Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid: Roadtrip mit der Chef-Rakete

Arne Roller

08 Dez. 2020

1/6
Mit den neuen Hybridmodellen Panamera 4 E-Hybrid und Panamera Turbo S E-Hybrid rundet Porsche die Modellpalette der Facelift-Version ab. Beim Turbo S E-Hybrid sorgt die elektrische Extrapower für fantastische Fahrwerte. YesAuto-Redakteur Arne Roller ist auf der edlen Kanonenkugel geritten.

Es ist einer dieser Tage, an denen wir Motorjournalisten unseren Beruf ganz besonders lieben. Porsche lädt zur Probefahrt mit den neuesten Panamera Plug-in-Modellen. Also begeben sich mein Kollege Attila Langhammer und ich auf den Trip von München ins Ländle, begleitet von unserer Videocrew. Bereit für zwei tolle Tage mit den neuesten Panameras.


In Stuttgart angekommen, übernehmen wir unsere Wagen: ein 4 E-Hybrid in einem auffälligen Orange namens „Papaya Metallic“ (richtig knallig!) und ein Turbo S E-Hybrid als Langversion „Executive“ im eher tristen Volcano Grey Metallic. Zunächst einmal bewegen wir uns aus der Stadt raus, um dort unsere Challenge zu starten. Heute wollen wir bis ins Altmühltal fahren und schauen, wer von uns es schafft, mit den PS-Monstern spritsparender unterwegs zu sein. Nach Hause kann dann später immer noch geballert werden, was die Autobahn hergibt. Allerdings hat einer von uns bei dieser Challenge einen großen Nachteil. Schließlich leistet der Turbo S E-Hybrid satte 700 PS. Der orangefarbene 4 E-Hybrid kommt „nur“ auf 462 Pferdchen Systemleistung.


In Weinstadt, östlich von Stuttgart, finden wir einen Platz zum Anhalten. Nun geht es darum, zu entscheiden, wer die Challenge mit welchem der beiden Prachtfahrzeuge absolviert. Kollege Attila steht auf das knallige Orange und die Karosserieform des Sport Turismo. Und ich? In meinem Kopf höre ich dauernd nur „700 PS, 869 Newtonmeter, 700 PS … “ Diese Entscheidung war also einfach – und schneller erledigt als gedacht. Als Zielpunkt legen wir die Aral-Tankstelle in Monheim fest, von Weinstadt rund 130 Kilometer entfernt. Dann springen wir in die Fahrzeuge und ab geht die Lutzi, aber gaaaaanz gemächlich.


Mein Gefährt, der Panamera Turbo S E-Hybrid, hat den bekannten, jetzt 571 PS starken 4,0-Liter-V8-BiTurbo unter der Haube. Hinzu gesellt sich ein Elektromotor mit 136 Pferdchen, der den 5,20 Meter langen und 2.445 Kilogramm schweren Panamera rein elektrisch auf bis zu 140 km/h beschleunigen kann. Mit den vollen 700 PS Systemleistung sind 315 km/h drin und der Sprint von Null auf Hundert ist in gerade mal 3,3 Sekunden erledigt. Beim Verbrauch des Panamera Turbo S E-Hybrid gibt Porsche 2,8 Liter/100 km an.


Optisch hat sich beim Facelift nicht allzu viel geändert: Alle Modelle erhalten künftig die bisher optionale Sport Design-Front und am Heck findet sich jetzt eine durchgehende LED-Lichtleiste, wo bisher eine kleine Lücke das Lichtspiel unterbrach.


Zeitlos elegantes Design: An der Seitenansicht des Panamera hat sich beim Facelift nichts geändert. (Foto: Porsche)


Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid – Die wichtigsten Daten


Länge/Breite/Höhe: 5.199 mm/1.937 mm/1.432 mm

Radstand: 3.100 mm

Verbrennungsmotor: 4,0-Liter-V8-Biturbo, 420 kW/571 PS bei 5.750-6.000 U/min, maximales Drehmoment: 770 Newtonmeter bei 2.100 – 4.500 U/min

Elektromotor: Permanenterregte Synchronmaschine mit Außenläufer, 100 kW/136 PS bei 2.800 U/min, maximales Drehmoment: 400 Newtonmeter bei 100-2.300 U/min

Systemleistung: 515 kW/700 PS bei 6.000 U/min, maximales System-Drehmoment: 870 Newtonmeter bei 1.500-5.500 U/min

Antrieb: Allradantrieb

Getriebe: 8-Gang-Doppelkupplungsgetriebe

Leergewicht: 2.445 Kilogramm

0-100 km/h: 3,3 s

Vmax: 315 km/h

Batteriekapazität: 17,9 kWh

Elektrische Reichweite: 49 Kilometer (WLTP)

Durchschnittsverbrauch (WLTP): 2,8 l/100 km

CO2-Ausstoß (WLTP): 63 g/km

Abgasnorm: Euro 6d-ISC-FCM (EU6 AP)

Effizienzklasse: A+

Tankinhalt: 80 Liter

Preis: ab 198.645 Euro


Mit dem beim Turbo S E-Hybrid serienmäßigen Mode-3-Ladekabel lässt es sich auch unterwegs mit 7,2 kW laden. Wie auch bei Starkstromanschluss ist der Akku dann nach 2,5 Stunden wieder voll. In jeder Normalo-Steckdose zu Hause dauert es 8,5 Stunden. Da bleiben wirklich keine Ausreden mehr für Lademuffel. Allemal nicht für diejenigen mit Eigenheim samt Garage oder Parkplatz vor der Tür. Und das wird bei den meisten Porsche-Käufern der Fall sein.



Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid: Im schönen Innenraum finden luxuriöses Raumangebot und Platzmangel zueinander


Auf unserer geruhsamen Fahrt Richtung Monheim bleibt viel Zeit für die Begutachtung von Interieur und Infotainment des Panamera-Facelifts. Das Design des Innenraums ist klassisch und stilvoll, mit bekannten Porsche-Stilelementen wie der auf dem Dashboard thronenden Uhr. Die Materialien sind schön anzusehen und fühlen sich wertig – man findet nichts, woran sich Sparwille erkennen ließe. Aber ganz so exklusiv wie beispielsweise in einem Bentley wirken die Materialien nicht.


Neu im Panamera: Das Lenkrad aus dem 911er. (Foto: Porsche)


Sitzheizung und-lüftung, Massagefunktion für alle Insassen, Lenkradheizung, es fehlt einem an nichts. Außer an Stauraum für Kleinstutensilien. Der ist absolute Mangelware. Und das zu unserem Erschrecken nicht nur vorne. Wohin mit dem Handy? Das frage ich mich immer recht schnell, wenn ich in ein unbekanntes Auto einsteige. Die einzige Möglichkeit im Panamera: die Mittelkonsole.


Der Innenraum des Panamera: Elegant und geräumig, dabei aber wenig praktikabel. (Foto: Porsche)


Aber gut, während der Fahrt braucht man das Handy schließlich nicht. Dabei helfen auch die nun kabellos verfügbaren Funktionen von Apple CarPlay und Android Auto. Aber Achtung beim neuen, induktiven Laden: Mein Smartphone wurde durch den „Ladebügel“ in der Mittelkonsole so heiß, dass die Steuerung des Handys für Minuten schrecklich langsam wurde. Erst nach der Abkühlung lief es wieder einwandfrei. Danach lud ich lieber mit der Powerbank, als dieser induktiven Ladestation nochmal zu vertrauen.


Das zweite „Accessoire“, das verstaut werden will: Die Sonnenbrille. Ein Fach gibt es nicht. Bleiben nur der Stauraum in der Tür oder eben wieder die Mittelkonsole. Das ist nicht wirklich passend, aber andere Möglichkeiten gibt es in unserem Panamera mit Raucher-Paket einfach nicht. Und wer bei der Executive-Version die ausklappbaren Tische für den Fond auswählt, dem geht es ebendort genauso. Zum sehr üppig vorhandenen Platz kommen dann zwei schöne Ablagen für Speisen und Unterlagen. Aber die Möglichkeiten der Unterbringung von Utensilien bleibt sträflich unterrepräsentiert.


Die Tische im Fond haben nicht nur Vorteile: Wo sie weklappen, geht Stauraum verloren. (Foto: Porsche)


Vielleicht kann uns hier jemand helfen: Auch nach zwanzig Minuten des gemeinsamen Suchens finden YesAuto-Social-Media-Manager Tobias und ich im Fond nicht einen einzigen USB-Stecker. In der Pressemappe sind zwar zwei vermerkt, aber dort steht auch etwas von einer Bose-Anlage – und in unserem Fahrzeug sind eindeutig Burmester-Lautsprecher verbaut. Also glauben wir dieser Mappe nichts. Vorne, in der Mittelkonsole, gibt es jeweils einen USB-C- sowie einen 12-Volt-Anschluss und die besagte Vorrichtung für das induktive Laden, der ich das Vertrauen entzogen habe. Das war‘s. Wenn „Cheffe“ also während der Fahrt Saft braucht, muss auch er zur Powerbank greifen oder seinem Chauffeur das Handy zum Aufladen reichen. Und der fährt aus Sicherheitsgründen besser erstmal rechts ran. Denn die Mittelkonsole mal eben während der Fahrt mit dem rechten Arm zu öffnen, ist eine ziemliche Verrenkung.


