Porsche: Verbrenner-Sound für E-Autos

Arne Roller

18 Nov. 2021

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Die Stuttgarter arbeiten an einem Geräuschsimulator für Elektroautos. Das zeigen unlängst eingereichte Patentdokumente.

Ein Argument derjenigen, die sich nach wie vor nicht mit dem Gedanken an das Fahren eines E-Autos anfreunden können, ist der fehlende Sound.

Fans des gepflegten V8-Röhrens und/oder Liebhaber eine sonoren (Reihen-)Sechszylinder-Wummerns widerstrebt das geräuschlose Fahren gar allzu sehr. Fahrkultur-Enthusiasten, zu denen sicher auch viele Porsche-Liebhaber gehören, kommen beim E-Auto bisher einfach nicht auf ihre akustischen Kosten.


Porsche will das ändern. Die Stuttgarter haben diesbezüglich Unterlagen beim deutschen Patentamt eingereicht. Die aktuell in E-Autos zum Einsatz kommenden Lautsprecher zur Fußgängerwarnung nennt Porsche in dem Patendokument „[…] in ihrer Lautstärke und Klangqualität beschränkt." Der folgenden Aussage im Dokument können wir sicher auch alle zustimmen: „Emotionen werden dabei nicht erzeugt.“



Porsche: "Realistische Verbrennergeräusche"


Als Lösung plant der Sportwagen-Hersteller jetzt einen Soundgenerator, verbaut in einem Resonanzkörper, der dem Auspuffkasten eines Verbrenners gar nicht unähnlich ist. Diese Hülle soll demnach aus „einem Werkstoff für Endrohre eines (konventionellen) Auspuffsystems“ bestehen, heißt es in der sogenannten Offenlegungsschrift, die sowohl dem deutschen als auch dem Europäischen Patentamt vorliegt. Laut Porsche „[…] können realistische (also Verbrenner-artige) Auspuffgeräusche erzeugt werden.“ Weiter heißt es, der Geräuschsimulator generiere einen Sound, der „[…] aufgrund der Wahl des Werkstoffs der emotionalen Prägung von Fahrzeugliebhabern sehr nahe kommt, bis zu identisch ist.“ Große und zugleich erfreuliche Worte. Und das ist noch nicht alles: Es soll wieder sichtbare Auspuffrohre geben. Dazu heißt es im Patentdokument: „In einer bevorzugten Ausführungsform ist der Schallauslass optisch wie ein oder mehrere Endrohre gestaltet.“


Diese und weitere technische Zeichnungen von Geräuschsimulator liegen dem Europäischen Patentamt vor.



Geräuschsimulator: Schon bald im E-Macan?


Nun muss man sagen, dass Freunde schöner Motorengeräusche von künstlich erzeugten Effekten wohl ebenso wenig halten wie von den geräuschlosen E-Autos. Und trotzdem: Hier könnte eine ganz neue Disziplin entstehen. Ich sehe eine Zukunft, in der Hersteller um die beliebtesten künstlichen Motorsounds ihrer Fahrzeuge konkurrieren. Ähnlich kennt man es bereits, wenn es um die markanteste und schönste Lichtsilhouette geht. Brauchen tut man das alles nicht. Aber genau darum darf es bei Premium-Fahrzeugen nicht gehen. Emotionen, Design und verwöhnte Sinne spielen bei Porsche & Co. zu Recht eine große Rolle. Es muss auch einfach schöne und spaßige Dinge geben dürfen. Von daher, ein Daumen hoch von meiner Seite. Und wem es nicht gefällt: Sollte der Soundgenerator in einem neuen Taycan oder dem bald erscheinenden E-Macan zum Einsatz kommen, so ist er wahrscheinlich optional – aber sicher immer abschaltbar. Alles andere wäre eine große Überraschung.




(Fotos: Europäisches Patentamt)


Arne Roller

18 Nov. 2021