Pablo Escobars Porsche 911 RSR steht zum Verkauf!

Arne Roller

08 Okt. 2021

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Wer hätte es gewusst? Der bekannte und gefürchtete Drogenboss war auch Hobby-Rennfahrer.


Motorsport ist teuer. Wer mitmachen will, braucht je nach Ernsthaftigkeit der Unternehmung einen recht dicken Geldbeutel. Dass Drogenboss Pablo Escobar den seinerzeit hatte, ist klar. In seinen „besten Tagen“ machte er täglich rund 70 Millionen US-Dollar. Da kann man sich dann auch ein teures Hobby leisten.



Escobars Auto war auf wundersame Weise schneller als die anderen


In den 1970er Jahren nimmt Escobar an der kolumbianischen Copa Renault 4 teil und findet sich nach nur sechs Rennen auf dem zweiten Platz der Meisterschaftsrangliste wieder.


Einer der von Escobar pilotierten Renault R4.


Es ist jedoch vielleicht nicht reines Können, dass ihn so gut dastehen lässt. Eigentlich sollen alle Renault R4 der Meisterschaft gleich sein. Escobars Wagen ist aber allem Anschein nach ein bisschen „gleicher“. In Kurven nehmen ihm schnellere Fahrer Zeit und Positionen ab, die er auf den Geraden wieder zurückgewinnt. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Natürlich kommen keine Beweise auf. Mit Drogenboss Escobar will es sich niemand verscherzen.



Die Polizei – Escobars Freund und Helfer


Seine Konkurrenten munkeln, dass er auch die Polizei besticht, um schnellere Fahrer auf dem Weg zur Strecke abzugreifen. Ein Rivale, Alvaro Mejia, behauptet damals, die Polizei habe ihn stundenlang am Straßenrand aufgehalten, um seine Papiere zu überprüfen. Mejia schaffte es nur knapp rechtzeitig zum Rennen.



Pablo Escobar: Offiziell ist der Hobby-Rennfahrer Auto- und Immobilienhändler


In der Presse achten Journalisten darauf, nicht über seinen eigentlichen „Beruf“ zu berichten. Offiziell begann Escobar mit dem Handeln von gebrauchten Fahrrädern und stieg später in den Auto- sowie Immobilienhandel ein. Sein Bruder Roberto hatte tatsächlich einen Radelshop und sponserte damit Autos von Escobar.


Auf diesem Simca 1000 ist die Werbung für den Fahrradladen von Escobars Bruder erkennbar.


Später wechselte Escobar zu stärkeren Autos wie einem Porsche 935V, als er mit dem Open-Wheel-Fahrer Ricardo "Cuchilla" Londono, Kolumbiens berühmtestem Rennfahrer, eine Wette abschließt. Bei einem Bergrennen in Medellin wettet er, dass er mit weniger als 15 Sekunden Abstand zu Londono ins Ziel kommen wird. Escobar brauchte nur acht Sekunden mehr und gewinnt damit die Wette.


Pablo Escobar mit seinem Porsche 935v.


Der Drogenbaron versucht sogar, Londono mit seinem Geld in die Königsklasse zu hieven. Aber als Bernie Ecclestone, der damalige Formel 1-Boss, herausfindet, woher das Geld kommt, verweigert er Londono die Superlizenz, was seine F1-Hoffnungen beendet.


Schließlich kauft Escobar den 911 RSR, der jetzt bei Collecting Cars im Angebot ist. Bei dem Boliden handelt es sich um einen 911 Carrera 3.0 RSR IROC, den Escobar damals mit einem 935er-Bodykit zu Felde führt.


Pablo Escobar mit dem 911er, versteckt unter einem 935er-Bodykit.


Porsche 911 Carrera 3.0 RSR IROC: Noch mehr Prominenz in der Geschichte des Wagens


Der 911 RSR IROC ist einer von nur 15 Exemplaren, die für das Modelljahr 1974 gebaut wurden. Zudem war Escobar in der Geschichte des Wagens nicht der einzige „prominente“ Besitzer und/oder Fahrer. Der bekannte Team-Besitzer Roger Penske kauft das Fahrzeug und setzt während der ersten IROC-Saison (International Race of Champions) keinen Geringeren als Formel 1-Legende Emerson Fittipaldi auf den Fahrersitz. Roger Penkse hatte die Rennserie zuvor mit initiiert. Gedacht war sie als eine Art All-Star-Meisterschaft des Motorsports. Teilnehmer waren neben Fittipaldi unter anderem die NASCAR-Legende Richard Petty und Indy 500-Sieger Mark Donohue.


Im Heck des 911ers arbeitet ein 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxer mit 315 PS. (Foto: Collecting Cars)


Später gibt Penske den Wagen an IMSA-Rennfahrer John Tunstall weiter, der den RSR bei Rennen wie den 24 Stunden von Daytona und den 12 Stunden von Sebring pilotierte. Tunstall ist es, der den 11er schließlich an Kartellchef Escobar veräußert.



Porsche 911 Carrera 3.0 RSR IROC: Wieder im Originalzustand


Anfang der 1990er geht es für den Porsche dann wieder zurück in die USA. Die Originalkarosse bekommt hier eine vollständige Restaurierung. Dabei behält der Wagen seinen ursprünglichen 3,0-Liter-Sechszylinder-Boxer sowie das werksseitige Fünfgang-Schaltgetriebe.


Einst Vergnügungsort von Pablo Escobar und Arbeitsplatz von Emerson Fittipaldi: das Cockpit des RSR. (Foto: Collecting Cars)


Und auch die Lackierung erhält wieder ihren Ursprungszustand, mit dem Namen von Fittipaldi auf den Türen und der Windschutzscheibe.


Der RSR trägt wieder seine Original-IROC-Lackierung mit dem Fahrernamen auf der Tür. (Foto: Collecting Cars)


Klare Sache, jeder Porsche 911 Carrera 3.0 RSR IROC ist ein wertvolles Auto. Aber nur wenige haben eine so einzigartige Liste von Besitzern und Fahrern wie dieses Exemplar. Da ist es dann auch keine Überraschung, dass die Auktion sich bereits der 1-Millionen-Dollar-Marke nähert.

Arne Roller

08 Okt. 2021