OBD-II-Diagnosetool Otofix D1 / D1 Lite getestet

Attila Langhammer

16 Aug. 2021

1/4
Die Selbstdiagnosetools von Otofix haben einen stolzen Preis – deshalb habe ich das Top-of-the-Line-Gerät D1 getestet. Hier erfährst Du, wie komplex oder simpel das funktioniert, und wie weit Du mit den Erkenntnissen kommen kannst

(Fotos: YesAuto)


Es soll ja Leute geben, die sich im Falle des Unwohlbefindens im Internet belesen und den Hausarzt dann nur noch konsultieren um das entsprechende Rezept für ihr Leiden abzuholen. Das geht jetzt auch mit Autos; Otofix macht's möglich. Hinter Otofix verbrigt sich der deutsche Vertriebsname für die Auto-Diagnosegeräte von Autel und in dieser link führt zu einer Vorstellung der zur Zeit angebotenen Geräte. Hier wird jetzt dem Topgerät Otofix D1 auf den Zahn gefühlt. Dazu habe ich einfach mal eine Spontan-Diagnose an vier Fahrzeugen durchgeführt: meinem beinahe rostfreien Silberpfeil W203 C 180 Kompressor, dem BMW X2 meines Chefs, dem Ford Ecosport einer Kollegin und dem Volvo XC90 D5 eines Freundes.


Erstmal auspacken das Ding


Banderole ab, Hartplastikkoffer auf und da drin findest Du alles, was Du brauchst: das Tablet mit der Diagnose-Software, den OBD-II-Diagnosestecker fürs Auto sowie ein Ladegerät. Das Tablet selber ist ein durchschnittlich schnelles 7-Zoll-Android-Gerät, eingepackt in einen massiven schwarz-orangenen Bumper. An der Rückseite des Geräts gibt's eine Kamera sowie eine kleine LED-Leuchte. Der Stecker ist ebenfalls orange-schwarz, als kleines aber nützliches Gimmick hat er eine LED-Birne im Stecker integriert, das hilf bei manchen Autos tatsächlich, die OBD-II-Buchse überhaupt zu finden und dann auch zu treffen.


Bevor Du das Gerät nutzen kannst, musst Du einen Account einrichten – auf den wird dann auch die für ein Jahr gültige Software-Lizenz registriert. Danach musste ich sowohl auf dem D1 als auch auf dem D1 Lite erstmal Updates ziehen, das steht Dir dann sicher auch bevor. Aber wenn das erledigt ist, kanns losgehen.


Ran an die Autos


Mercedes-Benz C 180 Kompressor: Meine C-Klasse ist von , hat 196.000 Kilometer runter und mir ist bekannt, das die teil elektrifizierte Steuerung des Fahrersitzes nicht funktioniert und das die Klimaanlage nicht immer das macht, was ich gerade von ihr erwarte. Natürlich bin ich gespannt, was da noch kommt.

Der OBD-II-Anschluss befindet sich bei allen Fahrzeugen irgendwo im Fahrerfußraum, meist im Bereich zwischen A- und Lenksäule. Bei der C-Klasse gibt's einen kleinen Deckel, die Zugänglichkeit ist unproblematisch. Für viele Autos findest du mittlerweile sogar Youtube-Videos, auf denen jemand zeigt, wo die Schnittstelle liegt. Also: Stecker dran, Tablet an, die beiden Geräte finden sich dank Bluetooth automatisch. Aber bevor es losgehen kann, musst Du sicherstellen, das Dein Otofix-Tablet mit dem Internet verbunden ist, sonst geht nix. Dann über die Diagnosefunktion durchklicken, zuerst brauchst Du die Fahrgestellnummer – die kann das Gerät in der Regel auslesen, bei diesem Test hat das bei allen vier Modellen geklappt.


Dann werden die verschiedenen Steuergeräte und Softwarebereich gescannt, das dauert wenige Minuten und immer wenn ein Sektor durch ist, zeigt das Display an ob der Bereich fehlerfrei ist oder ob es ein Problem gibt. Ist der der Testlauf durch, kannst Du die fehlerhafte Baugruppe auswählen und dann erfährst Du, welcher oder welche Fehler in dem Bereich vorliegen. Willst Du dann weitergehen, passiert etwas recht banales: Das Gerät startet eine Google-Suche mit Fahrzeugmodell und Fehlercode – und je nachdem wie gut das Problem dokumentiert ist, erfährst Du mehr. Oder Du landest in einem Internetforum...


