Opel Mokka E: Der kann viel, aber noch lange nicht alles

Attila Langhammer

24 Nov. 2021

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Als vollelektrisches Klein-SUV hält der Opel Mokka E ein paar Überraschungen parat, die Du unbedingt vorher kennen solltest. Wenn Du das hier liest, weißt Du, ob und wie Du mit dem Modell vielleicht was anfangen kannst

YesAuto Bewertung:

73/ 100

Diese Bewertung wird durch unser Team nach umfangreichen Tests des Autos verfasst.

YesAutos umfassende Bewertungskriterien berücksichtigen jeden Aspekt eines Autos. Außerdem berücksichtigen sie, wie das Auto in Verhältnis zu anderen Autos der gleichen Kategorie steht. Unten sind die Kriterien, nach den jedes Auto bewertet wird, aufgelistet. Die Autos können pro Kriterium maximal 10 Punkte erhalten, was zu einer Note von insgesamt 100 Punkte führen kann.

  • Qualität und Design der Fahrzeuginnenausstattung
  • Fahrzeuginnenausstattung bezüglich der Technologie
  • Innenraummaße
  • Kofferraum
  • Motorleistung
  • Sparsamkeit des Motors
  • Fahrt und Komfort
  • Handling
  • Antriebs- und Sicherheitstechnologie
  • Gebrauchstauglichkeit

Elektroautos werden, statt nach Leistungsfähigkeit und Sparsamkeit, mit bis zu 10 Punkte nach den folgenden Aspekten bewertet:

  • Batterie und Motor
  • Reichweite und Ladegeschwindigkeit

Der erste Opel Mokka (2012-2019) kam für Opel zur rechten Zeit und entpuppte sich als echter Überraschungshit – wenn Du Dich für den interessierst, dann schau in unsere Gebrauchtwagen-Kaufberatung zum Mokka A. Der Nachfolger, mit dem Opel die Erfolgswelle weiter reiten will, steht seit März diesen Jahres bei den Händlern. Und erstmals gibt's vom Mokka nun auch ein batterieelektrisches Model – den Mokka E.


Ein Opel mit französischen Genen


Die zweite Generation des Opel Mokka basiert auf der Common Modular Plattform (CMP) des französischen PSA-Konzerns, fühlt sich aber trotzdem ausreichend eigenständig an. Er ist 4,16 Meter lang, mit Spiegeln noch knapp unter zwei Meter breit und das Raumangebot ist ähnlich wie beim Vorgänger vor allem auf die Personen zugeschnitten, die bevorzugt in der ersten Reihe Platz nehmen werden. Dort finden auch Großgewachsene auf jeden Fall gut Platz und in der Regel auch eine ordentliche Sitzposition. Der Fond ist für Erwachsene eher eng, aber dank zweier Kniffe können Sie es dort trotzdem gut aushalten: zum einen passen auch dicke Winterstiefel noch unter die hohen Konsolen der Vordersitze, das relativiert den schmalen Beinraum; zum anderen ist nach oben, also überm Kopf, sehr viel Platz.

Der Kofferraum fasst 310 bis 1060 Liter, gegenüber seinen konventionell angetriebenen Zwillingsmodellen verliert er aufgrund der E-Technik rund 40 Liter. Trotzdem sind die Ladewerte in der Klasse noch konkurrenzfähig. Weniger schön ist, dass es den doppelten Kofferraumladeboden nur mit der Ausstattungslinie Elegance, nicht aber für die Basis gibt. Den ohne den doppelten Ladeboden steht der äußeren Ladekantenhöhe von etwa 76 Zentimetern innen ein Absatz gegenüber und das macht das Einladen von schweren Kisten und Koffern unangenehm. Genau so unschön ist die Lage von Heckklappenöffner und -griff. Zum Entriegeln musst Du oberhalb des Kennzeichens an den Stoßfänger langen und um die Klappe aufzuziehen musst Du entsprechen das untere Ende der Heckklappe anpacken: beides Orte die bei Schmuddelwetter in Rekordzeit verschmutzen. Warum wird an solchen Stellen nicht fünf Minuten länger überlegt?


Elektrotechnik im Opel Mokka E


Im Opel Mokka E steckt ein Lithiumionenakku mit einer Netto-Kapazität von 46 kWh. Die Vorderräder werden von einer permanenterrgten Synchronmaschine mit bis zu 100 kW Leistung und 260 Nw Drehmoment angetrieben, denn die maximale Leistung steht nur im Sportmodus zur Verfügung. Bleibst Du im voreingestellten Normal-Modus, stehen Dir 80 kW und 220 Nm zur Verfügung, im Eco-Modus gar nur 60 kW und 180 Nm. Beim Fahren macht sich das aber nicht so dramatisch bemerkbar, wie es die Zahlen vielleicht vermuten lassen, einzig das Gaspedal fühlt sich entsprechend zäher an, wenn Du in die schwacheren Stufen wechselst, dafür nimmt die theoretische Restreichweite deutlich zu – die Differenz zwischen Sport und Eco liegt bei etwa 30 Kilometern. Widersinnig erscheint mir allerdings, dass der Mokka E auch im langsameren und schwächeren Eco-Modus die Höchstgeschwindigkeit von 150 km/h erreicht. Eine gesonderte Rekuperationsstufe steht zur Wahl aber One-Pedal-Drive ist mit dem Elektro-Mokka nicht möglich.

