Opel-Chef: „Wer gegen individuelle Mobilität ist, der ist auch gegen Wohlstand“

Mathias Keiber

13 Sept. 2021

In einem seiner ersten Interviews als Opel-Chef sagt Uwe Hochgeschurtz, auf welchen neuen Märkten die Marke mit dem Blitz einschlagen will, wie sich Opel im Stellantis-Konzern profiliert und was er von der nächsten Bundesregierung erwartet.

YesAuto: Herr Hochgeschurtz, der Opel Corsa war letztes Jahr der meistverkaufte Kleinwagen Deutschlands. Jetzt kommt der neue Astra, der sich früher hierzulande mit dem VW Golf regelmäßig ein Kopf-an-Kopf-Rennen lieferte. Wo soll der neue Astra absatzmäßig hin? Gibt es einen Maßstab?

 

Uwe Hochgeschurtz: Natürlich setzen wir uns intern ehrgeizige Ziele und die erste Resonanz von Medien und Kunden ist auch hervorragend. Aber gerade in der Zeit der Halbleiterkrise ist es nicht seriös möglich, präzise Volumenziele zu nennen. Wir wollen natürlich generell unsere Position verbessern und wachsen, natürlich niemals auf Kosten der Profitabilität oder der C02-Bilanz, das ist vollkommen klar. Und weil der neue Astra ein klasse Auto ist, wunderschön designt, vollgepackt mit sinnvollen Technologien, sind wir sehr zuversichtlich, dass uns das gelingen wird.

 

Einen der frei gewordenen Plätze unterhalb des Corsa nimmt jetzt der Rocks-e ein, eine Adaption des Citroën Ami mit Opel-Vizor. Oberhalb von Insignia oder Grandland gäbe es auch noch Platz – und konzerninterne Anknüpfungspunkte, den Citroën C5 X zum Beispiel. Ist eine Rückkehr von Opel in die Oberklasse denkbar?

 

Mit den Modellen Mokka, Grandland und Astra treten wir in vielen Segmenten in Europa dieses Jahr komplett neu an – und damit decken wir einen großen Teil des Marktes ab. Wenn sich Segmente neu auftun, dann schauen wir uns das genau an. Klar ist: Die richtige Technologie muss verfügbar sein, gerade in Bezug auf Elektrifizierung. Außerdem muss es sich lohnen. Aktuell sind wir gut aufgestellt. Verändert sich in den Segmenten jedoch etwas, sind wir eine Marke, die sehr schnell reagieren kann.

 

Stichwort Marken: Wie grenzt sich Opel innerhalb des Stellantis-Konzerns zu Marken wie Peugeot und Citroën ab?

 

Ganz einfach: Opel ist die einzige deutsche Marke im Stellantis-Konzern. Wir entwickeln, designen und produzieren in Deutschland. Wer ein deutsches Auto haben will, bekommt das im Stellantis-Konzern nur von Opel. Das ist ein klares Differenzierungsmerkmal. Ein weiteres ist unser emotionales Design: Wir sind mit dem Vizor unverwechselbar, wir heben uns deutlich ab. Nicht zuletzt differenzieren wir uns auch über den starken Verkauf und Vertrieb unserer Opel-Handelspartner.

 

Welche Rolle wird das Rüsselsheimer Entwicklungszentrum künftig im Stellantis-Konzern spielen?

 

Es ist ein ganz integraler Bestandteil des konzernweiten Engineering-Verbunds. Hier werden ja nicht nur die Opel-Modelle entwickelt, sondern auch wichtige Aufgaben für den gesamten Konzern übernommen, etwa die Entwicklung der Brennstoffzellentechnologie.

 

Opel will bis 2024 sein komplettes Portfolio elektrifizieren, ab 2028 soll es in Europa nur noch Elektroautos von der Marke mit dem Blitz geben. Welche Rolle spielt die Brennstoffzelle dabei?