Bei meiner C-Klasse hat das Tool auf jeden Fall in zehn von 17 Bauteilgruppen insgesamt 38 Fehler gefunden. Und da hat auch die Internetrecherche durch das Otofix-Tablet keine Erhellung gebracht. Also war ich in dem Punkt kaum schlauer als vorher. Immerhin war das Klimaanlagenproblem auch dabei.


BMW X2: Das Mini-SÜVchen aus München kam quasi frisch vom 20.000-Kilometer-Service – und siehe da: Nix. Abgesehen von einer Störung des ConnectedDrive-Systems, das war nämlich aufgrund mangelnden Netzes im strukturschwachen Münchner Umland gerade nicht mit dem Internet verbunden.


Ford Ecosport 1.0 Ecoboost: Das Familienauto meiner Kollegin hat knapp über 40.000 Kilometer runter und fühlt sich laut Besitzerin Georgia völlig tadellos an. Positiv ist schon mal, das die OBD-II-Dose im Ecosport super leicht zugänglich ist. Also Funkstick anschließen, Diagnose starten, abwarten und: zwei Fehler gefunden. Aber leider komme ich auch hier nur bis zur Fehlercodesuche im Internet – und fühle mich dann wieder allein gelassen. Klar, das otofix D1 ist ein Diagnosetool, mehr verspricht es nicht. Aber eine klar verständliche Übersetzung des Problems würde sich einfach besser anfühlen.


Volvo XC90 D5: Auch Martins Volvo ist etwas mehr als 40.000 Kilometer gelaufen, befindet sich bei ihm seit kurzem in der zweiten Hand. Und Martin freut sich, dass wir zusammen seinem neuen Gebrauchten mal in die Innereien schauen. Probleme mit dem Funkschlüssel und der automatischen Sitzpositionseinstellung hat er schon selber festgestellt, aber wer weiß, was da noch kommt. Wieder läuft das Diagnose-Prozedere und D1 spuckt am Ende mehrere Fehler, verteilt auf vier Baugruppen aus. Darunter auch das Problem mit der Sitzverstellung, die nicht auf den zugewiesenen Autoschlüssel reagiert. Hier wird ein Innenraumsensor identifiziert, der anscheinend nicht korrekt mit dem Funkschlüssel kommuniziert.

Wirklich hilfreich war beim Volvo aber die Meldung, dass auf der Fahrerseite hinten sowie auf der Beifahrerseite vorn jeweils der innenliegende Abstandssensor der Rangierhilfe nicht funktioniert. Das würdest Du ohne eine solche Diagnose kaum merken. Und hier kannst Du Dir mit etwas Geschick sogar selbst helfen – dann aber darauf achten, dass durchs Selbstschrauben nicht irgendeine etwaige Garantie erlischt.


Wie hat sich Otofix D1 geschlagen?


Das Gerät Otofix D1 war in unserer Anwendung beinahe fehlerlos – nach dem Download eines Diagnosedatensatzes lässt sich nun die Sprache nicht wieder auf Deutsch stellen. Damit wird das Gerät nicht unbrauchbar, aber das Verständnis der Problemdiagsnosen wäre in Muttersprache deutlich einfacher. Das das Gerät nicht ohne Internetverbindung funktioniert empfinde ich ebenfalls als eine Verkomplizierung. Aber die Paarung mit dem Diagnose-Dongel der an die OBD-II-Dose im Auto gesteckt wird funktionierte jedesmal schnell und problemlos, die Menüführung ist im großen und ganzen intuitiv. Von daher würde ich sagen, die Fehlerdiagnose wird mit dem Otofix D1 tatsächlich supereinfach.


Aber dann? Dann hast Du, wie ich im Falle meiner C-Klasse, 38 Fehlercodes – und mit denen hilft Dir das Gerät natürlich nicht weiter. Klar, Du kannst per Suchbefehl direkt auf dem Tablet eine Internetsuche starten und je nach Hersteller findest Du mal eine richtige Fehlerdatenbank, mal auch nur einen Forumseintrag, der dann auch nicht weiterführt. Also geht's dann doch in die Werkstatt.


Daher mein Fazit: Otofix D1 funktioniert auch in den Händen von Laien unkompliziert und liefert klare Erkenntnisse. Aber die Schritte zur Fehlerbehebung kann oft trotzdem erst ein Kfz-Mechatroniker einleiten.

360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.

Attila Langhammer

16 Aug. 2021