Der Ladeanschluss sitzt links hinten – beim Laden im öffentlichen Raum hantierst Du also auf der Straße


Wenn Du so einen Basis-E-Mokka zum Listenpreis von 34.110 Euro kaufst, dann bekommst Du also oben beschriebene Antriebstechnik mit einem Ladeanschluss, der maximal 7,4 kW packt – und dazu ein simples Hausladekabel mit einer maximalen Ladeleistung von 1,8 kW. Das Upgrade auf einen dreiphasigen Onboardladeanschluss der 11 kW packt kostet 1190 Euro, oder Du nimmst ein Modell ab der zweiten Ausstattungslinie (+ 3190 Euro), ab da ist der 11-kW-Onboardlader Standard. Für ein Hausladekabel, das mit 3,6 kW lädt berechnet Opel 100 Euro und für ein Kabel, das Du an vielen öffentlichen Ladesäulen brauchst 280 Euro. Ein flexibles Ladekabel mit drei verschiedenen Anschlüssen kostet 790 Euro. Aufgrund eines kleinen Kabel-Gates konnte ich ausschließlich an Schnellladern Strom tanken und kann zum Heim-Laden nix sagen.


Auf der Autobahn gab's unter anderem einmal 21 kW in 38 Minuten aber auch 18 kW in 50. Und geladen habe ich viel, denn der Mokka hatte mächtig Bock auf Saft. Zu Gute halten muss ich ihm, dass die Temperatur während des gesamten Testzeitraums zwischen null und fünf Grad Celsius lag, der Drehtag mit sieben bis acht Grad war die einzige Ausnahme. Aber diese Relativierung meinerseits wird dadurch relativiert, dass ich die allermeisten Testkilometer im Eco-Modus, also nur mit 60 Prozent der theoretische verfügbaren Motorleistung unterwegs war. Und da schlägt der Verbrauch von rund 21 kWh auf 100 Kilometer ziemlich heftig ins Kontor. Von den 330 Kilometer Reichweite, die mir der Bordcomputer nach dem Vollladen anzeigte, waren nach hundert gefahrenen Kilometern nur noch hundert übrig – eine Überraschung der unangenehmen Art.

Abgesehen von den Verbrauchsabweichungen fuhr der Mokka aber richtig gut: das Fahrwerk leicht straff, aber noch komfortabel, mit dem schweren Akku im Bauch wirkt er lediglich auf dicht folgenden Unebenheiten ein wenig unterdämpft und neigt zum Nachhoppel. Die Lenkung führt den Mokka präzise und lässt nichts zu wünschen übrig, auch der Geräuschkomfort ist absolut okay.


Es gibt auch Konnektivität ohne Stecker


In puncto aktiver Sicherheit ist beim Mokka einiges möglich, aber serienmäßig gibt's an erwähnenswerten Umfängen nur einen Notbremsassistenten inklusive Fußgängererkennung, der bei Stadtgeschwindigkeit funktioniert; außerdem einen Spurhaltehelfer, der auch leichte Lenkimpulse gibt – funktioniert gut und auf sehr angenehme Art – sowie Müdigkeitserkennung. Aller anderen verfügbaren Helfer müssen zugekauft werden; oder Du entscheidest Dich für die Topausstattung Ultimate (41.220 Euro), die hat alle Helfer an Bord.

Der Mokka ist zum Glück kein Touch-Totalausfall...


Die sehr sinnvolle Rückfahrkamera kostet 490 Euro, ab der zweiten Ausstattungslinie gehört sie zum Standardumfang. Für 760 Euro erhältst Du einen Helfer, der Dir das Einparken komplett abnimmt – der Typ ist aber verwöhnt und steigt nur bei der Ultimate-Ausstattung ein. Eine Investition zu der ich gerade bei Opel immer rate, ist das Matrix-LED-Licht (790 Euro), damit werden die serienmäßigen LED-Scheinwerfer durch die welche ersetzt, die deutlich mehr Licht aussenden, weil Sie nur Teilbereiche wir Gegenverkehr oder vorausfahrende Fahrzeuge maskieren, an den Seiten aber teils mit Fernlicht vorbei leuchten. Die Funktionsweise ist beeindruckend und ein echter Mehrwert.

...die Bedienelemente sind logisch gegliedert und profitieren von Schnellzugriffstasten


Für die Basis gibt es nur ein relativ simples Infotainmentsystem mit 7"-Touchscreen, wenn Du mehr Umfänge haben willst, musst Du (leider) 1000 Euro in die Lösung mit Navi investieren. Dabei haben die beiden mittleren Linien das gleiche System wie die Basis, aber mit mehr Fähigkeiten (unter anderem Android Auto und Apple Carplay). Und der Wert dieses Systems wird mit nur 260 Euro kalkuliert. Immerhin: das System funktioniert gut, der Touchscreen ist reaktionsschnell – aber die Navigation schlägt kein Smartphone, deshalb missfällt mir der Aufpreis so.


Am Ende ohne Stecker oder Steckern ohne Ende?


Ganz so dramatisch, wie im Zwischentitel gestaltet sich das Fazit zum Opel Mokka E nicht, aber die Erkenntnis wird vielleicht nicht jedem gefallen: Der Opel Mokka ist in seinem Segment – Klein-SUV – eine faire Alternative. Aber wenn Du Dich für einen vollelektrischen E-Mokka entscheidest, dann solltest Du Deine Ansprüche vorher ganz ehrlich abklopfen, denn mit seiner Reichweite bietet er nur einen kleinen Spielraum für große Spontaneität. Wenn Du das brauchst, dann kannst und solltest Du doch lieber (bedenkenlos) zu Benziner oder Diesel greifen.


Attila Langhammer

24 Nov. 2021