Teil 1: Die Spritspar-Challenge


Aber genug über die fehlende Praktikabilität im Innenraum gemeckert. Und zurück zur Challenge. Nach einer halben Stunde Fahrt rufe ich Attila an. Mit aktuell 7,9 Litern laut Bordcomputer bin ich zuversichtlich. „Wie sieht’s bei dir aus?“, frage ich ihn. „Bin bei 10 Litern glatt“ lautet die Antwort. Das höre ich natürlich gerne. Kann ich mit dem 700 PS-Monster am Ende etwa gewinnen? Die meiste Zeit bin ich im automatischen Hybrid Auto-Modus unterwegs. Bildet sich innerhalb von Ortschaften ein kleiner Stau oder sehe ich rote Ampeln, stelle ich eigenmächtig auf E-Power. Sicher ist sicher, denn natürlich möchte ich, dass der V8 in diesen Situationen definitiv abgestellt bleibt. Als die Batterien schließlich leer sind, lade ich sie auf Überlandfahrten per E-Charge-Modus wieder etwas auf, um weiterhin in den kleinen Städtchen und Dörfern entlang der Strecke rein elektrisch fahren zu können. Und das funktioniert auch.


Da haben zwei richtig Freude an der Arbeit: Die YesAuto-Redakteure Attila Langhammer (links) und Arne Roller mit den Panameras.


Nach rund einer Stunde Fahrt kommt ein Anruf von Attila. „Wo bleibt ihr denn?“, fragt er und fügt hinzu: „Wir sind seit zehn Minuten da und haben schon getankt“. Das schockt mich jetzt ein bisschen. Zweimal haben wir kurz angehalten, um die Kameras zu richten, aber das war’s. Mehr als zehn Minuten dauerten diese Stopps nicht. „Wie kannst du schon da sein, wir brauchen noch 35 Minuten!?“ Attila hatte die Porsche-Navigation genutzt und lediglich 8,6 Liter auf 100 Kilometer verbraucht. Ich stand inzwischen laut Bordcomputer bei 8,8 Litern. Langsamer und mit mehr Verbrauch, was für eine Enttäuschung. Fakt ist: die intelligente Steuerung des automatischen Hybrid Auto-Modus funktioniert dann am besten, wenn man das Porsche-Navigationssystem nutzt und das Fahrzeug damit die Strecke kennt und vorausplanen kann. Ich allerdings war via Google Maps unterwegs und hatte die Wechsel der Fahrmodi manuell ausgeführt. Dass man mit einem integrierten Navi schneller am Ziel ist als mit Google Maps, das ist auch selten. Punkt für Porsche.


Als wir schließlich in Monheim ankommen, steigt die Spannung an der Zapfsäule in ungeahnte Höhen. Triumphierend lächelnd steht Attila mit seinem Kassenbon neben mir an der Säule, während ich dem 4,0-Liter-V8 neuen Lebenssaft einflöße. Bei 15,1 Litern klickt die Zapfpistole. Das ergibt nach 159 gefahrenen Kilometern einen Verbrauch von 9,5 Litern auf 100 Kilometer. Ein Seufzen von mir, ein Lachen vom Kollegen. Keine Chance. Diese Challenge ging ganz klar an Attila.


Teil 2: Freie Fahrt nach München


Der schönste Teil kommt allerdings erst. Schließlich steht die Heimreise an. Und jetzt erst beginnt der wirkliche Spaß. Auf der Landstraße die Beschleunigung von Null auf Hundert in 3,3 Sekunden erleben? Das geht. Und es ist einfach brutal. Immerhin schießen knapp 2,5 Tonnen in dieser Zeit auf Landstraßentempo. Das Fahrwerk des Panamera ist über jeden Zweifel erhaben – ein absolutes Brett. Das Dickschiff gibt sich keine Blöße. Die Spreizung der Use-Cases sucht in einem Panamera seinesgleichen. Rennstrecke? Dafür ist er gemacht. Urlaub mit der Familie? Dafür ist er gemacht. Langstrecke als Chauffeurfahrzeug? Dasselbe Lied.


Kommen wir kurz zum Sound des V8-Motors: Dieser Porsche ist vielmehr stilvolles Fortbewegungsmittel für die Bosse der Bosse als flexender Macho. Daher hat er es nicht nötig, übermäßig zu brüllen. Nach dem Motto „Nur kleine Hunde bellen viel“, blubbert dieser V8 zwar schön, aber schließlich soll die Ruhe des arbeitenden CEO auf der Rückbank auch bei Tempo 200 nicht allzu sehr gestört werden. „Aufdringliches“ V8-Gebrüll dringt daher nicht bis zum Innenraum vor. Und auch von außen klingt er nach einem der zivilisiertesten V8 überhaupt.


Auf der Autobahn zeigt sich das Selbstverständnis des Porsche Panamera Turbo S E-Hybrid. Ein Auto, dass alle anderen einfach mühelos hinter sich lässt und dabei ganz unaufgeregt bleibt. Ein Panamera befindet sich in keinem kindischen Wettbewerb. Er bewahrt stets Contenance und versägt dabei kultiviert so ziemlich jedes andere Gefährt. So muss das eben sein bei einem Auto, dessen Preisliste bei 198.645 Euro anfängt.


360°

Details

Gebraucht

Videos

News

Du weißt nicht, welches Auto zu Deinem Lebensstil passt? Frag YesAuto! Unser Kaufberater zeigt Dir alle Informationen, die Du brauchst um die richtige Entscheidung zu treffen.

Arne Roller

08 Dez. 2020