zoll-Touchscreen eigentlich reicht, man aber unbedingt das 10,8-Zoll große Head-up-Display haben möchte, dann bucht man das Technikpaket. Das Head-up-Display kommt übrigens ganz ohne Plastikscheibe aus, ein waschechtes, auf die Scheibe projiziertes HUD eben. Auch wer gerne die drahtlose Smartphone-Integration und eine 360-Grad-Kamera haben möchte, kann dies bei der N-Connecta-Variante extra buchen. Wer auf die moderne Technik wert legt, muss also zu N-Connecta oder höher greifen, die bei 32.890 Euro startet. Die Voll-LED-Matrix-Scheinwerfer verlangen allerdings nach Tekna und damit mindestens 36.240 Euro. 


 

Nissan Qashqai: Fazit


Der Qashqai ist heutzutage Crossover-Establishment und nicht mehr ein eindeutiger Primus des Segments. Aber es ist auch schwer, gegen ihn zu argumentieren. Auch wenn er es nicht mehr so leicht hat wie früher, ist er mit nützlichen Features wie drahtloser Smartphone-Integration, Matrix-LED-Scheinwerfern und einem richtigen Head-up-Display auf Höhe der Zeit. Der Innenraum der neuen Generation ist sehr gut gelungen und bietet zudem viele Komfort-Features wie Massagesitze und Lenkbeheizung. Auch ohne für Premium draufzuzahlen, kann man es sich hier also für einen gesunden Preis gutgehen lassen. Eine große Zahl glücklicher Qashqai-Kunden steht sicher schon bereit, das alte Schätzchen gegen einen neuen Qashqai einzutauschen. 


 


Nissan Qashqai 1.3 DIG N-CONNETCA DCT: Technische Daten


Fünftürer, fünfsitziger Kompakt-Crossover mit Frontantrieb

Länge/Breite/Höhe: 4.425 mm/1.835 mm/1.625 mm

Radstand: 2.665 mm  

Kofferraumvolumen: 430 bis 1.598 Liter

Motor: 1,3-Liter-Reihenvierzylinder-Turbobenziner, 116 kW/158 PS bei 5.500 U/min, maximales Drehmoment: 270 Newtonmeter bei 1.800 – 3.750 U/min,

Motorposition: Frontmotor, quer verbaut

Antrieb: Vorderradantrieb

Getriebe: CVT

Leergewicht: 1.468-1.586 Kilogramm

0-100 km/h: 9,2 s

Vmax: 199 km/h

Durchschnittsverbrauch: 5,5 l/100 km

CO2-Ausstoß (NEFZ): 125 g/km

Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM

Einstiegspreis Qashqai: 25.790 Euro

Testwagenpreis: 39.380 Euro

 

Zusatzinformationen

Testverbrauch: 7,3 Liter

Versicherungsklassen KH/VK/TK: 14/21/23

Wartung: 30.000 km/12 Monate 

Garantie: 3 Jahre/1000.000 km


Arne Roller

17 Sept. 2021