 

Im Moment sehen wir einen klaren Trend zu batterieelektrischen Fahrzeugen und deshalb fließen auch die Investitionen in diese Richtung. Der batterieelektrische Antrieb wird unsere Industrie in den nächsten Jahren dominieren, das ist vollkommen klar. Aber: Es gibt natürlich auch andere Technologien, dazu gehört die Brennstoffzelle. Sie kann in einigen Bereichen relativ schnell eine wichtige Rolle spielen. Zum Beispiel bei den Nutzfahrzeugen, die aufgrund ihres Gewichts besser dafür geeignet sind als klassische Pkw. Wir haben viele Jahre Erfahrung mit der Brennstoffzelle und bringen noch dieses Jahr das Nutzfahrzeug Vivaro-e Hydrogen auf den Markt.


Im Bereich Pkw also eher keine Brennstoffzelle? Der Wirkungsgrad von Wasserstoff ist ja auch ziemlich bescheiden.

 

Heute spricht bei Pkw in der Tat alles für den batterieelektrischen Antrieb. Aber das kann sich ändern. In Zukunft wird es sicher neue Erfindungen und Patente geben. Und auch wenn heute noch nichts darauf hindeutet: Vielleicht wird ja etwas dabei sein, das den Wirkungsgrad von Wasserstoff signifikant verbessert. Man sollte bedenken: Auch der batterieelektrische Antrieb hat nach heutigen Maßstäben lange gebraucht, um sich durchzusetzen. Dann kam ein Wendepunkt, seitdem wird exponentielles Wachstum generiert. Wir bleiben agil!

 

Außerhalb Europas hat der Absatz von Opel im letzten Jahr um 50 Prozent zugelegt. In welchen internationalen Märkten sehen Sie weiteres Wachstumspotenzial?

 

Klarer Fall: China ist der größte Automarkt der Welt. Wer dort nicht ist, verzichtet auf einen ganz großen Teil des Kuchens. Das wollen wir nicht, also planen wir dort auch den Markteintritt. Allerdings gibt es noch weitere interessante Wachstumsmärkte, auf denen wir unser Geschäft aufbauen, wie etwa in Lateinamerika. Generell gilt: Der Weltautomobilmarkt teilt sich zwar in drei große Regionen auf, Amerika, Asien und Europa. Doch wir vernehmen eine zunehmende Homogenisierung der Regularien, das erleichtert uns die Internationalisierung.

 

Lassen Sie uns über die Bundestagswahl sprechen. Zu welcher Regierungskoalition es auch kommen wird: Fest steht, die Klimapolitik wird weiter anziehen, die Herausforderungen für die Branche noch größer werden. Was ist aus Ihrer Sicht staatlich notwendig, um Deutschland als Autoland zu erhalten?

 

Stabilität ist das erste, was wir nach den Wahlen brauchen. Ich wünsche mir eine nachhaltige Ordnungspolitik, sprich klare Rahmenbedingungen für die Zukunft, die wir für unsere Planungssicherheit brauchen. Dazu gehören auch langfristige und realistische Ziele zu den CO2-Emissionen. Wichtig ist auch: Individuelle Mobilität ist Grundlage für Wohlstand und Beschäftigung. Und wenn man ideologisch gegen individuelle Mobilität ist, dann ist man auch gegen Wohlstand.

 

Individuell mobil wird man künftig auch wieder im Manta sein können, den Opel als Elektroauto zurückbringt – zur Enttäuschung vieler Fans aber als Crossover. Ist das klassische Sportcoupé als Karosserieform im Volumensegment tot?

 

Wenn man sich die Zahlen anschaut, dann stellt man schon fest, dass das Volumen von klassischen Sportcoupés nicht gerade hoch ist. Da muss man schon ehrlich zu sich selbst sein. Das Design des nächsten Manta steht zwar noch nicht fest. Klar ist aber schon jetzt: Bestimmte Designelemente vom alten Manta wollen und werden wir natürlich übernehmen, weil sie für die Tradition der Marke stehen.

 

Letzte Frage: Was ist Ihr Lieblingsmodell von Opel und warum?

 

Da zögere ich gar nicht lang: Das ist ganz klar der Opel GT! Der GT ist für mich eine Ikone – nicht nur unter den deutschen Sportautos, sondern weltweit. Dabei haben wir ihn gar nicht weltweit angeboten. Verbreitet hat er sich trotzdem in alle Herren Länder. Ein absolutes Traumauto eben.  


Vielen Dank für das Gespräch, Herr Hochgeschurtz. 

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Mathias Keiber

13 Sept. 2021