Opel Ampera: Happy Birthday!

Mathias Keiber

17 Feb. 2021

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Viel cleverer als das Gros der heutigen Plugin-Hybride, im Endeffekt wohl seiner Zeit voraus – der Opel Ampera wird 10 Jahre alt.

(Fotos: Opel)


Mit dem Ampera auf Basis des Chevrolet Bolt war Opel früh dran in Sachen Elektromobilität. Bei seinem Verkaufsstart Ende 2011 war es das erste Elektroauto mit Reichweiten-Verlängerer eines europäischen Herstellers. Das mediale Echo war seinerzeit überaus positiv: Eine internationale Journalistenjury kürte das Auto und sein Schwestermodell zum „Europäischen Auto des Jahres 2012“. Im selben Jahr konnte der Ampera bei seiner ersten Teilnahme den Sieg bei der 13. Ausgabe der Internationalen Rallye Monte Carlo für Elektroautos und alternative Antriebe einfahren. Ebenfalls 2012 startete der ADAC mit dem Ampera einen Langzeittest: In acht Jahren ist das Auto mehr als 200.000 Kilometer unterwegs gewesen.

Mit 6.631 verkauften Fahrzeugen und einem Marktanteil von 21 Prozent am elektrischen Pkw-Segment wird er 2012 zur meistverkauften Elektrolimousine in Europa. Bei Produktionsauslauf 2015 waren mehr als 10.000 Ampera auf den Straßen unterwegs. Zur Wahrheit gehört aber auch: Ein Verkaufsschlager war der Ampera nicht. Gewissermaßen war er seiner Zeit voraus.


Die für das Elektroauto entwickelte 16‑kWh-Lithium-Ionen-Batterie versorgte den 150 PS starken Elektromotor mit Energie, angetrieben wurde es permanent elektrisch über die Vorderräder. Rein elektrisch waren Distanzen zwischen 40 und 80 Kilometer drin, je nach dem. Die echte Stärke des Antriebs wurde damals jedoch gar nicht als solche wahrgenommen. Das Paradoxe: Wenn der neue Nissan Qashqai diese Woche vorgestellt wird, wird ein ähnlicher Antrieb vermutlich gefeiert werden, und das auch nicht zu unrecht.


Konkret: Mit dem Benzinmotor als Range Extender konnte der Ampera Entfernungen von mehr als 500 Kilometern zurücklegen. Der Benziner wurde nicht zum Antrieb genutzt, sondern nur um die Batterie zu speisen. Nach den damals gültigen NEFZ-Vorschriften zur Ermittlung von Kraftstoffverbrauch und CO2-Emissionen benötigte der Ampera 1,2 Liter Benzin auf 100 Kilometer und emittiert kombiniert 27 Gramm CO2 pro Kilometer.

Seine unmittelbar anliegenden 370 Newtonmeter Drehmoment beschleunigten das Auto in rund 9 Sekunden von null auf 100 km/h. Die Höchstgeschwindigkeit war elektronisch auf 161 km/h begrenzt – viele Elektroautos regeln heutzutage bei 150 oder weniger Stundenkilometern ab.


Herz des Ampera war das elektrische „Voltec“-Antriebssystem: Es bestand aus einem Haupt-Elektromotor, einem zweiten, größtenteils als Generator fungierendem Elektromotor sowie einem sogenannten „Planetengetriebe“. Im Gegensatz zu konventionellen Antriebssystemen gab es im Ampera kein Getriebe mit gestuften Gängen. Der Modus zur Verlängerung der Reichweite aktivierte sich immer dann, wenn der Ladezustand der Batterie ein definiertes Minimum erreicht hatte. Dann startete der 86 PS starke 1,4-Liter-Benziner automatisch und trieb den Generator zur nahtlosen Stromversorgung des Elektromotors an.

Vier Fahrmodi gab es: Im „Sport“-Modus änderte sich gegenüber „Normal“ das Ansprechverhalten des Gaspedals mit einem spontaneren Drehmoment-Einsatz. Auf längeren Gebirgsstrecken sorgte der „Berg“-Modus dafür, dass ausreichend Leistung abrufbar war, während sich im „Hold“-Modus der Generator einschaltete und die Batterie auf ihrem aktuellen Ladezustand hielt. Die Batterie wog 198 Kilogramm, hatte ein Speichervermögen von 16 kWh und bestand aus insgesamt 288 Zellen.


Rund vier Jahre wurde der Ampera produziert. Ende 2015 war Schluss. Man muss es wohl so sagen: Die Welt war noch nicht bereit für ein solches Auto. Zwar war der Dieselskandal bereits bekannt, die konkreten Folgen jedoch nicht. Anders gesagt: Die aktuelle Innovationsprämie von Bundesregierung und Herstellern lag noch viereinhalb Jahre in der Zukunft.

Vielleicht hätten im zweiten Halbjahr 2020 mehr Ampera in Deutschland Käufer gefunden als sie es in den vier Jahren ihrer Produktion weltweit taten. Selbst die zum Start ab 47.500 Euro erhältliche „Komfort Edition“ wäre mit 7.500 Euro förderfähig gewesen, die Basisversion ab 45.900 Euro sowieso. Opel selbst hatte den Ampera schon ab September 2013 ab 38.300 Euro angeboten. Zieht man davon 7.500 Euro ab, hätte man in der zweiten Jahreshälfte 2020 vermutlich einen Verkaufsschlager gehabt. Allein – es hat sich sollen sein.


Und heute so? „Wenn wir die künftigen Klimaziele erreichen wollen, muss der Anteil elektrischer Autos deutlich steigen“, sagt Opel-Chef Michael Lohscheller. Dementsprechend soll das Opel-Portfolio bis Ende des Jahres neun elektrifizierte Fahrzeuge umfassen. Konkret die Modelle Corsa-e, Mokka-e, Zafira-e Life, die Grandland-X-Plug-in-Hybride, die nächste Astra-Generation, die Nutzfahrzeugen Combo-e, Vivaro-e und den Movano. Bis 2024 will Opel für jedes Modell eine elektrifizierte Variante im Programm haben.


Der Ampera wird historisch aber wohl leider eine Randnotiz bleiben. Leider. Denn das Auto hätte mehr verdient gehabt.

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Mathias Keiber

17 Feb. 2021