Opel Rocks-e: Individuelle Mobilitätslösung für Freitagsfuturisten?

Mathias Keiber

12 Nov. 2021

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Nachhaltige urbane Mobilität soll der Rocks-e liefern. Ob dem so ist, klärt unser Fahrbericht.

Frankreich hat seit Mitte letzten Jahres schon den Citroën Ami, Deutschland bekommt jetzt den baugleichen Rocks-e unter dem Opel-Banner mit Blitz und Vizor. Wohl in Anlehnung an eine sehr populäre Fahrzeugart spricht Opel von einem SUM, wobei die ersten beiden Buchstaben allerdings nicht für „sports“ und „utility“ stehen, sondern für „sustainable“ und „urban“ und der dritte für „mobility“. Um weiteren möglichen Missverständnissen gleich vorzugreifen: Der Rocks-e ist kein Auto – und Opel tut auch nicht so, als sei er eines. Er ist nämlich als Leichtkraftrad zugelassen. Letztendlich handelt es sich also um ein vollverkleidetes Moped mit vier Rädern. Opel will damit junge Leute an die Marke heran führen.


Der Rocks-e ist 2,41 Meter kurz, 1,39 Meter schlank und 471 Kilogramm leicht und darf bundesweit bereits von Jugendlichen ab 15 Jahren gefahren werden, die über einen Führerschein der Klasse AM verfügen. Möglich macht das junge Einstiegsalter eine Gesetzesnovelle, die 2021 in Kraft getreten ist. Zehntklässler und Oberstufenschüler können mit dem Rocks-e also montags bis donnerstags zur Penne fahren – und am letzten Schultag vor dem Wochenende zur Demo von „Fridays for Future“.

Die 5,5 kWh-Batterie kann laut Opel in rund 3,5 Stunden zu 100 Prozent über jede gewöhnliche Haushaltssteckdose wieder aufgeladen werden. Das, zu 100 Prozent aufgeladen, ist der Rocks-e natürlich, als ich meine erste Testfahrt durch das von der Herbstsonne geflutete Frankfurt am Main mache. In der Tat ist es so sonnig, dass Opel das Panoramadach des Rocks-e vorab mit dem integrierten Rolo abdunkelt. Andernfalls könnte man geblendet werden, heißt es. Ich frage mich an dieser Stelle: Wie wäre es mit Photovoltaik-Zellen anstelle des Panorama-Dachs? Antwort: Das würde den Rocks-e ziemlich teuer machen – und für die anvisierte Zielgruppe noch unerschwinglicher, als er für diese mit einem Einstiegspreis von 7990 Euro eh schon ist. Als Finanzier müssen also zahlungskräftige Eltern her.

Steigen wir mal ein. Erster Eindruck: Platz – und davon richtig viel. Mit etwas über 1,90 passe ich problemlos in den Zweisitzer rein. Ein Display hinter dem Lenkrad zeigt den Ladestand, die Restreichweite, die Geschwindigkeit und die Gesamtkilometer an, ebenso den Getriebemodus, der übrigens linker Hand gewählt wird – in etwa dort, wo man im Auto die Sitzposition einstellt. Die Navigation läuft übers Smartphone, eine Halterung ist rechts neben dem Lenkrad. Darin integriert sind eine USB-Buchse zum Laden des mobilen Endgeräts und die Tasten für die ziemlich laute Lüftung. Eine Heizung im eigentlichen Sinne gibt es nicht, doch soll die Lüftung reichen, um innen für eine 6 Grad höhere Temperatur als außen zu sorgen. Ist es drinnen im Sommer zu heiß, kann man die Scheiben in den Türen hälftig hochklappen. Doch beim Blick durch diese – autsch! Die Außenspiegel können nur horizontal bewegt werden. Für Sitzriesen – es soll davon auch minderjährige (Zielgruppe!) geben – ist das ein echtes Problem. Damit die Spiegel ihrer Funktion gerecht werden, muss ich meinen Hintern weit nach vorne bewegen – oder meinen Oberkörper beugen, denn höhenverstellbar sind die Sitze nicht. Klarer Fall: Da sollte Opel nachjustieren! Gleiches gilt für den viel zu kleinen Rückspiegel an der Frontscheibe.

Und damit ab in den Straßenverkehr. Mit seiner rein elektrischen Nennleistung von umgerechnet 8 PS, bzw. 12 PS beim Beschleunigen, seiner Höchstgeschwindigkeit von 45 Stundenkilometern und seiner Reichweite von 75 Kilometern nach WLTP ist der Rocks-e innerorts voll straßenverkehrstauglich – und in mancherlei Hinsicht manchen Autos sogar überlegen, insbesondere beim Wendekreis von lediglich 7,20 Metern. Beim Anfahren an der Ampel kann man Verbrenner auf die ersten Meter schonmal stehen lassen, wenn man es denn darauf anlegt. Ansonsten zeigt sich aber, dass man eben nicht in einem Auto unterwegs ist: Mangels Stoßdämpfern erhält man eine sehr ehrliche Rückmeldung über die Fahrbahnbeschaffenheit, zum Abbiegen im 90-Grad-Winkel muss ganz schön am Lenkrad gekurbelt werden und die Bremse sollte man eher treten als streicheln. Das dürfte für die Zielgruppe allerdings kein Problem sein, letztendlich kann sie altersbedingt mit den Annehmlichkeiten eines echten Autos noch nicht vertraut sein. Über das Alter der primären die Zielgruppe hinaus muss man sich aber schon fragen, wer den Rocks-e kaufen soll. Für 8000 Euro gibt es sehr brauchbare Gebrauchte. Eine Antwort kann vielleicht der Zeitgeist geben. Vermutlich freitags.


Technische Daten

Typ: Zweitüriges Leichtkraftmobil mit elektrischem Antrieb

Länge: 2,41 m, Breite: 1,39 m, Höhe: 1,52 m

Gewicht: 471 kg

Wendekreis: 7,20 m

Nennleistung: 6 kW/8 PS

Getriebe: Eingang-Automatik

Batterie: 5,5 kWh

Vmax: 45 km/h

Reichweite: 75 km (WLTP)

Preis: 7.990 Euro (Basismodell) / 8.790 Euro (Modelle TeKno und Klub)

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Mathias Keiber

12 Nov. 2021